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16.04.06 / 00:14
Heft 08/2006 Politik
Evidenzbasierte Leitlinien der ZZQ

Neue Broschüren für Zahnärzte und Patienten

Die Zahnärztliche Zentralstelle Qualitätssicherung (ZZQ) hat in einem Konsensusprozess mit der Wissenschaft evidenzbasierte Leitlinien zu den Themen Fissurenversiegelung, Fluoridierungsmaßnahmen und Operative Entfernung von Weisheitszähnen erstellt. Sie liegen nun in jeweils einer speziellen Broschüre für Zahnärzte und für Patienten vor.




In mehrjähriger Arbeit haben wissenschaftliche Autorengruppen der DGZMK zusammen mit der Zahnärztlichen Zentralstelle Qualitätssicherung (ZZQ) drei evidenzbasierte Leitlinien erstellt. Es handelt sich um die Themen:

• Fissurenversiegelung

• Fluoridierungsmaßnahmen

• Operative Entfernung von Weisheitszähnen.

Sie sind in umfangreichen Konsensusprozessen mit allen beteiligten wissenschaftlichen Fachgesellschaften und Berufsverbänden abgestimmt und von der ZZQ koordiniert worden. Zunächst wurden sie im Internet auf der ZZQ-Homepage (http:// www.zzq-koeln.de unter Schwerpunkte/ Leitlinien) veröffentlicht, und zwar jeweils als Thesenpapiere in Kurzfassung sowie in umfangreichen Langfassungen.

Diese Leitlinien liegen nun vereinfacht und in Broschürenform vor, und zwar:

• eine Kurzfassung für Zahnärzte

• ein Faltblatt für Patienten.

Die Patientenmaterialien sind dazu bestimmt, das Beratungsgespräch zu unterstützen. Deshalb ist es sinnvoll, wenn der Zahnarzt seinem Patienten das Faltblatt nicht unkommentiert in die Hand drückt, sondern die dort enthaltene Information in das Gespräch mit einbindet.

Handlungskorridore

Leitlinien dienen der Beantwortung folgender Fragen: Was ist notwendig und sinnvoll? Was ist überflüssig? Was ist obsolet? Sie verstehen sich als systematisch entwickelte Entscheidungshilfen für Zahnarzt und Patient. Es sind keine fest vorgeschriebenen Richtlinien, sondern Orientierungshilfen im Sinne von Handlungs- oder Entscheidungskorridoren. Sie dienen der Sicherung und Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung und fungieren als Instrumente der Qualitätssicherung und des Qualitätsmanagements. Sie sollen Behandlungsrisiken minimieren und zu einer wissenschaftlich begründeten, ärztlichen Vorgehensweise motivieren. Zugleich sollen sie die Bedürfnisse und Einstellungen der Patienten berücksichtigen. Aktuelles medizinisches Wissen zu speziellen Gesundheitsproblemen und zu ärztlichem Handeln wird in den Leitlinien gewertet. Außerdem sollen gegensätzliche Standpunkte geklärt und Nutzen und Schaden einer bestimmten Vorgehensweise abgewägt werden. Das Ganze erfolgt unter Berücksichtigung der heute publizierten Evidenzstärken (wissenschaftliche Nachweisstärke).

Die Leitlinie zur Fissurenversiegelung ist in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Lutz Stößer, Jena, Prof. Dr. Reinhard Hickel, München, und Prof. Dr. Elmar Reich, Biberach, entstanden. An der Leitlinie Fluoridierungsmaßnahmen wirkten Prof. Dr. Elmar Hellwig, Freiburg, und Prof. Dr. Gisela Hetzer, Dresden, mit. Die Leitlinie zur Weisheitszahnentfernung erfolgte zusammen mit Prof. Dr. Dr. Wilfried Wagner und PD Dr. Dr. Martin Kunkel, Mainz.

■ Die neuen Broschüren sind über die Zahnärztekammern der Länder oder die zzq:

zzq@zzq-koeln.de oder Fax: 0221/4001-214 zu bestellen. Eine Download-Version ist unter http://www.zzq-koeln.de oder unter http://zm-online.de erhältlich.

INFO

Irritationen über Patienteninformationen des IQWIG

Vor kurzem veröffentlichte das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) im Internet seine neue Patienteninformationsplattform „Gesundheitsinformation. de.“ Dort wurden auch zahnärztliche Informationen aufgenommen, und zwar zum Thema Fluoridierungsmaßnahmen. Leider sind die Aussagen dort unvollständig und entsprechen nicht dem Stand der evidenzbasierten Zahnmedizin. Bei der Kariesprophylaxe mit Fluoriden finden sich verwirrende Aussagen hinsichtlich des Einsatzes der unterschiedlichen Fluoridarten. Zu befürchten ist, dass Patienten mit entsprechenden Fragestellungen in die Zahnarztpraxen kommen. Sie müssten vom Zahnarzt aufgeklärt werden. Die Bundeszahnärztekammer hat in einem Schreiben an das IQWIG auf diese Widersprüche aufmerksam gemacht und mit Verweis auf ihre neuen Leitlinien ihre fachliche Unterstützung angeboten. Nicht zuletzt durch die neuen Broschüren dürfte Klarheit entstehen. Die Zahnärzte erhalten damit geeignete Instrumentarien für das fundierte Patientengespräch.



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