zm-online
01.01.05 / 00:15
Heft 01/2005 Leitartikel

Neue Chancen gut nutzen




Liebe Kolleginnen und Kollegen,

2004 war ein weiteres in der Reihe scheinbar unter dem Zeichen der GKV-„Modernisierung“ stehender Jahre. Dennoch: Die jüngste Gesundheits-„Reform“ hat wohl für weit mehr Diskussionen gesorgt als die der Jahre zuvor. Und sie war – das ist leider festzuhalten – erst Teil eins eines Katalogs, den die verantwortlichen Regierenden nicht müde werden, „gut“ zu reden. Denn „hinter dem Horizont“ gibt es neue Schwerpunkte:

Mit zunehmendem Druck wird die Auseinandersetzung um die Einführung der Elektronischen Gesundheitskarte das gesundheitspolitische Geschehen belasten. Das Bundesgesundheitsministerium will bis Anfang 2006 etwas vorweisen, das sich zumindest auf ersten Blick anders präsentieren lässt als Dosen-Pfand oder LKW-Maut, deren extrem späte Geburt wir – ganz anders als vorhergesagt – in diesem Jahr erleben. Es wird auch an der Beharrlichkeit der Leistungsträger im Gesundheitswesen liegen, ob die wenig realistischen Planvorgaben des Gesetzgebers ohne Schaden in ein System umgesetzt werden, das den Beteiligten – nämlich Heilberuflern und Patienten – möglichst wenige Schaden bringt. Hier sind Bundeszahnärztekammer und Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung mit eindeutiger Position maßgeblich an der Diskussion beteiligt. Es gilt, die Belange der Patienten und Zahnärzte zu schützen, den gläsernen Patienten und auch gläsernen Zahnarzt zu verhindern.

Das Vorwahljahr 2005 wird sich weiterhin mit den intensiv diskutierten Ansätzen zur Bürgerversicherung und ihrer ursprünglichen Alternative Pauschalprämie befassen. Ob sich die inzwischen aufgrund politischer Kompromisse gewaltig „verwässerten“ Kontrahenten wirklich – wie im Frühjahr 2004 noch gedacht – als Wahlkampfthema Nummer eins eignen, wird das neue Jahr zeigen. Umsetzbar sind in Reinform inzwischen wohl beide Systeme nicht mehr.

Die verzweifelte Suche der politischen Protagonisten – gleich welcher Couleur – geht also weiter. Wir Zahnärzte bleiben mit unseren Modellen maßgeblich in der Diskussion.

Entscheidend wird in diesem Jahr sein, wie der Umgang mit dem Pilotprojekt der befundbezogenen Festzuschüsse im Bereich Zahnersatz umgesetzt und von politischen Entscheidern und breiter Öffentlichkeit angenommen wird.

Wir sind jedenfalls nicht geneigt, den mit Sicherheit seitens der Krankenkassen – leider auch durch politische Interessen aus den eigenen Reihen – umkämpften Bereich möglicher Freiheiten für Patienten und unseren Berufsstand aufs Spiel zu setzen. Hier liegen – selbst angesichts der nicht einfachen politischen Gemengelage – die wirklichen Chancen, die wir Zahnärzte nutzen müssen. Wenn wir aber unseren gesundheitspolitischen Rezeptblock zücken, sollten wir vorher über die anzubietende Medizin nachdenken und keine überflüssigen Reizmittel verordnen.

Wir wünschen Ihnen und Ihren Mitarbeitern für dieses Jahr – trotz der zu erwartenden turbulenten Zeiten – die Motivation, Kraft und Gesundheit, weiterhin im Sinne unseres Berufsstandes an der Umsetzung dieser Ziele zu arbeiten.



Mehr zum Thema


Anzeige