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16.02.08 / 00:07
Heft 04/2008 Zahnmedizin
2. Symposium der Westdeutschen Kieferklinik

Nichts geht ohne Prävention

Am 3. November 2007 hatte die Westdeutsche Kieferklinik Düsseldorf zu ihrem 2. Wissenschaftlichen Symposium in den Konrad-Henkel-Hörsaal eingeladen. Mehr als 600 Teilnehmer waren dieser Einladung gefolgt und sorgten für eine beeindruckende Kulisse für den wissenschaftlichen Diskurs zum Thema „Prävention und minimalinvasive Therapie“.




Mit dieser Veranstaltung wurde gleichzeitig auch der Startschuss für die Aktivitäten des im Sommer 2007 gegründeten Vereins der Freunde und Alumni der Westdeutschen Kieferklinik gegeben.

Thematisch reichte das Spektrum des Symposiums von der Primärprävention der Karies und Parodontitis über minimalinvasive Versorgungsarten bis hin zu Tertiärprävention und gewebeschonenden Möglichkeiten der Implantologie. Aus allen Abteilungen des Zentrums für Zahnmedizin wurden von elf Referenten im Wesentlichen eigene Erkenntnisse aus Forschung und Praxis mit unmittelbarem klinischem Nutzen für den niedergelassenen Zahnarzt präsentiert.

Prof. Stefan Zimmer gab zunächst konkrete Empfehlungen zur Fluoridierung in der zahnärztlichen Praxis und stellte dabei klar, dass der Fluoridkonzentration der verwendeten Präparate eine entscheidende Bedeutung zukommt. Bereits durch die zweimal jährliche Applikation eines hoch konzentrierten Fluoridlackes mit 2,26 Prozent Natriumfluorid sei auch bei Kindern mit hohem Kariesrisiko eine Karieshemmung von 37 Prozent erreichbar, wohingegen dies bei einem niedrig dosierten Lack (0,1 Prozent Fluorid) auch bei viermal jährlicher Applikation nicht möglich sei.

Das „Was und Wie“ in der Individualprophylaxe

Im Anschluss referierte MSc Preeti Singh zu Materialien und Geräten, die im Rahmen der professionellen Zahnreinigung Anwendung finden sollten. Unter anderem wies sie darauf hin, dass die Polierpaste HaweCleanic in Bezug auf Reinigungsleistung, Abrasivität und Oberflächenrauigkeit den optimalen Kompromiss darstellt.

Die „Full-Mouth-Disinfektion“ war Gegenstand des Vortrages von Dr. Moshgan Bizhang. Sie stellte klar, dass bislang in wissenschaftlichen Studien kein durchgängiger Vorteil gegenüber der konventionellen Parodontitistherapie nachgewiesen worden ist.

Minimalinvasiv in verschiedenen Disziplinen

Der Überblick von OA Dr. Stefan Rüttermann über Adhäsivsysteme markierte den Übergang von der Prävention zur minimalinvasiven Therapie. Sein Resümee mündete in der Feststellung, dass Drei-Schritt-Etch und Rinse-Systeme weiterhin den Goldstandard repräsentieren, selbstätzende Adhäsivsysteme als Zwei-Flaschen-Variante aber in bestimmten Situationen eine gute Alternative darstellen können. Dass die Adhäsivtechnik in der täglichen Arbeit Potenziale eröffnet, die keine andere zahnärztliche Technik bieten kann, stellte ZÄ Maria Giraki eindrucksvoll unter Beweis. In ihrer Präsentation des Falles eines neunjährigen Jungen mit schweren Schmelzhypoplasien wurde klar, dass nur die Adhäsivtechnik hier eine defektorientierte und minimalinvasive Versorgung erlaubte.

Die minimalinvasive Einordnung retinierter Zähne präsentierte Prof. Dieter Drescher in seinem Referat. Anhand klinischer Beispiele wurden die dazu verwendeten Techniken vorgestellt sowie Komplikationen und ihre Lösungsmöglichkeiten diskutiert.

Dass es auch in der Endodontie präventive und minimalinvasive Aspekte gibt, stellten die nachfolgenden Vorträge unter Beweis. Eindrucksvoll war die Präsentation einer „Reise“ durch den Wurzelkanal mit dem Operationsmikroskop von Prof. Dr. Wolfgang H. M. Raab sowie die mikrochirurgische Resektion von Wurzelspitzen.

Wie eine apikale Parodontitis und damit auch die WSR unter anderem durch aseptisches Arbeiten vermieden werden können, zeigte Prof. Dr. Claudia Barthel, die außerdem anhand ihrer Studien die Wichtigkeit einer dichten provisorischen und definitiven koronalen Versorgung für den Erfolg einer Wurzelkanalbehandlung belegte.

Prophylaxe von Prothetik bis Implantat

Zu Beginn des letzten Vortragsblockes fokussierte Prof. Dr. Ulrich Stüttgen in seinem Referat die praktischen Aspekte der Prävention im Rahmen der zahnärztlichen Prothetik.

Ein neu entwickeltes computerbasiertes diagnostisches Verfahren zur Quantifizierung und Verlaufskontrolle von Schlaf-Bruxismus stand im Zentrum des Vortrages von OÄ Dr. Michelle E. Ommerborn. Im Gegensatz zum bisherigen Goldstandard, der Polysomnografie, ist dieses neue Verfahren preisgünstig und anwenderfreundlich und erlaubt eine frühzeitige Diagnostik des Krankheitsbildes.

Den Abschluss des Symposiums bildete ein Vortrag von OA Priv.-Doz. Dr. Frank Schwarz zum Thema zahnärztliche Implantate. Er diskutierte neue Therapieansätze unter Einbeziehung morphogen oder mitogen wirksamer Faktoren, welche in Verbindung mit einem geeigneten biokompatiblen sowie resorbierbaren Trägermaterial zukünftig eine minimalinvasive Vorgehensweise bei der oralen Knochenaugmentation ermöglichen könnten.

Prof. Dr. Stefan Zimmer
Heinrich-Heine-Universität
Poliklinik für Zahnerhaltung und Präventive
Zahnheilkunde
Moorenstr. 5
40225 Düsseldorf



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