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01.05.17 / 00:02
Heft 09/2017 Gesellschaft
Zahnarzt mit 23 Jahren

„Nein, ich bin nicht der Praktikant!“

Im Durchschnitt ist der Absolvent 27 Jahre und 6 Monate alt, wenn er die Uni verlässt und als Assistent in der Praxis anfängt. Maximilian Gottstein war mit dem Zahnmedizinstudium mit 23 Jahre fertig!



Mittlerweile ist Maximilian Gottstein aus Leinefelde in Thüringen 24 Jahre alt und arbeitet in der Praxis seines Vaters mit. © privat

Sie waren 23 Jahre alt, als Sie in der Praxis Ihres Vaters als Assistent anfingen – der durchschnittliche Absolvent ist vier Jahre älter. Gibt es Situationen in der Praxis, in denen Sie merken, dass Ihnen vier Jahre „fehlen“?
Maximilian Gottstein:
Ich sehe das in etwa so: Diese vier Jahre fehlen mir nicht, sie liegen vor mir. In dieser Zeit kann ich bereits Berufserfahrung sammeln. Grundsätzlich ist es ja so, dass man, egal wie jung oder alt man zum Abschluss des Studiums ist, vor den selben Herausforderungen steht. Man muss Verantwortung übernehmen, Kompetenzen entwickeln, die im Studium nicht vermittelt werden können, und natürlich weiterhin Lernbereitschaft zeigen. Deswegen sehe ich es als großartige Chance, bereits jetzt praktizieren zu dürfen.

Haben Sie sich bewusst für Ihren beruflichen Werdegang entschieden und schnell daraufhin gearbeitet?
Bewusst entschieden ja, schnell daraufhin gearbeitet – nein. Durch die Tätigkeit beim Deutschen Roten Kreuz in unserer Region seit meinem 12. Lebensjahr hat sich wohl ganz von allein das Interesse an der Medizin entwickelt. Nachdem ich in jüngeren Jahren ein eher technisches Studium favorisiert hatte, stellte ich in der Oberstufe fest, dass ich meine Zukunft einem medizinischen Beruf widmen möchte. Da der Anspruch an den Zahnmediziner nicht nur ein intellektueller, sondern auch ein in gewisser Weise handwerklicher ist, interessierte ich mich sehr für diesen Berufsweg.

Wie reagieren Patienten auf Ihr junges Alter?
Sehr unterschiedlich, aber grundsätzlich immer positiv. Selbst in der ein oder andere Situation, in der ich aufklären muss, dass dies nicht meine Praktikums- sondern meine Arbeitsstelle ist, begegnen mir die Patienten sehr offen und neugierig. Außerdem kann es, gerade im Umgang mit gleichaltrigen Patienten, einen großen Vorteil darstellen!

Wie reagieren die Mitarbeiter?
Da ein Großteil des Teams mich bereits seit jungen Jahren kennt, ist der Umgang fast familiär. Viele Fragen, die mir gerade in der Anfangszeit in den Sinn kamen, konnte ich offen ansprechen und dadurch eine ganze Menge lernen. Ich bin durchweg von einer positiven Atmosphäre aufgenommen worden.

Wie war Ihre Zeit an der Uni – immer mit Gefühl, ‚der Jüngste zu sein‘?
Das Studium der Zahnheilkunde ist in Göttingen eine sehr persönliche Angelegenheit. Ein kleines erstes Semester mit 50 bis 60 Kommilitonen führt dazu, dass man früh seine Scheu ablegen und engagiert sein muss – deswegen und natürlich auch aufgrund der Ansprüche während des Studiums hat man mehr das Gefühl, mit seinen Kommilitonen Teil eines eingeschworenen Teams zu sein und daran zu wachsen. Wirklich als „Jüngster“ habe ich mich selten wahrgenommen. Auch wenn gerade unsere ersten Patienten 2015 verdutzt waren, wenn sie unseren Behandlungsraum betreten haben – denn mein Behandlungspartner Johannes Gernhardt ist nur drei Monate älter als ich.

Hand aufs Herz: Haben Sie nichts bereut? Oder das Gefühl etwas verpasst zu haben?
Tatsächlich stellt sich diese Frage wohl fast jeder, der in einer ähnlichen Situation ist – und nicht nur man selbst, sondern auch viele aus dem persönlichen Umfeld wollen eine Antwort darauf wissen. Hier kommt wieder die Einstiegsfrage ins Spiel: Ich habe mich bewusst für diesen beruflichen Werdegang entschieden und hatte Lust, nach dem Studium mit der Arbeit als Zahnarzt zu beginnen. Bis heute habe ich diese Entscheidung nicht bereut, vor allem auch, weil ich nun einmal noch sehr jung bin und mir fest vorgenommen habe, ins Ausland zu gehen. Die Frage nach dem Wohin muss noch geklärt werden, aber mit dem Rucksack Asien zu erkunden oder in Kanada einsame Bergseen zu bestaunen – das alles steht mir noch offen.



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