sg
01.04.14 / 00:02
Heft 07/2014 Politik
Gesundheitspolitik

Prävention ist gesellschaftspolitische Aufgabe

Die Mundgesundheit aller Menschen zu verbessern – um dieses Ziel zu erreichen, veranstaltete das Forum Zahn und Mundgesundheit Deutschland am 18. März in Berlin einen Parlamentarischen Abend zum Start in die neue Legislaturperiode.



(v.l.n.r.): Jens Christmann vom Wrigley Oral Healthcare Program, Gründungsmitglied des Forums, Jens Spahn (MdB CDU), Schirmherr des Forums, Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vorsitzender des Forums und BZÄK-Vizepräsident, Prof. Dr. Stefan Zimmer, Universität Witten/Herdecke, Gründungsmitglied des Forums, Dr. Thomas Nahde von GlaxoSmithKline Consumer Healthcare, Gründungsmitglied des Forums, Dirk Heidenblut (MdB SPD), Schirmherr des Forums. Foto: Forum Zahn- und Mundgesundheit Deutschland

Seit Gründung des Forums im Jahr 2012 war es dessen Ziel, sowohl fach- als auch fraktionsübergreifend Wissenschaft, Berufsverbände, Politik und Wirtschaft in einen gesundheitspolitischen Dialog zu integrieren. Daher forderte das Forum beim Parlamentarischen Abend eine stärkere Zusammenarbeit für einen lebenslangen Präventionsansatz. Um die Belange der Mundgesundheit in politischen Entscheidungsprozessen augenscheinlicher zu platzieren, konnten vom Forum die beiden Bundestagsabgeordneten Jens Spahn (CDU) und Dirk Heidenblut (SPD) als Schirmherren gewonnen werden.

Dietrich Monstadt (CDU) bezeichnete die Bemühungen, die Mundgesundheit der deutschen Bevölkerung langfristig zu verbessern als „gesundheits- und gesellschaftspolitische Herausforderung“. Die Zahn- und Mundgesundheit sei eine gesellschaftliche Querschnittsaufgabe. „Lassen Sie uns bei diesem Thema einen Zahn zulegen“, so Monstad.

Der Vize-Präsident der Bundeszahnärztekammer und Vorsitzende des Forums Zahn- und Mundgesundheit, Prof. Dietmar Oesterreich, stellte die Leistungen der deutschen Zahnärzteschaft im internationalen Vergleich heraus. Allerdings seien insbesondere Karies und Parodontitis nach wie vor Volkskrankheiten und belasteten das Gesundheitssystem. Dabei existierten wirksame und wissenschaftlich abgesicherte Präventionsstrategien. Diese erreichten aber noch nicht die besonders fürsorgebedürftigen Bevölkerungsgruppen wie Kleinkinder, Menschen in sozial schwierigen Lebenslagen, Migranten, Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderung.

Chancengleichheit herstellen

„Das Ziel unseres Forums ist so ambitioniert wie einfach: Wir wollen die Zahn- und Mundgesundheit aller Menschen in Deutschland verbessern. Es geht dabei um die Herstellung von gesundheitlicher Chancengleichheit – und gleichzeitig um die Wahrnehmung von Eigenverantwortung“, so Oesterreich. Dies betreffe nicht nur die Finanzen. Hierzu seien vor allem ganzheitliche Präventionsstrategien notwendig. Gleichzeitig gebe es aber zunehmend wissenschaftliche Belege und Hinweise über evidente Zusammenhänge der Allgemein- und der Mundgesundheit. So sei insbesondere die Parodontitis ein wichtiger Co-Faktor, aber auch Folgeerkrankung bei Diabetes mellitus. Im Sinne eines gemeinsamen Risikofaktorenansatzes gelte es, lebenslang Prävention vom Milchgebiss bis ins hohe Alter auszugestalten. Daher seien verschiedene Politikbereiche von Bildung/Forschung, Gesundheit, Wirtschaft, Verbraucherschutz, Arbeit/Soziales und nicht zuletzt das Finanzressort gefragt und gefordert.

Für die Wissenschaft äußerte sich Forums-Gründungsmitglied Prof. Stefan Zimmer, Universität Witten/Herdecke, optimistisch mit dem Forum eine Plattform geschaffen zu haben für die Kommunikation zwischen Akteuren und Verantwortungsträgern des Zahngesundheitswesens, Vertretern des Berufsstandes und Wissenschaftlern. Persönlich sehe er seine Aufgabe nicht nur darin, wissenschaftliche Erkenntnisse zu generieren, sondern diese auch in die Öffentlichkeit zu tragen.

Die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK), Prof. Dr. Bärbel Kahl-Nieke, betonte mit dem Blick auf den Medizinethiker Giovanni Maio, dass Gesundheit kein individuelles Persönlichkeitsmerkmal sei. Vielmehr sei sie abhängig von strukturellen Rahmenbedingungen. Diese Rahmenbedingungen gelte es zu verbessern. Wie etwa durch Kooperationen und Ausweitung der Interdisziplinarität in der (Zahn-)Medizin. Bei der Kieferorthopädie gäbe es daher seit über zehn Jahren eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Kinderärzten und Kieferorthopäden.



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