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01.09.11 / 00:07
Heft 17/2011 Zahnmedizin
Oralchirurgie

Myofibroblasten bei oralen epithelialen Dysplasien und Plattenepithel-CA

Eine Karzinogenese ist normalerweise mit verschiedenen Veränderungen im Stroma verbunden und wird mit dem Auftreten von Myofibroblasten assoziiert. Ziel dieser Studie ist, das Vorkommen von Myofibroblasten in nicht-erkrankter Mukosa und bei oralen epithelialen Dysplasien zu vergleichen.



Weltweit wird auf dem Gebiet der Zahnmedizin geforscht und diese Forschungsergebnisse werden in internationalen Fachzeitschriften publiziert. Aber welcher Zahnarzt schafft es zeitlich, alle Veröffentlichungen zu lesen, selbst wenn sie noch so interessant sind? Deshalb haben Fachleute hier wichtige aktuelle Arbeiten, die auch für den täglichen Praxisablauf relevant sind, zusammengefasst.

Das Plattenepithelkarzinom ist eine der häufigsten Formen der malignen oralen Dysplasie und hat aufgrund seiner hohen Mortalitätsrate besondere klinische Bedeutung. Ungefähr zehn bis 20 Prozent der oralen Dysplasien überschreiten die Basalzellgrenze und entwickeln sich karzinogen. Mehrere Studien haben gezeigt, dass die Mikroumgebung beziehungsweise das Stroma der Dysplasie eine aktive Rolle bei der Tumorprogression spielt. Die dabei stattfindende Umwandlung der im Stroma liegenden Fibroblasten zu Myofibroblasten ist ein relevanter Vorgang, der bis heute nicht intensiv erforscht wurde. Diese Umwandlung wird durch von den Tumorzellen abgegebene Wachstumsfaktoren und Glykoproteine induziert. Danach scheiden die Myofibroblasten Wachstumsfaktoren und Entzündungsmediatoren aus, die wiederum die Proliferation der Epithelzellen stimulieren. Die wechselseitige Beeinflussung von Tumorzellen und Myofibroblasten spielt eine wichtige Rolle bei der Tumorinvasion.

In der vorliegenden Studie wurden Probeexzisionen der Mundschleimhaut von 40 Patienten mit diagnostiziertem Plattenepithelkarzinom, von 15 Patienten mit epithelialen Dysplasien und von 15 Probanden mit nichterkrankter Mukosa unter Anwendung verschiedener pathologischer Untersuchungsmethoden analysiert. Dabei stellte die nichterkrankte Mukosa, die während einer kieferorthopädisch notwendigen Zahnextraktion aus Extraktionsalveolen gewonnen werden konnte, die Kontrollgruppe dar. Es wurde in Formalin fixiert, in Paraffin eingebettet und mit Hämatoxylin-Eosin gefärbt.

Die Proben wurden histologisch in leicht (35), mittel (40) und schwer (25 Prozent) differenzierte Formen und die intraepithelialen Dysplasien in mild (33,4), mittelmäßig (40) und schwer (26,6 Prozent) differenzierte Proben eingeteilt. Eine spezielle Immunfärbung erfolgte nach Herstellerangaben, wobei primäre monoklonale Mausantikörper gegen alpha-SMA, Desmin und Vimentin zum Einsatz kamen. Zunächst wurden vier Mikrometer Fragmente auf mit 3-Aminopropyltriethoxysilan beschichteten Objektträgern aufgebracht, in Xylen entfettet und in reinem Alkohol hydriert. Eine endogene Peroxydaseaktivität wurde durch zehnminütige Lagerung in H 2 O unterbunden. Für die hitzeinduzierte Antigengewinnung (Mikrowelle: 56 oC, 20 Minuten) wurden alpha-SMA und Desmin mit 10 Millimol Tris-Puffer, 1 mM EDTA mit einem pHWert von neun und Vimentin mit 10 Millimol Tris-Puffer und 1 Millimol EDTA bei einem pH von sechs behandelt. Alle Objektträger mit alpha-SMA (1:100) und Desmin (1:150) wurden für eine Stunde, die mit Vimentin (1:50) für 120 Minuten bei Raumtemperatur gelagert. Die Fragmente wurden in phosphatgepufferter NaCl-Lösung gewaschen und mit dem „Stroptavidin-Biotin-Peroxidase( PBS)-Nachweis-KIT“ (DAKO) angefärbt, gefolgt von einer Spülung mit PBS und einer Fixierung in 3,3-Diaminobenzidine, mit Mayers Hematoxylin wurde gegengefärbt. Als Positivkontrolle für alpha-SMA und Desmin wurden nochmals Colon-Gewebe und für Vimentin humane Tonsillen verwendet. Die primären Antikörper wurden durch Non- Immun-Serum der Maus bei gleicher Verdünnung ersetzt. Die Immunfärbung zeigte, dass Myofibroblasten weder im Stroma der normalen Mukosa noch im Stroma von oralen Dysplasien vorhanden waren, während alle Plattenepithelkarzinom-Proben Eine Karzinogenese ist normalerweise mit verschiedenen Veränderungen im Stroma verbunden und wird mit dem Auftreten von Myofibroblasten assoziiert. Ziel dieser Studie ist, das Vorkommen von Myofibroblasten in nicht-erkrankter Mukosa und bei oralen epithelialen Dysplasien zu vergleichen. Weltweit wird auf dem Gebiet der Zahnmedizin geforscht und diese Forschungsergebnisse werden in internationalen Fachzeitschriften publiziert. Aber welcher Zahnarzt schafft es zeitlich, alle Veröffentlichungen zu lesen, selbst wenn sie noch so interessant sind? Deshalb haben Fachleute hier wichtige aktuelle Arbeiten, die auch für den täglichen Praxisablauf relevant sind, zusammengefasst. unterschiedlich starke Immunfärbungen aufwiesen. Der Farbindex der Plattenepithelkarzinomfälle war bei 20 Prozent niedrig, bei 47,5 Prozent mäßig und bei 32,5 Prozent hoch. Die Streuung der Myofibroblasten bei den histologisch unterschiedlichen Graden der Plattenepithelkarzinome war nicht signifikant unterschiedlich.

Die Autoren folgern daraus, dass sich das Stroma der Neubildung gleichzeitig mit der Umwandlung des nicht-erkrankten epithelialen Gewebes zum präkanzerösen und dann zum kanzerösen Epithel verändert. Die Umgestaltung der extrazellulären Matrix, die sogenannte Stromagenese, wird von den Tumorzellen initiiert, wobei die Stromazellen für die Organisation dieses Prozesses verantwortlich waren. Die tumorwachstumsfördernde Rolle der Myofibroblasten wurde in mehreren malignen und aggressiven Läsionen nachgewiesen. Andere Studien haben gezeigt, dass das Plattenepithelkarzinom Faktoren freisetzt, die Fibroblasten zu Myofibroblasten umwandeln. Dies führte zur kanzerogenen Proliferation. Die Zahl der Studien zu dieser Thematik bleibt begrenzt.

Quelle: Etemad-Moghadam S, Khalili M, Tirgary F, Alaeddinil M.
Evaluation of myofibroblasten in oral epithelial dysplasia and squamous
cell Carcinoma. J Oral Pathol
Med 2009;38:639-643

ZA Mahmoud Karashouli
Charité-Universitätsmedizin Berlin
CharitéCentrum 3 für ZMK
Abt. für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie
Aßmannshauser Str. 4-6
14197 Berlin



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