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16.12.12 / 12:10
Heft 24/2012 Politik
22. Brandenburgischer Zahnärztetag

Parodontitis und Ethik

Dem aktuellen Stand der Parodontologie widmete sich der diesjährige Brandenburgische Zahnärztetag (23. und 24. November in Cottbus). Die Referenten zeigten den weit über 1000 anwesenden Zahnärzten und Zahnmedizinischen Fachangestellten die verschiedenen Möglichkeiten der Parodontitisbehandlung auf. Ein philosophisch-ethisches Thema behandelte der diesjährige Festredner.




Ohne Parodontologie gehe heute fast gar nichts mehr, erläuterte der Präsident der Landeszahnärztekammer Brandenburg (LZKB), Dipl.-Stom. Jürgen Herbert, die Wahl des Kongressthemas. „Die Menschen bleiben länger jung im Sinne von geistiger und körperlicher Fitness. Dabei behalten sie auch immer mehr eigene Zähne. Im Gegenzug bedeutet dies jedoch, dass immer mehr Patienten mit Zahnfleisch- und Zahnbetterkrankungen behandelt werden müssen.“

Die Parodontologie sei lange Zeit mehr „Stiefkind als Triebfeder“ der Zahnmedizin gewesen, ergänzte Dr. Eberhard Steglich, Vorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Land Brandenburg. Sie stehe aber mehr und mehr im Mittelpunkt, weil hier die Schnittmengen mit der Medizin am größten seien.

Wie erfolgreich die Zahnmedizin sein kann, erläuterte BZÄK-Vizepräsident Prof. Christoph Benz mit Blick auf die Karies. Diese sei gerade bei Kindern immer mehr auf dem Rückzug. Die Prioritäten in der Zahnmedizin verschöben sich immer mehr vom Kurativen zum Präventiven. Dieser Entwicklung trägt auch die Agenda Mundgesundheit der KZBV Rechnung.

Lokalisiert oder chronisch

Auch die Politik hat die Wichtigkeit einer guten Mundgesundheit für das gesamte Wohlbefinden erkannt. Den Zahnärzten obliege die professionelle Verantwortung für die Mundgesundheit der Patienten, erklärte die brandenburgische Gesundheitsminis- terin Anita Tack (Die Linke) in ihrem schrift-lichen Grußwort. „Die Parodontologie verfolgt ein Hauptziel: durch Prävention, Behandlung und Nachsorge von Erkrankungen des Zahnhalteapparats möglichst alle Zähne so lange wie möglich zu erhalten“, so die Ministerin. „Zähne wachsen nicht nach – zumindest bei Erwachsenen – sind aber eine Grundvoraussetzung für Gesundheit und Wohlbefinden.“

Im wissenschaftlichen Programm beschäftigten sich die anwesenden Zahnärzte mit den verschiedenen Möglichkeiten der Parodontitisbehandlung. Dabei ging es unter anderem um die Fragen: Wann ist Zahn- erhalt möglich und in welchen Fällen nicht? Welche Therapiemaßnahmen gibt es?

Der wissenschaftliche Leiter Prof. Thomas Hoffmann (Dresden) führte die Teilnehmer in das Tagungsthema ein. Der typische Patient hat nach Hoffmanns Angaben eine generalisierte, chronische Parodontitis. Die schwere Form sei aber die aggressive Parodontitis. Bei einer lokalisierten Form und einer frühzeitigen Erkennung habe der Zahnerhalt gute Chancen, bei einer chronischen Form sei Zahnerhalt nur sehr begrenzt möglich, so der Dresdner Zahnmediziner. Das Ziel einer Parodontitis- behandlung sei, Zähne mit einer zweifelhaften Prognose in eine Kategorie mir guter Prognose zu überführen. „Bei der Entscheidung über den Zahnerhalt müssen Extraktionsgründe gegen Erhaltgründe abgewogen werden“, so Hoffmann. Bei der Entscheidungsfindung spielten auch der Gesundheitsgewinn, der subjektive Bedarf und der Gewinn an Lebensqualität des Patienten eine Rolle.

Arzt oder Geschäftsmann

Von den harten Fakten der Zahnmedizin entfernte sich der Festredner, Medizinethiker Prof. Giovanni Maio (Freiburg), in seinem Vortrag „Ästhetik – Monetik – Ethik“ (siehe dazu die Titelstory in zm 1/2012). Er ging der Frage nach, ob es einen Unterschied zwischen einem (Zahn-)Arzt und einem Geschäftsmann gibt. Die Antwort gab Maio gleich zu Anfang: Ein Geschäftsmann hilft nur, wenn es sich rentiert. Der Arzt handelt, ohne zu fragen. Denn das Arzt-Patienten-Verhältnis sei kein Vertrags-, sondern ein Vertrauensverhältnis, so der Medizinethiker.

In der modernen Zahnmedizin werde der Zahnarzt aber politisch gewollt zunehmend zu einem reinen Leistungserbringer. „Medizin ist eine soziale Praxis im Dienste des Menschen. Business ist eine wirtschaftliche Praxis zur Gewinnmaximierung“, erklärte Maio. Wenn die ärztliche Tätigkeit durch den kommerziellen Tausch zunehmend ersetzt wird, würden sowohl Patienten als auch Ärzte die Verlierer sein, weil sie damit das zentrale Kapital aufs Spiel setzten: die Vertrauenswürdigkeit. „Der Patient wird immer auf den guten Rat des Zahnarztes angewiesen sein, trotz aller Informiertheit.“eb



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