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16.05.13 / 12:00
Heft 10/2013 Leitartikel

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Foto: KZBV-Axentis

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

da bilanziert eine Krankenkasse mit viel Aufwand und mithilfe externer professioneller Kompetenz die zahnmedizinische Versorgung in Deutschland. Das mag manchen überraschen, schließlich ist unser Versorgungs- bereich mit gerade ein-mal sieben Prozent Anteil an den GKV-Ausgaben beileibe kein Blockbuster. Aber erst einmal ist es ja lobenswert eine medizinische Versorgungslandschaft aufzuarbeiten. Anzuerkennen ist auch, dass die Experten ganz wesentlich die Sorgen- bereiche herausarbeiten, die die KZBV seit Längerem schon erkannt hat, abarbeitet und in ihrer Agenda Mundgesundheit besonders herausstellt.

Die Reportautoren haben erkannt, dass es Versorgungsbereiche mit Nachholbedarf gibt, wo alle Beteiligten noch besser werden müssen. Das gilt nicht nur für die zahnmedizinische Versorgung von alten Menschen, Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderung, sondern auch bei Kindern und Jugendlichen. Speziell bei der Versorgung von Kleinkindern unter drei Jahren scheinen sich die Kassen nun den Forderungen der KZBV anzuschließen. Im Moment liegt die Betreuung zwischen null und drei Jahren bei den Ärzten. Es soll hier keine Schuldzuweisungen an die Ärzte geben, aber wir Zahnmediziner können die Betreuung in unserem Bereich naturgemäß besser übernehmen.

Doch machen wir uns nichts vor: der aktuelle Zahnreport Der Barmer GEK ist kein Dank an uns Zahnärzte! Er soll im Wahljahr bekannte und stetig wiedergekäute Forderungen der gesetzlichen Krankenversicherung unterfüttern.

Dennoch sorgte die Barmer GEK einen Tag für Schlagzeilen in unseren Medien: 18 Prozent mehr! Um 18 Prozent mehr seien die Belastungen der Patienten von 2005 bis 2009 für deren Zahnersatzversorgung gestiegen. Skandal! Tatenlos zusehende Politiker. Schluss mit der Abzocke! Krankenkassen müssen ihre Mitglieder vor den Dentalraffkes schützen.

Da wurde deutlich, welchen Zweck der Report erfüllen sollte. Geflissentlich übersah die Kasse, dass diese fulminante Steigerungshöhe ein statistischer „Fehler“ war, den die externen Experten – angeblich mangels ihnen vorliegender, aussagefähiger Alternativzahlen – bewusst begingen. Sie verglichen die Ausgabenentwicklung mit dem Ausreißerjahr 2005 (Vorzieheffekte, Verunsicherung), dem Start unseres ja mittlerweile (fast) überall anerkannten und unumstrittenen Festzuschusssystems. Hätte man das folgende „normaliserte“ Jahr 2006 zum Vergleich genommen, hätte die Steigerungsrate nur kümmerliche drei Prozent betragen. Hätte, hätte, Fahrradkette!

Politisch völlig unbrauchbar! Falsche Zahl mit (aus Kassensicht) richtiger Beißparole ist allemal besser, als richtige Zahl mit zahnlosem Kauen auf der Felge. Verräterisch auch die Position der Barmer, ihr passt nicht der mündige Patient, der eigenverantwortlich und selbstfinanzierend seine Bedürfnisse und Wünsche erfüllt sehen will. Klar, nagt doch diese „schleichende Privatisierung“ am tradierten Machtanspruch der Kassen. Doch Barmer-Vizechef Schlenker verriet sich auf der Pressekonferenz zum Zahnreport: Er geißelte die zunehmende „Premiumbehandlung“ (Schlenker) und ließ damit die Katze aus dem Sack: Kann man schon die eigenen Versicherten in ihrem Anspruchsungehorsam nicht einfangen, dann presst man halt den Behandler.

Man stelle sich vor, die Krankenkassen finanzierten ihren Versicherten, ein „Regelauto“ als Basisversorgung. Da die Versicherten aber lieber zunehmend auf die Premiummodelle umsteigen, liegt das Kassenmodell rostend auf Halde. Also zwingt man die Premiumhersteller zu Preissenkungen und damit zu Abstrichen bei Technik und Ausstattung, ein grauer Markt wäre die Folge. Und die Kassenautos rosteten weiter vor sich hin.

Bei „Premium“ sehen es unsere Patienten offensichtlich wie beim Autokauf: Selbstbestimmung statt Mitbestimmung anderer. Mein Haus, mein Geld, mein Auto – und meine Zahnersatzversorgung.

So einfach ist das!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jürgen Fedderwitz
Vorsitzender der KZBV



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