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16.09.11 / 00:04
Heft 18/2011 Zahnmedizin
Zahnerhaltung

Prophylaktischer Effekt von Zahnpasten mit hoher Fluoridkonzentration

Vor allem Patienten mit schlechter Mundhygiene profitieren von der täglichen Anwendung von Zahnpasten mit hohem Fluoridgehalt.




Der Kariesrückgang in den letzten Jahrzehnten wird vor allem auf die regelmäßige Anwendung fluoridhaltiger Zahnpasten zurückgeführt. Dabei hängt der kariesprophylaktische Effekt einer Zahnpasta neben Faktoren wie Menge, Häufigkeit und Art der Applikation auch von ihrem Fluoridgehalt ab. Der Fluoridanteil von Zahnpasten, die zur täglichen Mundhygiene empfohlen werden, liegt in der Regel zwischen 1 000 und 1 500 ppm. In jüngerer Zeit wurden jedoch auch Zahnpasten mit höherem Fluoridgehalt (bis zu 5 000 ppm) auf den Markt gebracht, die für die tägliche Anwendung geeignet sind. In einer klinischen Studie wurde der kariesprophylaktische Effekt einer solchen hoch dosierten Fluoridzahnpasta bei kariesaktiven Patienten untersucht.

Insgesamt 279 Patienten (146 Jungen und 133 Mädchen) im Alter zwischen 14 und 16 Jahren wurden für die vorliegende Untersuchung aus einem zahnmedizinischen Versorgungszentrums der Stadt Varberg (Schweden) rekrutiert. Dabei wurden nur kariesaktive Patienten mit einem DMFS größer gleich 5 in die Untersuchung aufgenommen. Die Studienteilnehmer wurden gleichmäßig auf zwei Gruppen verteilt. Die Probanden der einen Gruppe erhielten eine Zahnpasta mit 5 000 ppm Natriumfluorid (Duraphat, Colgate-Palmolive AB Danderyd, Schweden) und die Probanden der anderen Gruppe eine natriumfluoridhaltige Zahnpasta (1 450 ppm; Pepsodent Superfluor Lever Fabergé, Stockholm, Schweden) über einen Zeitraum von zwei Jahren. Dabei wurden sie angewiesen, sich die Zähne zweimal täglich mit einem Gramm der jeweiligen Zahnpasta zu putzen. Vor Studienbeginn und nach zwei Jahren wurden die Probanden klinisch und radiologisch auf Karies untersucht. Zudem wurde am Ende der Studie die Compliance der einzelnen Studienteilnehmer mittels Fragebogen evaluiert. Nach Auswertung der Fragebögen wurden sie in Untergruppen mit entweder guter oder schlechter Compliance (= unregelmäßiges Zähneputzen) weiter unterteilt.

Nach zwei Jahren konnte bei den Probanden mit schlechter Compliance eine signifikant geringere Kariesinzidenz (= Anzahl der neu entstandenen Kariesläsionen pro Proband) in der 5 000 ppm NaF-Gruppe festgestellt werden (1,21 ± 1,39) als bei der 1 450 ppm NaF-Gruppe (2,07 ± 1,82). Obwohl nicht statistisch signifikant, zeigte sich diese Tendenz auch bei der Gruppe mit guter Compliance. In beiden Gruppen war die Kariesprogression (= Anzahl der Schmelzläsionen pro Proband, die im Untersuchungszeitraum bis ins Dentin fortgeschritten waren) nach der Anwendung von 5 000 ppm NaF-Zahnpasta signifikant geringer (schlechte Compliance: 1,58 ± 1,79; gute Compliance 1,14 ± 1,33) als nach der Anwendung von 1 450 ppm NaF-Zahnpasta (schlechte Compliance: 2,96 ± 2,47; gute Compliance 1,85 ± 1,90). Insgesamt war der Präventionserfolg durch die Anwendung von 5 000 ppm NaF-Zahnpasta bei den Patienten mit schlechter Compliance am höchsten.

Die Ergebnisse der vorliegenden Studie deuten darauf hin, dass Zähneputzen mit hochdosierten Fluoridzahnpasten bei Patienten mit schlechter Mundhygiene ein wichtiges Hilfsmittel zur Behandlung und Vorbeugung von Karies darstellen kann.

Quelle: Nordström A, Birkhed D. Preventive effect of high-fluoride dentrifice (5,000 ppm) in cariesactive
adolescents: A 2-year clinical trial.
Caries Res 2010;44(3):323-331

ZA Gerd Göstemeyer
Charité-Universitätsmedizin Berlin
CharitéCentrum 3 für Zahn-,
Mund- und Kieferheilkunde
Abteilung für Zahnerhaltungskunde
und Parodontologie
Aßmannshauser Str. 4-6
14197 Berlin
gerd.goestemeyer@charite.de



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