spk
01.11.11 / 00:05
Heft 21/2011 Titel
Fortbildungsteil 2/2011

Pathophysiologie, Klinik und Therapie

Der Zahnarzt sowie der Hals-Nasen-Ohrenarzt werden nicht selten wegen des Schnarchens konsultiert. Im Mittelpunkt der Pathophysiologie stehen morphologische Einengungen der oberen Atemwege und Funktionsstörungen der pharyngealen Muskeln. Der vorliegende Beitrag stellt die wesentlichen Grundlagen zusammen und gibt einen Überblick über Klinik und Therapie des Krankheitsbildes „obstruktives Schlafapnoesyndrom“.




Schlafbezogene Atemstörungen stellen eine hohe individuelle gesundheitliche Belastung für die Betroffenen und ein erhebliches ökonomisches Problem für die Gesellschaft dar. Während konservative Schätzungen bisher eine Häufigkeit von zwei bis vier Prozent in der Bevölkerung annahmen [Young et al., 2002], ist inzwischen von deutlich höheren Zahlen mit einer Prävalenz von 20 Prozent in den besonders betroffenen Gruppen, zum Beispiel Männer zwischen 40 und 60 Jahren, auszugehen. In Hausarztpraxen zeigte sich, dass bei 32 Prozent der Personen, die mit einer hohen Wahrscheinlichkeit unter obstruktiven schlafbezogenen Atemstörungen litten, diese noch unbekannt waren [Ohayon et al., 1997; Netzer et al., 2003]. Männer sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Frauen.

Zu den schlafbezogenen Atemstörungen gehören das obstruktive Schlafapnoesyndrom (OSAS), das zentrale Schlafapnoesyndrom (ZSAS) und schlafbezogene Hypoventilationen.

Bei der obstruktiven Apnoe liegt ein vollständiger Verschluss der oberen Atemwege meist in Höhe des Zungengrunds vor. Zwar geht also der Impuls regelrecht vom zentralen Nervensystem aus und stimuliert auch die Atemmuskulatur, die Luft kann jedoch nicht durch die obstruierten Atemwege befördert werden. Der Patient unternimmt frustrane Atemanstrengungen. Demgegenüber fehlt bei der zentralen Apnoe der Impuls des Gehirns zu atmen. Weder Atemstrom durch Mund oder Nase noch Atembewegungen sind erkennbar. Im Unterschied zu den Apnoen ist von einer Hypopnoe zu sprechen, wenn bei abgeschwächtem, jedoch nicht vollständig unterbrochenem Atemfluss ein prozentualer Abfall der Sauerstoffsättigung eintritt [Iber et al., 2007]. Der Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) quantifiziert die Anzahl von Apnoen und Hypopnoen pro Stunde Schlaf. Bereits ab einem AHI größer gleich 5/h muss mit einem Anstieg des kardiovaskulären Risikos gerechnet werden.

Zentrale schlafbezogene Atemstörungen treten häufig bei Erkrankungen des Herzens, Schlaganfall, Niereninsuffizienz, bei Medikamenten- oder Drogengebrauch (wie Opiate) und in großer Höhe auf. Unter dem Begriff Hypoventilationssyndrome können zahlreiche Erkrankungen zusammengefasst werden, bei denen die Atemtiefe im Schlaf nicht ausreicht, um das CO 2 suffizient abzuatmen (COPD, neuromuskuläre oder skelettale Erkrankungen). In diese Gruppe fällt auch das Obesitas-Hypoventilations-Syndrom, also die verminderte Atmung bei stark übergewichtigen Patienten, ein Problem, das mit der Zunahme des Körpergewichts in der Bevölkerung weiter steigen wird [The Report of an American Academy of Sleep Medicine Task Force, 1999].

Insgesamt werden Hypoventilationssyndrome und zentrale Atemstörungen deutlich seltener als obstruktive schlafbezogene Atemstörungen festgestellt. Nur letztere sind therapeutisch für den Zahnarzt von Interesse und werden in diesem Artikel besprochen. Dennoch ist die differenzialdiagnostische Abgrenzung im Schlaflabor von großer Bedeutung. Nicht zuletzt deswegen stellt die Polysomnografie die Basis der Diagnostik dar, die der Behandlung zum Beispiel mit Unterkieferprotrusionsschienen vorausgehen muss.



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