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11.05.15 / 16:50
Heft 10/2015 Titel
Paradontitis

Parodontitis: Gene als Risikofaktor



Die Anfälligkeit für Parodontitis wird durch ein komplexes Zusammenspiel zwischen Bakterien, Immunsystem sowie Lifestyle-Faktoren bestimmt und durch Gene reguliert. In den vergangenen Jahren sind mit modernsten genetischen Methoden erstmals Risikogene für die Parodontitis identifiziert und bestätigt worden. In dieser Übersicht wird der aktuelle Stand der genetischen Forschung vorgestellt.




Die Parodontitis ist eine bakteriell induzierte entzündliche Erkrankung [Jepsen und Dommisch, 2014]. Weltweit wird die Prävalenz schwerer Parodontitis auf 10,5 bis 12 Prozent geschätzt, sie ist damit die sechsthäufigste Erkrankung der Menschheit [Kassebaum et al., 2014]. Die Parodontitis gilt als komplexe Erkrankung, da die individuelle Krankheitsanfälligkeit durch das Zusammenspiel zwischen dem oralen Mikrobiom, dem Immunsystem, Lifestyle-Faktoren, wie zum Beispiel Rauchen und Ernährung, und metabolischen Erkrankungen, wie Diabetes / metabolisches Syndrom bestimmt und durch Gene reguliert wird (Abbildung 1).

Nach ihrem klinischen Verlauf werden die seltenere aggressive (AgP) und die häufigere chronische Parodontitis (CP) unterschieden. Aufgrund der familiären Häufung, der raschen Progression und der frühen Manifestation der aggressiven Parodontitis (Abbildung 2) wird vermutet, dass genetische Faktoren für die individuelle Anfälligkeit an AgP zu erkranken eine besonders wichtige Rolle spielen. Im Gegensatz zur chronischen Parodontitis, bei der sich die negativen Effekte von Lifestyle- und Umweltfaktoren unter Umständen jahrzehntelang akkumulieren konnten, wird bei der aggressiven Parodontitis ein relativ stärkerer Anteil genetischer Einflussfaktoren vermutet (Abbildung 3). Dementsprechend wird in genetischen Studien zur Parodontitis in der Regel zunächst der Phänotyp der aggressiven Parodontitis untersucht. Genetische Forschung kann in besonderem Maß dazu beitragen, die Ursachen einer Erkrankung zu verstehen und zu erklären, warum sich Individuen in ihrer Krankheitsanfälligkeit unterscheiden, obwohl sie unter sehr ähnlichen Bedingungen leben.



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