spk
01.11.10 / 00:08
Heft 21/2010 Zahnmedizin
Parodontologie

Parodontitis als Risikofaktor für den Foetus während der Schwangerschaft

Untersuchungen deuten darauf hin, dass eine Verbindung zwischen der parodontalen Erkrankung der Mutter und einem niedrigen Geburtsgewicht des Kindes besteht.



Ultraschallaufnahme im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung in der 23. Schwangerschaftswoche Foto: Gläser, Charité 2010

Parodontitis gilt weltweit als zweithäufigste Erkrankung der Mundhöhle. Die durch Bakterien begleitete Infektion beginnt mit lokal begrenzten Gingivopathien, welche bei Nichtbehandlung zu einer Destruktion des parodontalen Hart- und Weichgewebes führen kann. Die individuellen Auswirkungen auf den Organismus durch systemübergreifende inflammatorische Prozesse sind noch nicht vollständig erforscht, jedoch gilt die Parodontitis als Herzinfarkt- und Apoplexie-Risikofaktor. In dieser Studie wurde der Zusammenhang zum verringerten Geburtsgewicht von Neugeborenen untersucht.

In die vorliegende Fall-Kontroll-Studie wurden 548 Wöchnerinnen aus zwei Krankenhäusern in Bahia (Brasilien) eingeschlossen. Bei 164 Frauen lag das Gewicht der Neugeborenen unter 2 500 Gramm (Fallgruppe) und bei 384 Frauen über 2 500 Gramm (Kontrollgruppe). Nach der Geburt wurden die Mütter auf Parodontopathien untersucht und galten als parodontal erkrankt, wenn folgende Faktoren auf mindestens vier Zähne zutrafen: Sondierungstiefen ab vier Millimeter, klinischer Attachmentverlust von mindestens drei Millimeter sowie Bluten auf Sondieren. Durch Befragungen und unter Zuhilfenahme der Geburtsakten wurden folgende Parameter der Mütter zusätzlich erfasst: Alter, Größe, vorhergehende Erkrankungen, Familienstand, sozioökonomischer Status, Tabakkonsum und Genuss von Alkohol.

42,7 Prozent der Fallgruppe und 30 Prozent der Kontrollgruppe wiesen eine Parodontitis unterschiedlicher Ausprägung auf. Es konnte gezeigt werden, dass neben einem Alkohol- und Tabakkonsum ein statistisch signifikanter Zusammenhang (p < 0,05) zwischen der parodontalen Erkrankung und dem geringen Geburtsgewicht der Neugeborenen bestand (unkorrigiert Quotenverhältnis: 1,74; 95 Prozent Konfidenzintervall: 1,19 – 2,54). Das Risiko, ein untergewichtiges Kind zu gebären, war beim Vorhandensein einer parodontalen Erkrankung zweimal höher; dabei waren Frauen mit niedriger Schulbildung besonders häufig betroffen (korrigiert Quotenverhältnis: 2,30; 95 Prozent Konfidenzintervall: 1,14 – 4,6).

ZÄ Christin Gläser
Charité, Universitätsmedizin Berlin
CharitéCentrum 3 für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
Abteilung für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie
Aßmannshauser Str. 4-6
14197 Berlin
christin.glaeser@charite.de



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