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16.09.11 / 00:09
Heft 18/2011 Medizin
Jahreszeit der Geburt

Novemberkinder leben länger

Die Jahreszeit, in der ein Mensch geboren wird, hat offenbar Auswirkungen auf seine Anfälligkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und letztlich auch auf seine Lebenserwartung. Das zeigt eine Analyse von Forschern der Universität Greifswald, die sechs Millionen Todesfälle in Deutschland untersucht haben.




Die Wissenschaftler analysierten konkret die Todesfälle zwischen 1992 und 2007, die auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen waren und stellten dabei einen Zusammenhang zwischen dem Lebensalter und der Jahreszeit der Geburt fest. So wurden Frauen, die im November geboren waren, im Durchschnitt 7,3 Monate älter als Frauen, die im Mai zur Welt gekommen waren. Männer mit Geburtstag im November wurden sogar 11,7 Monate älter als jene, die im Mai das Licht der Welt erblickt hatten. Diese Assoziation war in allen analysierten Untergruppen festzustellen, also sowohl in nördlichen und in südlichen Bundesländern, in Bundesländern mit hoher Lebenserwartung und in solchen mit vergleichsweise niedriger Lebenserwartung, in ländlichen Gegenden und in Großstädten. Die Ergebnisse der Erhebung wurden kürzlich im US-Fachblatt „Journal of the American College of Cardiology“ publiziert.

Bislang nur Spekulationen

Unklar sind die Ursachen des Phänomens: „Wir können über die Faktoren, die in den ersten Lebensmonaten vor oder nach der Geburt einen so prägenden Einfluss auf das Herz-Kreislauf-Risiko ausüben, derzeit nur spekulieren“, so Privatdozent Dr. Thorsten Reffelmann, Leiter der Untersuchung, die in Kooperation der Klinik für Innere Medizin B der Universitätsmedizin Greifswald mit dem Statistischem Bundesamt und dem Forschungsdatenzentrum im Statistischen Landesamt des Freistaats Sachsen erfolgte.

Neben meteorologischen Daten oder der Sonnenlichtexposition sind nach Reffelmann viele andere Erklärungsmöglichkeiten des beobachteten Phänomens denkbar. Das Nahrungsangebot und die Ernährungsgewohnheiten in der Schwangerschaft könnten eine Rolle spielen, die unterschiedliche Luftverschmutzung, Infektionskrankheiten im Verlauf eines Jahres oder auch das Ausmaß körperlicher Bewegung, das ebenfalls jahreszeitlichen Schwankungen unterliegt.

Nun geht es nach Angaben der Wissenschaftler darum, die genauen Einflussgrößen zu identifizieren, um so die Präventionsbemühungen voranzutreiben.

Christine Vetter
Merkenicher Str. 224
50735 Köln



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