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16.03.13 / 12:50
Heft 06/2013 Gesellschaft
Bundeswettbewerb Alkoholprävention

Neue Ideen gegen den Absturz

In der ersten Auflage des „Bundeswettbewerbs Alkoholprävention“ werden Projekte ausgezeichnet, die Jugendliche auf die Gefahren des Alkoholkonsums hinweisen und konkrete Handlungsansätze bieten – mit teilweise ungewöhnlichen Methoden. Das Siegerprojekt entwickelte sogar einen eigenen Pass.



Gerade bei Partys fließt unter Jugendlichen eine Menge Alkohol. Die prämierten Projekte setzen hier direkt an, um Erfolge zu erzielen. Foto: Okapia

„Komasaufen statt Hausaufgaben“ („Focus“), „Komasaufen als Jugendmode“ („Die Zeit“) – drastische Schlagzeilen über das problematische Trinkverhalten von Jugendlichen finden sich zuhauf. Dem hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ein Präventionsprojekt entgegengesetzt. Unter Mithilfe des Verbands der privaten Krankversicherung startete unter dem Motto „Innovative Projekte umsetzen – nachhaltig wirken“ im Mai vergangenen Jahres der „Bundeswettbewerb Alkoholprävention“. Nun wurden in Berlin die ersten Vorhaben ausgezeichnet.

Anspruch und Ansprache

„Alkohol ist das am weitesten verbreitete Suchtmittel in Deutschland“, erklärte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) bei der Preisverleihung Ende Februar. „Maßnahmen, die vor Alkoholmissbrauch warnen, sind deshalb ganz wichtig. Und sie müssen früh ansetzen, also schon bei Kindern und Jugendlichen. Denn den ersten Alkohol trinken junge Menschen in Deutschland schon mit durchschnittlich 14 bis 15 Jahren.“

Mit der deutschlandweiten Kampagne „Alkohol? Kenn dein Limit.“ versucht die BZgA schon länger, „die Risikokompetenz zu fördern und zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol zu motivieren“, wie es bei der Bundeszentrale heißt. Mit dem im Rahmen der Kampagne stattfindenden Bundeswettbewerb soll nun die Alkoholprävention für Jugendliche vor Ort gestärkt werden. Eine fachübergreifende Jury hat die 14 nominierten Projekte begutachtet. Entscheidendes Kriterium war, dass die Vorhaben fachlichen Anspruch und eine jugendgerechte Ansprache effektiv miteinander verbinden.

Bei der Preisverleihung wurden insgesamt acht Projekte ausgezeichnet. „Die Preisträger unseres Wettbewerbs haben eindrucksvoll unter Beweis gestellt, wie junge Menschen in die Entwicklung von kreativen Präventionsansätzen eingebunden und so zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol motiviert werden können“, erklärte BZgA-Direktorin Prof. Elisabeth Pott.

Mit Pass sicher feiern

Den mit 10 000 Euro dotierten Hauptpreis gewann das Vorhaben „Neue Festkultur“ des Forums Jugend, Soziales, Prävention e.V. in Sigmaringen. Das Projekt wurde vor sieben Jahren gegründet, als in der baden-württembergischen Stadt bei öffentlichen Festen die Zahl betrunkener Jugendlicher und die Folgeerscheinungen (Gewalt, Sachbeschädigung, Krankenhauseinweisungen) immer mehr zunahmen. Oft wurden die Jugendlichen daraufhin von den öffentlichen Feiern ausgeschlossen und organisierten alkoholschwangere „Gegenpartys“. Als Reaktion wollte das Jugendforum wollte eine neue Festkultur etablieren.

Es brachte Veranstalter, Jugendliche und Ordnungsamt an einen Tisch und knüpfte so Netzwerke. Zudem wurde der sogenannte Partypass eingeführt. Den können Jugendliche am Eingang von Festveranstaltungen nach dem Vorzeigen eines Personalausweises hinterlegen. Offizielle Ausweise dürfen laut Gesetz nicht mehr abgegeben werden. Beim Verlassen der Veranstaltung wird der Partypass wieder abgeholt. Ein nicht rechtzeitig abgeholter Pass wird im Bürgermeisteramt abgegeben und es kommt zur Kontaktaufnahme mit den Eltern. In der Folge nahmen die Einsätze von Polizei und Rettungsdiensten ab und die Veranstalter seien zufriedener mit ihren Veranstaltungen, heißt es in der Würdigung des Preisträgers.

Andere prämierte Vorhaben präsentierten beispielsweise eine Smartphone-App für einen alkoholbedingten Notfall oder interaktive Videoclips zur Prävention. Gemein ist allen ausgezeichneten Projekten, dass sie in der Lebenswirklichkeit der Jugendlichen ansetzen. Die ersten Erfolge zeigen, dass das der richtige Ansatz ist, um die Jugendlichen wirklich zu erreichen.



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