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01.08.06 / 00:10
Heft 15/2006 Politik
Branchenkonferenz in Warnemünde

Prävention als Wirtschaftskraft

Gesundheitsland Nummer 1 werden! Dieses ehrgeizige Ziel verfolgt Mecklenburg-Vorpommern und rief deshalb im Dezember 2005 die Branchenkonferenz Gesundheit ins Leben. In Warnemünde trafen sich jetzt 600 Unternehmer, Dienstleister und Wissenschaftler zum zweiten Mal und überlegten gemeinsam mit Politikern, wie das Land Natur und Meer für Präventions- und Wellnessangebote nutzen kann. Ein guter Plan – aber damit er aufgeht, gehören die Heilberufler unbedingt mit an den Tisch.




„Kein Traum. Nur Wohlfühlen. Mecklenburg-Vorpommern.“ Mit diesem Slogan wirbt das Land für sich selbst. Und keine Frage: Hier kann man es aushalten. Es weht eine sommerliche Brise, Strand, soweit das Auge reicht, und die Ostsee lädt zum Baden ein.

Ein Jungbrunnen für ganz Deutschland

Dabei allein soll es aber nicht bleiben, hatten die Konferenzteilnehmer Ende vergangenen Jahres beschlossen. Sie halten die Gesundheitswirtschaft für die ökonomische Lokomotive der Zukunft und wollen diese Entwicklung in Mecklenburg- Vorpommern vorantreiben. Ziel sei es, die natürlichen Ressourcen des Landes professioneller zu nutzen und auf dieser Basis Wellness-, Erholungs- und Freizeitangebote auszubauen, betonte Prof. Dr. Horst Klinkmann, Kongresspräsident und Vorsitzender des Kuratoriums Gesundheitswirtschaft Mecklenburg-Vorpommern. Seine Vision: einen Jungbrunnen für ganz Deutschland zu schaffen.

Natürlich seien auch andere Bundesländer auf den Zug aufgesprungen, doch sei man hier im Norden schon ein kleines Stückchen weiter als die anderen, hob Ministerpräsident Dr. Harald Ringstorff hervor und verwies auf den gerade im Parlament bestätigten Masterplan. Zudem setzte das Land bereits auf Erholung und Tourismus als das Fremdenverkehrswesen noch in den Kinderschuhen steckte: Das erste Seebad Deutschlands entstand bekanntlich Ende des 18. Jahrhunderts in Heiligendamm – hier, so Ringstorff, befinde sich sozusagen die Wiege der Gesundheitswirtschaft.

Dass sich das Land auf die Prävention konzentriert, hält auch Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt für richtig: „Weil wir immer länger leben, ist die gesamte Gesellschaft mehr und mehr darauf angewiesen, dass die Menschen gesund alt werden“. Gleichzeitig hob sie hervor, dass sich auch auf diesem Gebiet viele Scharlatane tummeln und die Qualität der Angebote gesichert sein muss. Ein Beispiel für qualitätsgestützte und erfolgreiche Prävention sei das Bonusheft in der Zahnheilkunde. Schmidt wies das Heft als Vorbild für die Früherkennung von chronischen Krankheiten aus, beispielsweise für Diabetes und Bluthochdruck. Auch beim Präventionsgesetz, dass „die Regierung nun endlich auf den Weg bringen will“, setzt Schmidt auf die Zusammenarbeit mit den Ärzten und Zahnärzten.

Ärzte und Zahnärzte: Profis in Sachen Prävention

Genau diese Beteiligung der Heilberufler vermisst Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, bei dem Konzept in Mecklenburg-Vorpommern. Prävention und Qualitätssicherung im Gesundheitswesen zählten zu den Hauptaufgaben der Kammern – weder die Ärzte noch die Zahnärzte seien jedoch bislang in das Projekt „Gesundheitswirtschaft Mecklenburg-Vorpommern“ oder in das entsprechende Kuratorium miteinbezogen worden.

„Die Zahnärztekammer besetzt wesentliche Schwerpunkte, wie die Gesundheitsprävention, Aus- und Weiterbildung sowie die Vernetzung“, bekräftigt Oesterreich. „Im Interesse einer qualitativ hochwertigen Versorgung der Bevölkerung mit gesundheitsrelevanten Dienstleistungen ist eine Einbindung zwingend erforderlich.“

Der Kinderpass, der zahnärztliche Praxisführer für Patienten mit Behinderungen und das Handbuch für Mundhygiene seien nur eine Auswahl der zahlreichen Initiativen der Zahnärztekammer Mecklenburg-Vorpommern für zielgruppengerechte und an den demografischen Herausforderungen orientierte Präventionsansätze. Oesterreich: „Der zahnärztliche Berufsstand fordert nicht nur zu Recht eine stärkere Einbindung in das Projekt – darüber hinaus kann er wesentliche Beiträge für die Umsetzung der politischen Zielvorstellungen liefern.“

INFO

Wachstumsmarkt Gesundheitswirtschaft

Neben dem reizarmen Klima und intakten Landschaften gehört der Gesundheitssektor in Mecklenburg-Vorpommern mit 35 Krankenhäusern und 67 Rehakliniken zu den modernsten in Europa. Landesweit arbeiten 87 000 Menschen in der Branche, davon 61 000 im Kernbereich, der Versorgung. Mit dem Projekt „Gesundheitswirtschaft“ und dem dort erarbeiteten Masterplan will das Land Wege finden, wie man Synergien zwischen verschiedenen Branchen wie dem klassischen Gesundheitswesen, den Life Sciences, der Ernährungsindustrie und dem Tourismus nutzen kann.



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