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15.04.17 / 00:01
Heft 08/2017 Der besondere Fall mit CME
Der besondere Fall mit CME

Mukoepidermoidkarzinom des Gaumens


CME-Fortbildung

Eine symptomlose, langsam wachsende und nicht verschiebliche Schwellung am Gaumen war Anlass für eine Konsultation beim Kieferchirurgen. Nach einer umfangreichen Differenzialdiagnostik zeigte sich ein malignes Geschehen ohne Lymphknotenbeteiligung, das reseziert werden musste.




Ein 53-jähiger Patient stellte sich nach der Überweisung durch seinen Hauszahnarzt mit einer umschriebenen Schwellung im Bereich des Hart- und Weichgaumens rechts in der Poliklinik der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Universitätsmedizin Rostock vor. Klinisch imponierte eine blau- livide, submuköse palatinale Raumforderung, die weder druckdolent noch verschiebbar war (Abbildung 1). Anamnestisch war es während der vergangenen Wochen bis Monate zu einem leicht progredienten Wachstum gekommen. Weitere Erkrankungen verneinte der Patient.

Bei initialem Verdacht auf Vorliegen eines pleomorphen Adenoms wurde eine CT-Untersuchung mit Kontrastmittel durchgeführt. Hier zeigte sich ein 1,7 cm x 1,6 cm großer, expansiler Prozess palatinal 17 mit Ausdehnung und konvexbogiger Verlagerung der medialen Kieferhöhlenwand als Hinweis auf einen chronischen Prozess (Abbildung 2).

Nach der Applikation von Kontrastmittel kam es allenfalls zu einem diskreten marginalen Enhancement der kugeligen Läsion, wobei sich die größten Abschnitte zentral deutlich dichte-gemindert zeigten. Zur weiterführenden Diagnostik erfolgte ein MRT. Hier bestätigte sich eine annähernd rundliche Raumforderung in engem Lagebezug zum Alveolarfortsatz regio 16 bis 18, MR-morphologisch vereinbar mit einem pleomorphen Adenom (Abbildung 3a und 3b).

Sowohl in der Sonografie als auch im CT/MRT ergab sich kein Hinweis auf eine Metastasierung im Kopf-Hals-Bereich.

Nach der präoperativen Vorbereitung erfolgte die Exstirpation des zystisch aufgebauten Tumors während einer Intubationsnarkose (Abbildung 4).

Nach Entfernung mit einem Sicherheitsabstand von 0,5 – 1 cm im Weichgewebe stellte sich der makroskopisch nicht infiltrierte palatinale Knochen dar, die Läsion hatte das Periost nicht durchbrochen (Abbildung 5). Anschließend wurde eine präoperativ gefertigte Verbandsplatte eingebracht, die der Patient in den ersten zwei Wochen einmal am Tag zur Reinigung entfernte.

Die histopathologische Begutachtung des Präparats erbrachte ein maximal 1,5 cm messendes, gut differenziertes Low-gradeMukoepidermoidkarzinom (pT1, G1, L0, V0, R0; Abbildung 6).

Nach der Vorstellung des Falles im interdisziplinären Tumorboard der Universitätsmedizin Rostock wurde der Entschluss gefasst, keine Nachresektion des Knochens zu unternehmen und den Patienten in die Nachbeobachtung im Rahmen der Tumorsprechstunde einzubinden.

In der postoperativen Nachsorge zeigte sich, unter weicher Kost und täglichen Mundspülungen mit 0,12-prozentigem Chlorhexidin eine gute und zeitgerechte Persecundam-Heilung des Defekts unter der Verbandsplatte (Abbildung 7). Bei einer Nachsorgedauer von nunmehr drei Monaten fanden sich keine Hinweise für ein Rezidiv beziehungsweise eine Metastasierung.



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