jk
16.03.02 / 00:12
Heft 06/2002 Praxis
Garantiefonds

Preisfrage

Wer in den vergangenen zwei Jahren in Aktien oder auch in Aktienfonds investiert war, hat in aller Regel sehr viel Geld verloren. Deshalb stellt sich die Frage: Lohnen sich Anlageinstrumente, die garantiert keinen Verlust bringen?



Steil bergauf gehen die Renditen zurzeit zwar nicht gerade – aber mit Geduld lässt sich an der Börse auch heute noch Geld verdienen. Foto: PhotoDisc

Seltsam: Mitten in der Börsenbaisse, als in der Woche nach dem 11. September 2001 die Aktienkurse wie von einem Erdbeben gerüttelt in die Tiefe krachten, hätten die Geldinstitute eigentlich Werbung für Garantiefonds machen müssen. Doch nichts dergleichen geschah. Dabei sind Garantiefonds die überzeugendste, bequemste und auch preiswerteste Art, sich vor Kursverlusten bei Aktien zu schützen.

Mit Hilfe von Verkaufsoptionen (in der Fachsprache auch Puts genannt) kann sich ein Börsenprofi vor Kursverlusten bei Einzelaktien schützen. Er kauft Aktien oder hat sie gekauft, und per Option verkauft er sie wieder. Wenn die Aktienkurse sinken, steigen die Kurse der Put- Optionen. Unterm Strich gleichen sich im Idealfall die Verluste bei den Aktien mit den Gewinnen bei den Optionen wieder aus. Und umgekehrt: Sollten die Aktien entgegen den Erwartungen steigen, fallen die Kurse der Optionen. Gewinne sind bei dieser Absicherungsstrategie nicht in Sicht. Will der Investor Gewinne sehen, muss er sich schon für einen Trend entscheiden. Das heißt: Er muss, ob ihm das schmeckt oder nicht, auf eine unbekannte Zukunft spekulieren.

Ähnlich verhält es sich auch mit den Garantiefonds, nur nicht so extrem wie bei Einzelaktien. So bietet das Fondsprinzip mit seiner Risikoverteilung auf ganz viele Titel von Hause aus eine Risikostreuung. Sodann können die Fondsmanager Aktien ins Fondsportfolio nehmen, denen extreme Kursschwankungen wesensfremd sind. Das ist bei Stromaktien der Fall. Aber auch Versicherungen, Pharmawerte oder Lebensmittelhersteller schwanken nicht gerade extrem bei den Wechselwinden der Konjunktur. Und dann können die Fondsmanager noch die klassischen Kurssicherungen einbauen, um den Wert ihres Portfolios zu stabilisieren. In Zeiten akzeptabler oder gar hoher Zinsen kaufen sich die Fondsmanager zu etwa einem Drittel des Fondsvermögens in festverzinsliche Anleihen ein. Die regelmäßigen Zinserträge nutzen sie, um Kursverluste bei Aktien auszugleichen.

Garantiefonds, für die ein Ausgabeaufschlag zu zahlen und indirekt auch eine Managementgebühr zu entrichten ist, legen dem Anleger aber auch Fesseln an, etwa in Form einer Laufzeitbegrenzung. So startet ein neu aufgelegter Fonds mit einem Kurs von beispielsweise zehn oder 100 Euro. Nach einer vorab definierten Laufzeit von zumeist fünf Jahren wird mindestens der Ausgabekurs zu 100 Prozent wieder ausgezahlt – wie bei einer festverzinslichen Anleihe. Darin und nur darin besteht die Garantie. Während der Laufzeit kann der Fonds durchaus unter seinen Ausgabepreis sinken. Wer dann verkauft, realisiert Verluste. Der Emittent kauft in aller Regel solche vorzeitig zurückgegebenen Anteile auf und erwirtschaftet spätestens zum Zeitpunkt der regulären Liquidation wieder ein Plus. Außerdem bleiben die meisten Garantiefonds während der Laufzeit geschlossen. Das heißt: Neueinsteiger haben keinen Zutritt mehr. Deren Geld würde die Absicherungen nur aus dem Gleichgewicht bringen. Unter normalen Bedingungen erwirtschaftet ein Aktienfonds am Kapitalmarkt auf Sicht von fünf Jahren unterm Strich einen Zugewinn. Der Fondskurs liegt dann über dem Ausgabepreis. Am realen Renditezuwachs partizipieren die Fondsanleger aber nicht in vollem Maße, sondern nur zu einem gewissen Prozentsatz, oftmals zu 60 Prozent. Die verbleibenden 40 Prozent gehen an den Emittenten. Der beruft sich darauf, dass der Fonds ja ein Garantiefonds ist, der lediglich die Rückzahlung des eingezahlten Kapitals gewährleistet.

Fazit: Der Preis für einen garantierten Schutz vor Kapitalverlust ist hoch. Wer jedoch mit der richtigen Grundeinstellung in Aktien oder Aktienfonds investiert, der weiß, dass das Aktienrisiko am besten mit Zeit auszugleichen ist. Wer mehr als fünf, besser noch zehn Jahre oder gar für den Rest seines Leben Zeit hat und bereit ist, ein Aktieninvestment über alle unvermeidbaren Baissen und Haussen hinweg zu halten, der kann seine Renditen zu 100 Prozent genießen.

Ein geeignetes Anlageinstrument für eine solche Langzeitstrategie wäre ein (einziger) konservativer, international investierender Aktienfonds, der überzeugend beweisen konnte, dass er auch schlechte Zeiten zu meistern versteht. Der Templeton Growth Fund etwa, Klassiker unter den primär werterhaltenden international ausgerichteten Aktienfonds, bietet seit 47 Jahren eine Jahresdurchschnittsrendite von 14,2 Prozent und schloss auch die letzten beiden Baissejahre im Plus. Zeit ist bei dieser Grundeinstellung wieder einmal – nicht nur sprichwörtlich, sondern tatsächlich – Geld.



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