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01.09.07 / 00:15
Heft 17/2007 Medizin
Rheumatoide Arthritis

Neuartiger Antikörper soll die Therapieoptionen erweitern

Deutlich erweitern könnten sich bald die Behandlungsmöglichkeiten bei der rheumatoiden Arthritis. Das versprechen die ersten Daten einer Phase-IIIStudie zur Therapie mit einem neuartigen Antikörper gegen den Rezeptor des Entzündungsmediators Interleukin-6.




Bei der rheumatoiden Arthritis (RA) handelt es sich um eine progredient verlaufende Autoimmunerkrankung, wobei den Patienten langfristig Gelenkdestruktionen durch die Entzündungsprozesse drohen. Da die Krankheitsaktivität in den ersten Jahren besonders hoch ist, setzt derzeit ein Umdenken in der Rheumatologie ein. „Wir wissen, dass es auf eine möglichst rasche, effektiv antientzündliche Behandlung ankommt“, erklärte Professor Dr. Hans-Peter Tony aus Würzburg bei einer Pressekonferenz in München.

Angesichts der Bedrohung der Patienten darf man sich laut Tony dabei nicht auf eine Symptomlinderung beschränken: „Es muss unbedingt eine Remission der Erkrankung angestrebt werden.“

Davon sprechen die Rheumatologen, wenn der DAS-Score (Disease Activity Score) unter 2,6 fällt. Mit den üblichen Basistherapeutika wie Methotrexat lässt sich dieses Ziel laut Tony oftmals nicht erreichen. Auch moderne Biologika, die gezielter in den Entzündungsprozess eingreifen, sorgen nicht immer für eine ausreichende Entzündungshemmung.

Mit Antikörpern gegen den Interleukin-6-Rezeptor

Mit einem neuartigen Ansatz soll deshalb jenen Patienten geholfen werden, die auf die herkömmliche Therapie nicht ausreichend ansprechen. Da das Zytokin Interleukin- 6 (IL-6) eine Schlüsselrolle bei der Pathogenese spielt, wurde nach Strategien gesucht, die gezielt die IL-6-Wirkung ausschalten. Durch einen direkten Antikörper gegen IL-6 ist das nach Angaben von Privatdozentin Dr. Andrea Rubbert, Köln, nicht möglich, da sich dann Komplexe bilden können und weiterhin eine Bindung an den IL-6-Rezeptor erfolgt. Eine Blockade der IL- 6-Wirkung aber lässt sich durch den Antikörper Tocilizumab erwirken, der sich gegen den IL-6-Rezeptor richtet.

Deutlicher Rückgang der Entzündungsmarker

Dass die IL-6-Wirkung so unterbunden wird, belegen nach Rubbert die Phase-IIStudie und nunmehr auch die Daten einer ersten Phase-III-Studie, der sogenannten OPTION-Studie (Tocilizumab Pivotal Trial in Methotrexat Inadequate Responders). In dieser Untersuchung wurden 623 RA-Patienten, die mit Methotrexat alleine nicht befriedigend behandelt waren, doppelblind randomisiert zusätzlich mit 4 oder 8 mg/kg Tocilizumab behandelt. Der Antikörper wurde alle vier Wochen intravenös verabreicht und führte bereits ab der zweiten Woche zu einem Rückgang des C-reaktiven Proteins als einem der zentralen Entzündungsmarker.

Innerhalb der 24-wöchigen Studie wurde außerdem bei signifikant mehr Patienten unter Tocilizumab (44 Prozent versus 11 Prozent) ein ACR50-Ansprechen, also eine Besserung der klinischen Symptome um mindestens 50 Prozent erwirkt. Das ACR70-Ansprechen (Besserung um mindestens 70 Prozent) war unter dem Antikörper sogar 10-mal höher als unter Placebo (22 versus 2 Prozent). „Das belegt eine beeindruckende Wirksamkeit“, konstatierte die Rheumatologin.

Für den neuen Antikörper spricht nach ihren Angaben auch dessen gute Verträglichkeit. Als wichtigste Nebenwirkungen traten Kopfschmerzen auf und eine etwas erhöhte Rate an Atemwegsinfekten. Insgesamt aber war die Nebenwirkungsrate laut Rubbert bei den Patienten, die Methotrexat plus Tocilizumab erhielten, kaum höher als bei denjenigen, die nur mit Methotrexat behandelt wurden.

Christine Vetter
Merkenicher Straße 224
50735 Köln

 



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