zm-online
01.01.04 / 00:11
Heft 01/2004 Zahnmedizin
27. Jtg des AK Forensische Odonto-Stomatologie

Nationalsozialismus, DNA-Analyse und mehr

Mitte Oktober trafen sich über 40 Zahnärztinnen und Zahnärzte aus Frankreich, Norwegen und der Schweiz in Mainz zur diesjährigen Tagung des Arbeitskreises.



Bei der Identifizierung Toter wird auch dem kleinsten Indiz nachgegangen. Foto: Glazer

Die Tatsache, dass Prof. Tore Solheim aus Oslo in seiner Eigenschaft als Präsident der IOFOS (International Organisation of Forensic Odontostomatology) mit einem Vortrag an dem Treffen teilnahm, zeigt, welchen Stellenwert diese Veranstaltung mittlerweile auch internatonal erreicht hat. Er berichtete über neue Untersuchungsergebnisse auf dem Gebiet der forensisch stomatologischen Identifizierung.

Das Programm war in drei Teile gegliedert. So berichtete Dr. Wilhelm Schulz, Bad Neuenahr-Ahrweiler, zu dem Themenkomplex „Drittes Reich“ aus seiner Dissertation über die Organisation und Durchführung zahnmedizinischer Versorgung durch die Waffen-SS in den Konzentrationslagern während des Nationalsozialismus. Hierzu referierte auch Dr. Xavier Riaud, St. Herblain, Frankreich. Dr. Michel Perrier, Policlinique Dentaire Universitaire Lausanne, zeigte eine interessante und aufschlussreiche Bilddokumentation, zusammengestellt aus Filmen und Fotografien, zur zahnärztlichen Identifizierung von Adolf Hitler.

Im zweiten Tagungsabschnitt referierte Univ.-Prof. (em.) Dieter Leopold, Leipzig, zur

skelettalen Identifikation mit einem Thema über röntgenologische Untersuchungen und Methoden zur Altersschätzung sowie über Ergebnisse der plastischen Gesichtsrekonstruktion zur Identifizierung des Schädels von J.S. Bach, basierend auf den Untersuchungsergebnissen von Prof. His (1895). Aber auch moderne Methoden wie DNA-Untersuchungen wurden von Priv.-Doz. Heidi Pfeiffer vom Institut für Rechtsmedizin der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster aufgegriffen, so stellte sie neue Untersuchungsergebnisse im Mordfall Kaspar Hauser vor. Auch dient diese Methode zur Identifizierung des Herzens von Ludwig XVII. Kriminalhauptkommissar Alexander Bachmann vom BKA Wiesbaden referierte aus der aktuellen Arbeit des Bundeskriminalamtes und stellte eine DNA-Analyse-Datei vor.

Die Mitgliederversammlung sprach sich dafür aus, den Gösta Gustafson Award des Arbeitskreises auf der 28. Jahrestagung des Arbeitskreises am 09. Oktober 2004 in Mainz an das amerikanische zahnärztliche Identifizierungsteam zu vergeben, das maßgeblich bei der Identifizierung der Opfer des Terroranschlags auf das World Trade Center beteiligt war. Interessierte Kollegen sind herzlich eingeladen.

Dr. med. Dr. med. dent. K. Rötzscher, 1. Vorsitzender
OA Dr. med. R. Lessig, Schriftführer



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