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01.01.04 / 00:13
Heft 01/2004 Politik
Brandenburgischer Zahnärztetag in Cottbus

Parodontologie auf dem Prüfstand

Die hohe Teilnehmerzahl beim 13. Brandenburgischen Zahnärztetag am 21./22. November 2003 in Cottbus – immerhin rund 1 100 Zahnärzte und Praxismitarbeiter – führte die gerade beschlossene Zwangsfortbildung regelrecht ad absurdum, denn Punkte gab es für diese Tagung nicht. „Nur“ Wissen. Der aktuelle Stand der Parodontologie wurde in 19 Fachvorträgen behandelt, zusammengestellt vom wissenschaftlichen Leiter Prof. Dr. Thomas Hoffmann, Dresden.




Die 13 – sonst als Unglückszahl verschrien – wurde in Cottbus zum guten Omen, denn dieser Zahnärztetag war durch und durch stimmig, hielt für die Teilnehmenden jede Menge fachliche Tipps, Tricks und Ratschläge bereit, gab Raum für standespolitische und kollegiale Gespräche sowie Diskussionen. Die einzelnen Tagungsprogramme für die Zahnärzte, Kieferorthopäden und Zahnarzthelferinnen vermittelten kompakt das momentane Wissen auf dem Gebiet der Parodontologie und gaben gleichzeitig einen Ausblick auf bevorstehende Entwicklungen. Am meisten scheint hierbei das 24-h-Scaling zu versprechen – jedoch fehlen noch ausreichende Studienergebnisse. Eine breitgefächerte Dentalausstellung begleitete erfolgreich den Zahnärztetag.

Zur Eröffnung begrüßten die Tagungsgäste aus dem brandenburgischen Gesundheitsministerium Staatssekretärin Margret Schlüter. Sie freue sich sehr darüber, wie Jahr für Jahr in Cottbus diese Fortbildung vorbereitet und durchgeführt wird. „Und auch, weil Sie vehement die Interessen Ihrer Mitglieder vertreten. In Fachfragen wie auch gegenüber der Politik.“

Gast aus der standespolitischen Bundesebene war Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der BZÄK, der die Grüße des Präsidenten der Bundeszahnärztekammer überbrachte. Er machte deutlich, dass auch die BZÄK die Zwangsfortbildung missbilligt. Aber wenn schon die Politik das Urvertrauen zwischen Zahnarzt und Patient derart massiv störe, müsse der Zahnarzt alles daran setzen, um das Patientenverhältnis zu pflegen. Eine qualifizierte, auf Prävention und Früherkennung ausgerichtete Zahnmedizin gehöre unbedingt dazu.

Der brandenburgische Zahnärztetag war gleichzeitig Anlass für eine ganz besondere Ehrung zweier brandenburgischer Zahnärzte. Für die BZÄK verlieh Dr. Oesterreich an Dozent Dr. Dieter Tiede sowie an SR Dr. Karl-Heinz Weßlau die Ehrennadel der deutschen Zahnärzteschaft. Beide Zahnärzte errangen nicht nur durch fachliche Qualifikation einen hohen Namen in der Kollegenschaft, sondern setzten sich auch mit sehr viel Engagement für den Aufbau der zahnärztlichen Körperschaften sofort nach der Wende ein. Sie gehören zu den Gründungsmitgliedern von Kammer und KZV.

Aufbruch zur Demokratie

Der sich daran anschließende Festvortrag hätte nicht besser zu dieser Ehrung passen können: Superintendent i.R. Friedrich Margirius, seines Zeichens von 1982 bis 1995 Pfarrer an der Nikolaikirche Leipzig, erinnerte in bewegenden Worten an den Aufbruch zur Demokratie im Herbst 1989. Die Nikolaikirche war eben dieser Ort, an dem alles begann: die friedliche Revolution und letztendlich der Umsturz des DDR-Regimes. Als unmittelbar Beteiligter sah es Margirius aber auch als seine Pflicht an, auf die bleibende Verantwortung für unser neues Zusammenleben zu pochen. Die Zeit sei reif für eine Umbruchstimmung – für neue Berufe, neue Dienstleistungen. „Ich will uns wach machen für solche Veränderungen“ – rief er den Anwesenden zu.

Der zweite Tag stand für die Kieferorthopäden von früh an unter dem Zeichen der Berufspolitik, denn es galt, gemeinsam die Absenkung des Bema und seine Folgen auf die KFO-Praxis auszuwerten. Die zum Teil sehr hitzigen Diskussionen gingen für alle Teilnehmer des Zahnärztetages weiter, als Jürgen Herbert, Präsident der Landeszahnärztekammer Brandenburg, Dr. Gerhard Bundschuh, Vorsitzender der KZV Land Brandenburg, und Dr. Klaus Markula, Vorsitzender des Verbandes Niedergelassener Zahnärzte des Landes Brandenburg, das berufspolitische Forum leiteten. Jürgen Herbert kündigte unter anderem als praktische Konsequenz aus dem GMG einen Vorschlag der Kammer an, die Praxisgebühr nur ein Mal im Jahr zu erheben, nämlich wenn der Patient den Stempel für das Bonusheft braucht. Genau eine Woche später verabschiedete die konstituierende Kammerversammlung einen entsprechenden Beschluss. Dr. Markula stellte darüber hinaus während des Forums die Initiative seines Verbandes vor, ab Januar in die offensive Kostenerstattung zu gehen und die Patienten von deren Vorteilen zu überzeugen. Am 6. Dezember stellte sich auch die Vertreterversammlung der KZV LB hinter diese Initiative.

Jana Zadow
LZÄK Brandenburg
Parzellenstr. 94, 03046 Cottbus



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