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01.11.11 / 00:04
Heft 21/2011 Politik
19. Saarländischer Zahnärzte-Team-Tag

Ohne Funktion ist alles nichts

Zum diesjährigen saarländischen Zahnärzte-Team-Tag vom 23. bis zum 24. September 2011 kam mit rund 900 Teilnehmern wieder eine große Zahl an Kollegen und Zahnmedizinischen Fachangestellten nach Saarbrücken. Er wurde als (jetzt vierter) grenzüberschreitender Fortbildungskongress im Rahmen der EUregio Saar-Lor-Lux-Rheinland-Pfalz begangen und stand unter dem Motto „Funktion ist nicht alles, aber ohne Funktion ist alles nichts“.




Verbunden war die Zahnärztetagung traditionell mit einer kassenzahnärztlichen Fortbildung: Dr. Manfred Lieken, M.A., Rastatt, stellte das zahnärztliche Sachverständigengutachten unter dem Aspekt der institutionellen Fairness als komplexe Aufgabe der Wissenschaft wie der Körperschaften dar. Zur Eröffnung thematisierte der Kammervorsitzende Dr. Hans-Joachim Lellig den Kabinettsentwurf zur aktuell novellierten GOZ und sparte dabei nicht mit Kritik: „Diese GOZ-Novelle wird weder den Anforderungen der modernen Zahnmedizin gerecht noch den Bedürfnissen von Patienten und Zahnärzten.“ Der saarländische Gesundheitsminister Georg Weisweiler (FDP) schloss sich aber dieser Kritik nicht an. Seiner Meinung nach seien ein tragfähiger Kompromiss gefunden und dabei insbesondere eine von der PKV geforderte Öffnungsklausel verhindert worden.

Irrweg Ökonomisierung

Die Festrede hielt Wolfram Arnim Candidus, Präsident der Bürgerinitiative Gesundheit DGVP e.V., Berlin. Sein Thema war die „Bürgerzentrierte europäische Gesundheitspolitik“. Er bekannte, „der Exodus deutscher Mediziner“, insbesondere nach Österreich und in die Schweiz, „mache ihm Angst“. Die Ökonomisierung der Medizin geißelte er ganz klar als „Irrweg“. Auf EU-Ebene stünde eine „Charta der Patientenrechte“ auf der Agenda, die keinesfalls als Konfrontation gegen Ärzte zu verstehen sei; da habe man durchaus gemeinsame Interessen. Als Forderung an die Politik formulierte er: Förderung der Prävention, mehr Bildung der Patienten (zwecks besserem medizinischem Verständnis zum Beispiel von Präventionsstrategien, aber auch zur Stärkung der Therapietreue insbesondere bei chronischen Erkrankungen), Vernetzung der Akteure, die intelligente und zielführende Nutzung von Patientendaten (nicht bloße Datensammelwut) sowie grenzüberschreitende Lösungsstrategien. Die Politik dürfe vor allem nicht zu viel verordnen, sondern solle sich auf die Schaffung von Rahmenbedingungen beschränken. Er warnte vor einer „Bürgerbeseitigung“ in der gesundheitspolitischen Diskussion durch Politik und Krankenkassen, ebenso wie vor der „Unerfahrenheit der Journalisten“, die diese anfällig mache für Manipulationen durch die Öffentlichkeitsarbeit der Krankenkassen.

Das wissenschaftliche Programm stand unter der bewährten Leitung des Fortbildungsreferenten der Kammer, Prof. Dr. Matthias Hannig, Universitätszahnklinik Homburg. Vorgestellt wurden folgende Themen: „Die klinische Funktionsanalyse – Schaltstelle für die Diagnostik und Therapie von CMD“ (Prof. Dr. Holger A. Jakstat, Leipzig), „Bruxismus – Was kann der Zahnarzt tatsächlich leisten ?“ (Priv.-Doz. Dr. Michelle A. Ommerborn, Düsseldorf), „Stellenwert der Bildgebung in der modernen Funktionsdiagnostik“ (Prof. Dr. Marc Schmitter, Heidelberg), „Verlust der vertikalen Kieferrelation – was nun?“ (Prof. Dr. Hans-Christoph Lauer, Frankfurt am Main) und „KieferORTHOPÄDIE: Chancen und Risiken der funktionstherapeutischen Intervention“ (Prof. Dr. Stefan Kopp, Frankfurt am Main).

Auch die Referentin für Zahnmedizinische Fachangestellte, Zahnärztin Iris Nachbauer, hatte ein interessantes Programm für die ZFA-Tagung zusammengestellt. Unter ihrer routinierten Ägide in der von mehr als 500 Zuhörerinnen besuchten Tagung spannte sich der Themenbogen vom „Praxis-Knigge“ über besondere Anforderungen an das Team bei älteren Patienten, „optimal funktionierendes Praxismanagement“ bis zur wertschätzenden und klaren Kommunikation. Am zweiten Tag fand wie üblich eine Sonderveranstaltung der BuS-Stelle Saarland statt.

Ergänzt wurde die Tagung durch eine Dentalausstellung sowie durch den traditionellen Saarlandabend mit Gelegenheit zu kollegialen Gesprächen. Fortsetzung folgt – wieder in zwei Jahren.

Dr. Wolfgang Carl
Kaiserstr. 49
66386 St. Ingbert



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