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16.07.02 / 00:12
Heft 14/2002 Politik
Treffen der Länderpressereferenten in Dresden

Neue Ideen und offene Worte

Es wurde ein heißes Juni-Wochenende im Dresdner Tagungshotel – und das nicht nur wegen der sommerlichen Temperaturen im Sitzungsraum. Das Programm des wechselseitig von KZBV und BZÄK organisierten, traditionellen Treffens der Pressereferenten von Landeszahnärztekammern und Kassenzahnärztlichen Vereinigungen hatte es in sich. Den Teilnehmern ging es vor allem darum, wie sich gesundheitspolitische Vorstellungen und Konzepte der Zahnärzteschaft in Öffentlichkeit und Politik kommunizieren lassen.




Zwei Tage lang sollte referiert und diskutiert werden – und zwei Fragen sollten dabei vor dem Hintergrund der öffentlichen Wahrnehmung der Zahnärzteschaft im Mittelpunkt stehen: „Wo müssen wir uns ändern?“ und „Wo müssen wir unsere Umwelt ändern?“. So formulierte es Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, gleich zu Beginn. „Kommen unsere Botschaften, unsere gesundheitspolitischen Überlegungen überhaupt in der Öffentlichkeit an?“

Gerade in der momentanen Situation – wenige Monate vor der Bundestagswahl – seien beste Voraussetzungen gegeben, um politischen und gesellschaftlichen Einfluss geltend zu machen und die zahnärztlichen Reformvorschläge zum Gesundheitswesen stärker ins Gespräch zu bringen. Zu den aktuellen Maßnahmen der BZÄK zähle der zweimal jährlich veranstaltete „Gesundheitspolitische Salon“. Mit den „Wahlprüfsteinen“, den „Sieben Thesen zur Gesundheitspolitik“ und der Etablierung des BZÄKConsiliums seien weitere Instrumente und Institutionen zur politisch und wissenschaftlich fundierten Meinungsbildung geschaffen worden. Dr. Jürgen Fedderwitz, stellvertretender Vorsitzender der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, zog nach den ersten 100 Amtstagen des neuen Vorstandes eine erste, positive Zwischenbilanz. Zwar habe sich die Begrifflichkeit geändert, das gesundheitspolitische Ziel der befundbezogenen

Festzuschüsse sei jeoch gleich geblieben. Auch stehe die Öffentlichkeitsarbeit der KZBV in der Kontinuität vergangener Jahre. Diese sei wie immer geprägt durch das beharrliche Bohren besonders dicker Bretter.

Erfreuliches Ergebnis

Mit dem Bild, das sich die Bevölkerung vom zahnärztlichen Berufsstand macht, hatte sich Dr. Joachim Friedrich Staab vom Forsa- Institut beschäftigt. Insgesamt 2000 Patienten waren in einer breit angelegten Untersuchung befragt worden. Das erfreuliche Ergebnis: 83 Prozent der gesetzlich versicherten Deutschen sind mit ihren Zahnärzten zufrieden. Damit liegt die Zahnärzteschaft in der Gunst der Bevölkerung noch vor den Ärzten. An spezifischen zahnärztlichen Themen besteht indes wenig öffentliches Interesse. Forsa hatte die Patienten zudem gefragt, welche medizinischen Angebote zum Katalog der „Grundleistungen“ gehören sollten: „Zahnersatz“ landete mit 85 Prozent auf dem dritten Platz.

„Die Patienten sind bereit, mehr Geld anzulegen“, stellte Hans-Dieter Nolting vom Iges-Institut fest, welches die Janssen-Cilag- Bevölkerungsstudie durchgeführt hat (siehe zm 10/2002). Auch die Bereitschaft zu verpflichtenden Vorsorgeuntersuchungen sei mit 74 Prozent groß. Insgesamt, so Nolting, würde die Stimmung in Sachen Gesundheitswesen innerhalb der Bevölkerung jedoch immer schlechter.

Offene Worte zur Lobbyarbeit fand Hartwig Broll vom Gesundheitpolitischen Informationsdienst gid. Er erläuterte, was die Repräsentanten der Zahnärzteschaft unternehmen können, um ihre Anliegen besser in politischen Kreisen vertreten und kommunizieren zu können. Dieter Krenkel, KZBVVorstandsreferent für Öffentlichkeitsarbeit, unterstrich Brolls Anregung zu einer Professionalisierung der zahnärztlichen Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit.

Mit der Rolle der Zahnärzteschaft in den Redaktionen der Boulevardpresse hatte sich der Journalist Till Haufs beschäftigt. „Der Boulevard spricht von Stories statt von Beiträgen“. Anstelle von Projekten und Konzepten müsse der Mensch im Mittelpunkt stehen – im Grunde also so, wie es in einer Zahnarztpraxis der Fall ist. 



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