zm-online
16.12.03 / 00:15
Heft 24/2003 Leitartikel

Neue Handlungsfelder in der Prävention



Dr. Dietmar Oesterreich Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer Foto: Lasdin

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

in Sachen Prävention hat der Berufsstand der Zahnärzte eine Menge vorzuweisen. Das wird uns immer wieder auch von Seiten der Politik bescheinigt. Ich erinnere nur an die großen Erfolge bei der Kariesreduktion im Bereich der Kinder und Jugendlichen. Doch viel zu oft wird das Thema Prävention verkürzt auf diese Altersgruppe reduziert. Vor diesem Hintergrund gibt es keinen Anlass, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Vor allem im Hinblick darauf, dass der Gesetzgeber gerade wieder in den Startlöchern steht und Vorbereitungen trifft für ein neues Präventionsgesetz. Noch kennen wir keine Details, doch keinesfalls dürfen wir es zulassen, dass uns hier einmal mehr neue bürokratische Regeln und Zwänge oktroyiert werden – und dass wir allenfalls reagieren statt agieren können.

Wir haben den Gesetzgeber darauf hingewiesen, dass der Berufsstand längst in Eigenregie Konzepte erarbeitet hat, die erfolgreich mit Leben gefüllt sind, und zwar unabhängig von irgendwelchen Gesetzesplänen. Prävention muss auch weiterhin im zahnärztlichen Alltag verankert werden. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an Projekte wie die Neubeschreibung der präventionsorientierten Zahnheilkunde oder das Konzept von „Prophylaxe ein Leben lang.“

Doch es gibt in Sachen Prävention noch eine Menge Hausaufgaben zu machen. Da ist zunächst der versorgungspolitische Aspekt. Wir müssen klären, wie der praktische Umgang mit der präventionsorientierten Zahnheilkunde erfolgen soll. Die Frage lautet: Wie füllen wir das Projekt mit präventiven Potentialen und wie brechen wir diese auf den Praxisalltag herunter? Hier sind sowohl die Standespolitik wie auch die Politik und Wissenschaft gefordert, gemeinsam entsprechende Konzepte zu erarbeiten.

Wir als Berufsstand müssen außerdem klären, welche Präventionsziele für uns wichtig sind. Sie sollen eine Plattform bieten, um perspektivisch sowohl an der Verbesserung der Mundgesundheit als auch an der politischen Mitgestaltung des Gesundheitssystems aktiv teilzunehmen. Dazu gehört es, im Sinne unserer Patienten die Ziele konkret beim Namen zu nennen und zielgruppengerecht zu beschreiben. Wichtige Themen sind deshalb die Risikogruppenbetreuung sowie die Vernetzung mit der Medizin in zentralen Themenfeldern wie Ernährung, Stress und Suchtverhalten. Die Zusammenarbeit mit der Wissenschaft wird künftig eine noch größere Rolle spielen. Hier gilt es, seitens der Berufspolitik Fragen und Forderungen aus der Praxis heraus zu formulieren, um aus der Versorgungsforschung Impulse zu erhalten. Geklärt werden muss auch, welche Rolle die Prävention bei der Qualitätsförderung hat und wie das Projekt der Neubeschreibung einer präventionsorientierten Zahnheilkunde weiterentwickelt werden kann. Die Konzepte, die der Berufsstand zur Prävention erarbeitet hat, müssen von der Wissenschaft auch künftig reflektiert werden.

In den standespolitischen Gremien werden wir die Prävention auf eine noch breitere Basis stellen. Dazu gehört es zum Beispiel, Synergieeffekte zwischen den Ausschüssen auszubauen. Wichtig ist aber auch, unsere bisherigen Präventionskonzepte weiterzuverfolgen und zu verstetigen. Ein Baustein wird dabei die Weiterentwicklung unserer BZÄK-Leitfäden sein, die bereits für die Individual- und Gruppenprophylaxe sowie für die Alterszahnheilkunde vorliegen.

Wir Zahnärzte werden uns von einer bloßen Systemdiskussion im Gesundheitswesen lösen. Denn Prävention bedeutet, eine wissenschaftlich abgesicherte moderne Zahnheilkunde zum Wohle unserer Patienten zu verfolgen. Liebe Kolleginnen und Kollegen: In Sachen Prävention sind wir auf dem richtigen Weg. Um die Marschrichtung für die Zukunft festzulegen, haben wir neue Handlungsfelder abgesteckt. Und damit Prävention bei den Patienten ein Leben lang funktioniert, ist jeder Einzelne täglich in der Praxis gefordert, seine Behandlung präventionsorientiert auszurichten. Ziehen Sie gemeinsam mit uns und der Wissenschaft weiter an diesem Strang.

Mit freundlichen Grüßen  

Dr. Dietmar Oesterreich
Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer



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