zm-online
01.07.02 / 00:08
Heft 13/2002 Zahnmedizin
6. Dresdner Parodontologie-Frühling

Parodontologie und Ästhetik

Unter der Thematik „Parodontologie im Wandel: Einzug der Ästhetik in die Parodontologie“ fand am Sonnabend, dem 27.04.2002 zusammen mit mehr als 250 interessierten Kolleginnen und Kollegen der 6. Dresdner Parodontologie- Frühling unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Hoffmann statt.



Dresden ist immer eine Reise wert. Erst recht, wenn sich die Parodontologen dort treffen. Foto: MEV

Prof. Dr. Peter Raetzke, Frankfurt/M, begann seine Ausführungen mit einem Überblick und kritischer Wertung parodontalregenerativer Verfahren mit Knochenersatzmaterialien und Membrantechniken bei Knochendefekten. Die größte Problematik dieser Behandlungsmaßnahmen besteht in der relativ begrenzten Indikationsstellung und fehlenden sicheren Prognose, so der Referent. Favorisiert wird die Membrantechnik mit möglichst geschlossener Einheilung, eventuell unterstützt durch autologes Knochenmaterial. Auch das Schmelzmatrixprotein Emdogain® zeigt vermutlich die Eigenschaften einer biologischen Membran (Verhinderung epithelialer Regeneration vor Faser-, Zement- und Knochenneubildung).

Zahnerhalt um jeden Preis

Die Frage nach Zahnerhalt um jeden Preis wurde anhand klinischer Fallbeispiele gestellt und für den Einzelfall beantwortet. Neben den lokalen Befunden bildet immer der Gesamtbefund die entscheidende Grundlage. Es sollten verschiedene Therapiemöglichkeiten mit der jeweiligen Prognose entwickelt werden. Dabei müssen in jedem Falle die Ansprüche beziehungsweise Bedürfnisse des Patienten Berücksichtigung finden.

Prof. Raetzke stellte im Weiteren die Entwicklung der Mukogingivalchirurgie zur plastischästhetische Chirurgie dar. Für die chirurgische Deckung von Rezessionen mit vorhersagbaren Behandlungsergebnissen stehen verschiedene Techniken zur Verfügung. Hauptsächliche Methoden sind gestielte Verschiebelappen verschiedenster Modifikationen (auch mit GTR) oder die freie Bindegewebstransplantation als „Envelope“-Technik. Die Indikation für die jeweilige Technik ist individuell in Abhängigkeit der jeweiligen klinischmorphologischen Situation zu stellen.

Plastische Parodontal-OP life in den Vortragsraum

In einem über vierstündigen, nachmittäglichen Live-Operations-Marathon untersetzte Prof. Raetzke seine Ausführungen des Vormittags durch eindrucksvolle plastisch-parodontalchirurgische Eingriffe. In dieser Kombination der Darstellung unterschiedlicher Therapiekonzepte und deren kritischer Hinterfragung mit der Demonstration verschiedenen operationstechnischen Vorgehens gelang es dem Referenten, eine Verbindung von Theorie und Praxis herzustellen. Der 7. Dresdner Parodontologie-Frühling wird am 26. April 2003 stattfinden.

Dr. Gerlinde Bruhn
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der TU
Dresden Poliklinik für Zahnerhaltung
Fetscherstrasse 74, 01307 Dresden



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