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01.08.14 / 00:03
Heft 15/2014 Politik
Koordinierungskonferenz für Präventive und für Alters- und Behindertenzahnheilkunde

Noch viel Unwissenheit im Volk

Anfang Juli trafen sich die Kammerreferenten der Länder zu einer kombinierten Koordinierungskonferenz für Alters-/Behindertenzahnheilkunde und für Präventive Zahnheilkunde in den Räumen der Bundeszahnärztekammer in Berlin.



Die Leiter der Konferenz (v.l.n.r.): Dr. Michael Rumpf, Dr. Andreas Wagner, Dr. Sebastian Ziller, Prof. Dietmar Oesterreich und die Impulsreferatgeberin Prof. Dr. Renate Deinzer Foto: zm

Prof. Dr. Renate Deinzer (Gießen), Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Psychologie (DGMP), stellte in einem Impulsvortrag aus gesundheitspsychlogischer Perspektive öffentlichkeitswirksame Strategien zur Senkung der Parodontitislast vor.

Denn Repräsentativerhebungen zum Mundhygieneverhalten und zur Mundgesundheit hätten ergeben, dass lediglich 68 Prozent der Befragten täglich Zähne putzen. Mehr nicht. Zudem könnten 35 Prozent keine geeignete Bürsttechnik beschreiben. Beim Wissen um die BASS-Technik gehe die Zahl sogar gegen null.

Was macht die Parodontitis auf den Kauflächen?

Dass zur Vorbeugung einer Parodontitis insbesondere die Kauflächen gereinigt werden müssen, glaubten laut Deinzer 61 Prozent der Befragten. Um diesen traurigen Zahlen entgegenzuwirken, skizzierte die Referentin ein mögliches Vorgehen auf Bevölkerungsebene: Flächenwerbung, wie bei der äußerst erfolgreich laufenden HIV-Präventionskampagne, ein Aufklärungsschwerpunkt im Setting Schule, Apps und Bonussysteme seien mögliche Instrumente, um die Bevölkerung fit im Wissen um die Verhinderung, respektive die Entstehung von Parodontitis zu machen. Auf der Individualebene sollten zudem die Zahnputzfertigkeiten der Patienten trainiert werden, dies gegebenenfalls auch computerassistiert. Der Schwerpunkt solle dabei auf Systematik und Gründlichkeit gelegt werden, statt auf die Dauer.

Es sei durchaus ratsam, die Helferinnen hier zu überprüfen beziehungsweise zu schulen. Nicht immer werde korrekt demonstriert, wie die Bürste zu führen ist.

Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer (BZÄK), konstatierte: „Das parodontitisrelevante Wissen in der Bevölkerung muss zwingend verbessert werden.“ Das Thema habe deshalb durchaus Kampagnenpotenzial.

Die Teilnehmer diskutierten zudem die geplante Weiterentwicklung existierender Ambulanzen zu Medizinischen Zentren für Erwachsene mit geistiger und mehrfacher Behinderung (MZEB). Die entsprechende Rahmenkonzeption der Konferenz der Fachverbände wurde erörtert.

Weiterhin beriet die Konferenz über die Anforderungen an die zahnärztliche Versorgung von Pflegebedürftigen in stationären Pflegeeinrichtungen gemäß der Rahmenvereinbarung nach § 119b SGB V, einschließlich erster Erfahrungen zu Koopera-tionsverträgen.

Kooperationsverträge mit Pflegeeinrichtungen

Die Zusammenarbeit mit den Pflegeeinrichtungen befindet sich ja mehr oder weniger noch in den Kinderschuhen. In vielen Regionen müssten daher zunächst Informationsdefizite abgebaut und Zuständigkeiten geklärt werden, betonte Dr. Cornelius Haffner, Referent für Vertragswesen bei der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayerns. Sowohl die Mitarbeiter in den Pflegeeinrichtungen als auch aufsuchende „Neulinge“ unter den Zahnmedizinern seien nicht ausrechend informiert, was Rechte und Pflichten, sprich also den Inhalt der Kooperationsverträge angeht. Zukünftig sei es wichtig, in diesem Bereich die Versorgung ambulant und stationär sicherzustellen. Zudem sollte die Individualprophylaxe von Heimbewohnern ermöglicht, die Ausbildung von Pflegepersonal gefördert und schließlich die Substitution unbedingt vermieden werden. Laut Haffner gebe es bisher ganz unterschiedliche Entwicklungen in den einzelnen Versorgungsbezirken, was die konkrete Zahl der abgeschlossenen Kooperationsverträge zwischen Zahnärzten und Pflegeeinrichtungen angeht.

In einigen Ländern, etwa Bayern, Berlin und Baden-Würtemberg, sind die Körperschaften den Referenten zufolge bereits in die Informationsoffensive gestartet. Mit sogenannten Roadshows zu den neuen Rahmenvereinbarungen wurden die Fragen der Zahnärzteschaft vor Ort direkt beantwortet. Eine der brisantesten sei dabei jene, wer im Zweifelsfall den Transportschein austellen darf. Diskutiert wurde auch die geplante Einrichtung von Pflegekammern.

Die nächste Koordinierungskonferenz findet am 6. März 2015 in den Räumen der Zahnärztekammer Niedersachsen in Hannover statt.



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