sg
16.06.13 / 12:30
Heft 12/2013 Gesellschaft
Deutsche Apotheker- und Ärztebank

Noch mal davon gekommen

Vor vier Jahren war sie knapp am Abgrund, heute scheint die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (apoBank) wieder auf Kurs zu sein. Dafür war eine komplette Neuordnung nötig und einige kostete der 180-Grad-Schwenk den Job, Mitglieder aus der Vorstandsetage inklusive. Trotz Erfolgsbilanz sind manche Kunden dennoch nicht gut auf die Bank zu sprechen.




Mit rund 60 Prozent Marktanteil ist die Deutsche Apotheker- und Ärztebank seit Jahren der Platzhirsch bei den Kreditinstituten für Heilberufler. Als Vorstandssprecher Herbert Pfennig unlängst die Bilanz für das vergangene Jahr vorstellte, wurde deutlich: Sie will es auch bleiben.

Die Zeichen hierfür stehen ganz gut, denn so langsam scheint die in der Finanzkrise durch riskante Wertpapiergeschäfte arg gebeutelte Bank wieder in die richtige Spur zu kommen. „Wir haben unsere Bank komplett neu geordnet“, sagt Pfennig nicht ohne Stolz. Schließlich hat das Institut 2012 einen Jahresüberschuss in Höhe von 45,4 Millionen Euro erwirtschaftet und erneut das Vorjahresergebnis übertroffen (2011: 43,1 Millionen Euro).

Damit kann sie ihren über 100 000 Mitgliedern vorbehaltlich der Zustimmung der Vertreterversammlung vier Prozent Dividende ausschütten. Auch zeigt sich Pfennig zufrieden, dass eine noch 2012 geplante Kapitalerhöhung durch die Bankmitglieder nicht mehr nötig ist: Die Bank konnte das Eigenkapital aus eigener Kraft um 70 Millionen Euro aufstocken, die Anteilseigner dürften es mit Freude vernehmen. Pfennig: „Wir haben uns auf das Kerngeschäft konzentriert und die bestehenden Altlasten konsequent reduziert. Das hat sich ausgezahlt.“ Die sogenannten toxischen Papiere habe man gut im Griff. „Was uns und alle anderen Banken aktuell sehr beschäftigt, ist die anhaltende Niedrigzinsphase. Denn dadurch wird die Ertragsseite sehr belastet“, so Pfennig. Heute schaue man nach vorne und arbeite daran, die Marktposition weiter auszubauen.

Mehr Kunden bringen mehr Einlagen

Grundlage des guten Geschäftsergebnisses: die positive Entwicklung des Kerngeschäfts der Bank. Konkret meint dies, Einlagen von Kunden für die Bank, mit denen dann die Auslagen wie etwa Kredite für Existenz-gründungen bezahlt werden. Klassisches Finanzgebaren einer Genossenschaftsbank eben, deren Geschäftsmodell sich ohnehin als Kreislauf von Geben und Nehmen versteht, angetrieben von Gleichgesinnten, die für einander einstehen (siehe Info-Kasten Genossenschaftsbanken).

Als deutliches Kennzeichen für das nach wie vor große Interesse an der Bank wird dort die Steigerung der Kundenanzahl auf rund 365 000 (2011: 359 900) gewertet. Besonders in Gründungsphasen spielt sie als gefragter Partner eine große Rolle: So habe man auch im vergangenen Jahr wieder Darlehen in Höhe von mehr als vier Milliarden Euro für Existenzgründungen, Praxis- und Apothekeninvestitionen sowie private Vorhaben vergeben.

Langfristige Kundenbindung angestrebt

Für das laufende Jahr, so Pfennig, plane die Bank ein Ergebnis auf Vorjahresniveau. Dies würde eine kontinuierliche Dividendenzahlung und die Stärkung der Rücklagen ermöglichen. Allgemein erwartet man bei der apoBank, dass sich die anhaltende Niedrigzinsphase „deutlich zulasten der Erträge“ auswirkt. Zudem rechnet man 2013 infolge weiterer Investitionen in das Kundengeschäft und im Zuge steigender regulativer Anforderungen mit einem Anstieg beim Verwaltungsaufwand.

Bereits seit dem vergangenen Jahr wird laut Bankangaben beträchtliche Energie darauf verwendet, spezialisierte Berater auszubilden.

Grund: Existenzgründer wenden sich zwar gern an die apoBank, wenn es um Kredite und die Aufbauunterstützung von Praxen oder Apotheken geht. Stehen aber Fragen der Vermögensbildung oder der Geldanlage im Vordergrund, gehen die Kunden eher zu Großbanken.

