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16.08.14 / 00:01
Heft 16/2014 Gastkommentar

Neues aus dem eGK Land

Dr. Jutta Visarius, gesundheitspolitische Fachjournalistin LetV Verlag, zum Stand der elektronischen Gesundheitskarte und der Notwendigkeit, eine Telematik-Infrastuktur in Deutschland aufzubauen.




In der weit über 10 Jahre andauernden Geschichte der deutschen eGK, gleichsam eine Posse aus Schilda, wird ein neues Kapitel geschrieben.

Am 28.7. verkündet Hermann Gröhe in einer Pressemitteilung, das BMG habe sich mit den Organisationen der Selbstverwaltung auf Maßnahmen verständigt, die den Austausch von Informationen zwischen den rund 200 unterschiedlichen IT-Systemen ambulant und stationär sicherstellen sollen. Dazu sei eine Planungsstudie erstellt worden, die in das geplante e-Health Gesetz einfließen soll.

Doris Pfeiffer als Vorsitzende und Günther E. Buchholz als stellvertretender Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Gematik bezeichnen in derselben Pressemitteilung die Herstellung von Interoperationalität als wichtigen Schritt, der ermögliche, Chancen und Potenziale der Telematik-Infrastuktur zu erschließen, und sie würden dies engagiert unterstützen. Günther Buchholz weiter, die Übertragung von Daten müsse von einem in ein anderes Abrechnungsprogramm sichergestellt werden, die jeweiligen Sektoren seien in der Verantwortung, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen.

Schon in den letzten Monaten deutete sich neuer Elan in der Telematik an. Mitte Juni präsentierte der GKV-SV auf einem Presseseminar den Stand der eGK und die unterschiedlichen Positionen von GKV und Leistungserbringern, es wurden offene und nicht offene Briefe durch die Republik geschickt und die Grünen hatten eine kleine Anfrage zur eGK gestellt, überall konnte man neue Bewegung erkennen. Am 18.6. ließ Hermann Gröhe auf dem Hauptstadtkongress die „Bombe“ platzen, indem er noch für dieses Jahr ein neues e-Health Gesetz ankündigte. Damit hatten nur die wenigsten gerechnet. Eine gemeinsame Telematikinfrastruktur im deutschen Gesundheitswesen ist seit vielen Jahren überfällig, aber genau an dem Wörtchen „gemeinsam“ war sie immer wieder gescheitert.

Vor allem die Leistungserbringer, aber nicht nur, hatten immer wieder heftigen Widerstand geleistet, die einen, weil es ihnen nichts nutze, andere wollten ihre Datenhoheit erhalten, Transparenz verhindern und eigene Systeme entwickeln. So hat die Industrie viele ihrer Zusagen nicht eingehalten. Nun will der Gesetzgeber eingreifen, für die Selbstverwaltung bekanntermaßen die schlechteste aller Lösungen. Auch für den Gesetzgeber ist dies ein hohes Wagnis, hatten inzwischen doch etliche Gesundheitsminister durch ihre Interventionen zur eGK ihr kleines Waterloo erlebt. Was als deutsches Vorzeigeprojekt, als weltweit größtes IT Projekt, als Exportschlager geplant war, ist in anderen Ländern längst etabliert. Leider funktioniert es nirgendwo richtig.

Aber in einem modernen Gesundheitswesen müssen der Informationsaustausch über Leistungen, Medikation, eine Transparenz und Nachvollziehbarkeit von Behandlung und Abrechnung, die Nutzung von Tele- medizin für chronisch Kranke angesichts der Komplexität nicht nur für die Versorgung gewährleistet sein. Ob allerdings die längst veraltete Kartentechnologie die richtige Basis ist, wird von vielen IT Experten verneint. Die teure Karte nun rein als Schlüssel und zur Notfalldatenspeicherung zu verwenden, erscheint in Zeiten von Smartphones, die heute beinahe jeder ständig mit sich trägt, als völlig veraltet. Sollte man gutes Geld schlechtem hinterherwerfen?

Aber der Ruf des BMG hat Wirkung gezeigt. Am 5.8. haben sich GKV-SV und dessen Verwaltungsrat mit KZBV, BÄK und KBV, wie man hört, in guter Atmosphäre getroffen und alle Probleme offen auf den Tisch gelegt. Danach waren wohl alle Teilnehmer guter Hoffnung, die anstehenden Probleme gemeinsam lösen zu können. Wird eine Selbstverwaltungslösung gefunden, vom Gesetzgeber gestützt, ist die Industrie am Zug.

Gastkommentare entsprechen nicht immer der Ansicht der Herausgeber.



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