zm-online
01.04.02 / 00:14
Heft 07/2002 Zahnmedizin
Coxib ist auch bei akuten Schmerzen hoch wirksam

Neue Option bei der Behandlung von Zahnschmerzen

Neueste Untersuchungen mit einer neuen Wirkstoffkomponente zeigen deutliche Überlegenheit bei der Anwendung nach Zahnextraktionen.



Der quälende Zahnschmerz nach Extraktionen ist ab jetzt weit aus besser zu ertragen. Foto: EyeWire

Durch die Zulassung des selektiven COX-2- Hemmers Rofecoxib für akute Schmerzen erweitern sich derzeit auch die Behandlungsmöglichkeiten bei Zahnschmerzpatienten. Das Coxib wurde bislang vor allem bei rheumatischen Beschwerden und insbesondere bei Patienten mit rheumatoider Arthritis und solchen mit Schmerzen im Rahmen einer Arthrose genutzt. Es hat den Vorteil, selektiv das Enzym Cyclooxygenase- 2 (COX-2) zu hemmen, was bei guter Schmerz lindernder Wirksamkeit gegenüber den klassischen nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR), die sowohl COX-1 als auch COX-2 hemmen, ein deutlich geringeres Nebenwirkungspotenzial bedingt. Vor allem schwere gastrointestinale Komplikationen, wie Perforationen, Ulzerationen und Blutungen, treten den Studien zufolge unter den Coxiben deutlich seltener auf.  

Neuere Studien zeigen nun, dass das moderne Coxib auch bei schweren und schwersten akuten Schmerzzuständen wirksam ist. Es liegen unter anderem Studien aus dem Bereich der Zahnmedizin vor, deren Daten bei einem Symposium des Herstellers MSD in Berlin präsentiert wurden.

Schmerzlinderung nach Zahnextraktion

So untersuchte David J. Chang et al., West Point/Pennsylvania, die analgetische Potenz des Rofecoxib doppelblind randomisiert bei 393 Patienten mit moderaten bis schweren Schmerzen nach der Extraktion von zwei oder drei Weisheitszähnen, wobei mindestens einer aus dem Kiefer herausgemeißelt werden musste. Die Patienten wurden anschließend entweder mit 50 Milligramm Rofecoxib einmal täglich oder mit 60 Milligramm Codein plus 600 Milligramm Paracetamol behandelt. Mit Hilfe einer Vier- Punkte-Skala dokumentierten sie nach dem Eingriff in regelmäßigen Abständen die Schmerzintensität und beurteilten die Schmerzlinderung. Ferner wurde registriert, ob zusätzlich Schmerzmittel eingenommen werden mussten.  

Das Ergebnis war eindeutig: Rofecoxib bewirkte eine ausgeprägte Schmerzlinderung und das mit signifikanter Überlegenheit sowohl gegenüber Placebo als auch gegenüber der Vergleichsmedikation. Die Patienten gaben unter dem COX- 2-Hemmer eine eindeutig bessere Schmerzlinderung an. Auch bezogen auf die Dauer des analgetischen Effektes ergab sich eine klare Überlegenheit des Rofecoxib.  

Auffällig war in der Studie neben der guten analgetischen Wirksamkeit die gute Verträglichkeit des COX-2-Hemmers, der unter dem Warenzeichen VIOXX® DOLOR in den Handel kommt. Unter der Substanz klagten signifikant weniger Patienten über unerwünschte Nebenwirkungen als bei Codein und Paracetamol. Speziell Übelkeit und Erbrechen waren deutlich seltener und in ihrer Häufigkeit der Placebogruppe vergleichbar, berichtete Privatdozent Dr. Josef Zacher, Berlin (ABB). Dass speziell Zahnschmerzen durch das Coxib gut gelindert werden, belegt eine zweite Studie bei 151 Patienten mit vergleichbarem Eingriff, bei denen der Schmerz anschließend placebokontrolliert entweder mit 50 mg Rofecoxib oder mit 400 Milligramm Ibuprofen behandelt wurde. Beide Substanzen bewirkten nach Zacher eine gute und dabei gleichwertige Schmerzlinderung.  

Auch im postoperativen Bereich bietet der COX-2-Hemmer neueren Studien zufolge eine gute Alternative: Bei kleineren chirurgischen Eingriffen ist er nach Zacher oft alleine zur Analgesie ausreichend. Anders bei der großen Chirurgie, bei der in aller Regel Opioide unverzichtbar sind. „Durch das Rofecoxib können wir aber Opioide einsparen“, erklärte der Mediziner in Berlin. 

Das beweist eine Untersuchung bei 60 ambulanten Patienten mit arthroskopischer Meniskusoperation, die entweder Placebo oder eine Stunde vor dem Eingriff 50 Milligramm Rofecoxib erhielten. Bei 20 weiteren Studienteilnehmern wurde das Coxib in gleicher Dosierung eine Stunde nach dem Eingriff verabreicht. Das Ergebnis ist eindeutig: Während Patienten unter Placebo im Mittel innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Operation 330 Milligramm Morphin zur Schmerzlinderung benötigten, war der Bedarf unter Rofecoxib bei postoperativer Gabe mit 198 Milligramm Morphin deutlich geringer. Er wurde jedoch durch die präoperative Verabreichung noch um mehr als die Hälfte gesenkt, die Patienten benötigten im Mittel in den ersten 24 Stunden nur 98 Milligramm Morphin, erklärte Zacher. Die präoperative Gabe des Rofecoxib ist möglich, da dieses keine Hemmung der Thrombozytenaggregation bewirkt und daher keine Erhöhung der Blutungsneigung bedingt.  

Insgesamt wurde die gute klinische Wirksamkeit des Rofecoxib bei akuten Schmerzen in elf Studien mit 2 000 Patienten dokumentiert. Es wurde dabei gezeigt, dass der Wirkstoff sich durch eine rasch einsetzende und vor allem eine anhaltende, Schmerz lindernde Wirksamkeit auszeichnet. Die Verträglichkeit ist gut und die Patienten schätzen die anhaltende, zuverlässige Analgesie bei nur einmal täglicher Tabletteneinnahme.  

Christine Vetter
Merkenicherstraße 224
50735 Köln

 



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