Dies soll sich ändern. Durch spezielle Produkte und Segment-ausgebildete Kundenberater will sich die Bank als Partner für den gesamten Lebenslauf, beruflich wie privat, vom Studium über die Existenzgründung respektive Anstellung bis zur Rente, empfehlen. Zwar schrumpfte die Belegschaft durch 2012 eingeleitete „Maßnahmen zur Optimierung der Kostenstruktur“ bereits auf 2 360 Mitarbeiter (2011: 2 470). Umsetzungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten sollen für die verbleibenden Mitarbeiter jedoch genutzt werden, um bis 2014 einen „deutlichen Ausbau der Beraterkapazitäten“ zu erzielen, wie es heißt.

Altlasten konsequent abgebaut

Wichtig für die Bank – und letztlich auch für die Kunden: Das für das Institut relevante Teilportfolio der sogenannten „strukturierten Finanzprodukte“ wurde auf aktuell 1,8 Milliarden Euro reduziert. Konkret sind damit Verpflichtungen aus früheren, hochriskanten Geschäften gemeint, die der Bank zur Zeit der Finanzkrise fast das Genick gebrochen hätten. Man konnte diese toxischen Papiere jedoch schneller als geplant abbauen, bestätigt auch Thomas Siekmann, Verantwortlicher für das Ressort Finanzen und Controlling. Damit liege die Bank deutlich über den Planungen, die ein Volumen von 2,5 Milliarden Euro für Ende 2014 vorsahen. Zum Vergleich: 2009 hatte der Höchststand 5,5 Milliarden Euro betragen.

Siekmann: „Wir haben alle griechischen, ungarischen und isländischen Engagements der Bank vollständig eliminiert.“ Die Länderrisiken in italienischen und spanischen Anlagen aus dem Altbestand habe man reduzieren können; ein direktes Staatsrisiko bestehe allerdings noch gegenüber Italien. Hier geht die Bank nach Angaben von Pfennig nicht von einem Ausfall aus.

Genossenschaftsbanken, wie die apoBank eine ist, haben vom Selbstverständnis her generell den Auftrag, schnelles Investment um jeden Preis und Hochrisikogeschäfte zur Gewinnmaximierung hintanzustellen. Stattdessen geht es um weitsichtiges und vorsichtiges Wirtschaften im Sinne des Kunden (Näheres siehe Kasten Genossenschaftsbanken). Dies muss man wissen, um genau einschätzen zu können, wie sehr auch bei der apoBank von dieser – konservativ genannten – Linie zu Zeiten der Finanzmarktkrise in den Jahren 2006 bis 2008 abge- wichen wurde. Zur Erinnerung: Damals wurde die Saat gelegt für eine weltweite Banken-, Finanz- und Staatskrise, deren Auswirkungen bis heute andauern. Auch die apoBank machte ihre Erfahrungen mit spekulativen Geschäften im Turbo-Kapitalismus. Ausgerechnet die Bank, bei deren Kunden Vertrauen eine große Rolle im Berufsalltag spielt, hatte sich mit fragwürdigen Finanzaktionen verzockt, was zu toxisch genannten Verbriefungen führte.

Mit riskanten Geschäften von der Linie abgewichen

Die Bank galt als angeschlagen, und war es auch. Sie brauchte eine Bürgschaft und Risikoabschirmung in Höhe von 600 Millionen Euro durch den Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken. 2009 konnte die apoBank erstmals in ihrer Geschichte keine Dividende ausschütten. Damals musste auch ein Giftschrank her, also lagerte die Bank Wertpapiere von schädlichen Finanzprodukten in Höhe von 5,5 Milliarden Euro in einen Spezialfonds aus. Heute sind davon noch 1,8 Milliarden übrig.

Auf den Finanz- folgte ein Immobilien-Skandal, die apoBank kam nicht aus den Negativ-Schlagzeilen. Die Außenwirkung: ein Vertrauensverlust und ein Imageschaden bislang unbekannten Ausmaßes. Folge: In den vergangenen Jahren wurde der Vorstand komplett ausgetauscht, gegen fünf Vorstandsmitglieder wurden seitens der Bank juristische Schritte unternommen.

Tempi passati. Die neue Vorstandsmannschaft beschloss das Ende der riskanten Geschäfte. ’Back to the roots’ hieß das Motto, mit dem die Bank wieder in die Gewinnzone aufrückte. „Wir reden nicht mehr über die Krise – aber wir werden sie nie vergessen“, sagte Pfennig kürzlich dem „Handelsblatt“.

Kunden im Clinch mit der Bank

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten, einige Kunden können ihre Erfahrungen mit der apoBank ebenso wenig vergessen. Immer wieder ist von Geschäftspartnern zu hören, die den Eindruck haben, durch Berater der Bank hintergangen worden zu sein. So hat etwa das Oberlandesgericht Düsseldorf im vergangenen Jahr die Bank wegen Verletzung von Aufklärungspflichten zu Schadenersatz verurteilt. Grund: Die Bank verschwieg einer Anlegerin, dass sie für die Empfehlung eines geschlossenen Immobilienfonds Provisionen kassierte (AZ: I-1 U 36/12).

Die Bank musste der Klägerin 34 000 Euro sowie die Kosten des Rechtsstreits ersetzen. Außerdem musste sie für alle Schäden aufkommen, die im Zusammenhang mit der Beteiligung an einem Immobilienfonds standen.

