Michael Dau et al.
16.01.17 / 00:01
Heft 02/2017 Der besondere Fall mit CME
Der besondere Fall mit CME

Polymorphes low-grade Adenokarzinom der Glandula sublingualis


CME-Fortbildung

Schwellungen im Mund und an den Speicheldrüsen sollten ernst genommen werden. Denn sie können, insbesondere wenn sie die kleinen Speicheldrüsen betreffen, durchaus maligne sein. Bei den großen Speicheldrüsen ist dieses seltener der Fall. Der vorliegende Patientenfall zeigt eine solche Problematik, die aufgrund von noch rechtzeitiger Diagnostik und Resektion des Tumorprozesses für den Patienten glimpflich ausging.




Ein 48-jähriger Patient wurde in der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und plastische Gesichtschirurgie der Universitäts- medizin Rostock durch eine niedergelassene oralchirurgische Kollegin zur Abklärung einer mutmaßlichen Raumforderung im Bereich des Mundbodens links vorgestellt.

Der Patient berichtete über eine vor drei Tagen erstmals wahrgenommene Schwellung in diesem Bereich. Schmerzen, auch postprandial, bestanden nicht, der Speichelfluss war normal. Der Patient gab keine Gewichtsabnahme, keine Appetitstörung und keine Zeichen anderer Organerkrankungen an. Fieber konnte nicht eruiert werden.

Im Rahmen der klinischen Erstuntersuchung fiel eine kleine, tastbare, nicht druckdolente Raumforderung im Bereich des Mundbodens links mit enger Lagebeziehung zu einem Torus mandibularis (Abbildung 1) auf. Es bestanden keine Einschränkungen der lingualen Mobilität oder der Sensibilität. Die Sprache war nicht beeinträchtigt. Die sonografische Untersuchung zeigte eine 12 mm x 12 mm große, echoreiche, inhomogene Raumforderung im Bereich des Mundbodens regio 34 direkt lingual des Unterkiefer- knochens (Abbildung 2) sowie zahlreiche am ehesten reaktiv vergrößerte Lymphknoten.

Eine MRT-Untersuchung des Kopfes und des Halses offenbarte eine vermehrt Kontrastmittel anreichernde Raumforderung im Bereich der Glandula sublingualis links mit einer Diffusionsstörung in der Bildgebung (Abbildung 3).

Bei Vorliegen eines Tumors unklarer Dignität der Glandula sublingualis links erfolgte daher die In-toto-Resektion in Intubationsnarkose (Abbildung 4). Hier zeigte sich ein strangartiger, derber, von einer dünnen und fragilen Kapsel umgebener Tumor, der entlang des Torus mandibularis links bis in den Mundboden lokalisiert war. Der Torus mandibulär wurde abgetragen. Die histopathologische Untersuchung des entnommenen Materials (Abbildung 5) ergab ein polymorphes low-grade Adenokarzinom mit monomorphen Zellen sowie runden bis ovalären Zellkernen bei fein körnigem Chromatin (Abbildung 6). Gemäß Beschluss des interdisziplinären Tumorboards der Universitätsmedizin Rostock wurden daher eine Nachresektion mit Entfernung der Glandula sublingualis links, selektiver Entnahme einzelner auffälliger Lymphknoten in Level I-III links sowie eine primäre Weichteilrekonstruktion mittels mikrovaskulär anastomosiertem Radialislappen vom Unterarm links durchgeführt (Abbildung 7). In dem entnommenen Torus mandibulae, der direkt dem Tumor anliegend war, ergab sich kein Hinweis auf Malignität, sodass auf eine weitere knöcherne Resektion verzichtet werden konnte. Die endgültige histopathologische Beurteilung ergab eine R0-Resektion des bekannten Adenokarzinoms der Glandula sublingualis (pT1 pN0 L0 V0 R0 low grade). Bei einer Nachbeobachtungszeit von nunmehr einem halben Jahr konnte kein Anhalt auf Rezidive/Metastasen/Zweitkarzinome gesehen werden.



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