In einem anderen Fall hat das Landgericht Oldenburg die apoBank ebenfalls wegen fehlerhafter Anlageberatung zum Schadenersatz verurteilt (AZ: 9 O 1846/11). Berater hatten einem Mediziner-Ehepaar empfohlen, insgesamt 110 000 Euro in Medienfonds zu investieren. Die Fonds musste die Bank zurücknehmen und den Anlegern Schadenersatz leisten.

Juristische Auseinandersetzungen

Der Kreditsachverständige Rainer Härtl aus dem fränkischen Selb hat die Erfahrungen seiner Kunden gesammelt und berichtet auf seiner Webseite im Internet davon. Zudem ist aufgelistet, welche aktuellen Gerichtstermine zu Verfahren mit der apoBank anstehen. Auch kann man dort lesen, dass bei Zinsanpassungen die apoBank die Zinsen „falsch und zu ihren Gunsten“ berechne. Weiter heißt es: „Der APO-Bank ist nach eigenem Bekunden bekannt, dass regelmäßig die Zinsen bei Zinsanpassungen unkorrekt angepasst werden. Dennoch erstellt sie überhöhte Zinsbescheinigungen, die zur Steuerverkürzung bei den Kunden führen.“ Die Bank weiß um die Beschwerden. Vorstandssprecher Pfennig: „Leider ist nie auszuschließen, dass Fehler passieren. Das gilt für die apoBank genauso wie für jedes andere Unternehmen. Wichtig ist aber: Die genannten Fälle sind nicht systemisch. Trotzdem prüfen wir natürlich jeden dieser Fälle im Detail.“ Sollte sich herausstellen, dass die apoBank einen Fehler gemacht hat, stehe man dafür ein und suche mit dem Kunden eine für alle Seiten tragbare Lösung.

Umstrittenes Thema Kreditvergabe

Ein weiterer strittiger Punkt in der Öffentlichkeit sind die Rahmenbedingungen für Kreditvergaben. Der Umstand, dass die Bank auch 2012 Darlehen in Höhe von mehr als vier Milliarden Euro für Existenzgründungen, Praxis- und Apothekeninvestitionen sowie private Vorhaben vergeben hat, wird von Thomas Siekmann, Verantwortlicher für das Ressort Finanzen und Controlling, als Indiz dafür gewertet, dass es bei der apoBank, jenseits von gelegentlichen öffentlichen Äußerungen, keine Kreditklemme gebe.

Das sieht der unabhängige Finanzberater und Wirtschaftsjournalist Michael Vetter aus Dortmund etwas anders. Unter seinen Kunden sind einige (Zahn-)Mediziner, die bei Kreditgeschäften mit der apoBank eher weniger gute Erfahrungen gemacht haben. „Es mag ja sein, dass es keine Kreditklemme gibt bei der apoBank“, so Vetter, „aber die Bedingungen, unter denen Kunden bisweilen ihre Kreditverträge abschließen oder abschließen müssen, sind bezüglich Zinshöhe und Umfang der Kreditsicherheiten manchmal doch etwas fragwürdig.“

Das alles ficht die Bank über die Jahre gesehen wenig an, verfügt sie doch über ein einzigartiges Geschäftsmodell: Als einzige Bank in Deutschland ist sie seit mehr als 110 Jahren auf die Betreuung der Heilberufler spezialisiert. Dieser Kundenkreis hält das Ausfallrisiko im Vergleich zu anderen geringer: Ärzte und Apotheker sind in der Regel doch ziemlich solvent.

Info

Genossenschaftsbanken

Bis ins Jahr 1862 lässt sich das Geschäftsmodell der Genossenschaftsbanken zurückverfolgen.

Laut Internetlexikon wikipedia gehen die Ansätze dieser Form von Banken auf die Grundsätze der Selbsthilfe, der Selbstverantwortung und der Selbstverwaltung von Franz Hermann Schulze-Delitzsch und Friedrich Wilhelm Raiffeisen Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Die Idee dahinter: Die Bank gehört jenen, die für sie in Form von Anlagen einerseits und Darlehen anderseits aufkommen. Reinhard Schmidt, Professor am Finanzinstitut der Goethe-Universität Frankfurt am Main: „Genossenschaftsbanken sind Banken, deren Aufgabe darin besteht, laut Gesetz und Satzung, die Wirtschaft der Mitglieder zu fördern. Das hat zur Folge, dass Genossenschaftsbanken so konstruiert sind, dass die Eigentümertitel bei den Kunden liegen. Die Kunden sind sozusagen auch die Eigentümer.“ Die konservative Anlagestrategie ist wichtiger Teil des Geschäftsmodells von genossenschaftlich wirtschaftenden Banken. Obwohl oder gerade weil sie nicht ausschließlich gewinnorientiert arbeiten, sind sie für Anleger und Kunden so attraktiv.“



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