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01.11.06 / 00:13
Heft 21/2006 Politik
Sächsischer Fortbildungstag 2006

Prothetik – konkret und anwendbar

1 000 Zahnärzte trafen sich am 14. Oktober in der Stadthalle Chemnitz. Kammerpräsident Dr. Joachim Lüddecke eröffnete den Sächsischen Fortbildungstag, auf dem ein internationales Referenten-Team das diesjährige Motto „Prothetische Behandlungskonzepte – konkret und anwendbar“ aus verschiedenen Perspektiven beleuchtete.




16 Jahre im Amt, und immer noch richtet Sachsens Kammerpräsident Dr. Joachim Lüddecke den Blick nach vorn: Ein Ziel der Zahnärzte solle es sein, den über 67-jährigen Patienten noch mehr Augenmerk zu schenken. Nicht nur, weil deren Zahl stetig wächst, sondern weil Menschen dieses Alters künftig weiterhin arbeiten und daher voll einsatzfähig bleiben müssen. Denn das Gemeinwesen erfordert eine Verlängerung der Arbeitszeit aufgrund der demographischen Veränderungen sowie der schlechten Ausbildungssituation. „Auch unter diesem Gesichtspunkt ist die Erhaltung oraler Gesundheit zu sehen,“ konstatierte Lüddecke die Notwendigkeit der „tertiären Prävention durch Implantate“ zur Eröffnung des Sächsischen Fortbildungstages. Zu diesem begrüßte er als Referenten unter anderem Professor Jens Türp, Basel/ Schweiz (Die alltägliche Funktionsdiagnostik: Behandlung des „normalen“ Zahnarztpatienten) und Professor Tore Hansson, Uppsala/Schweden (Am Anfang ist die Mandibula: Bestimmung ihrer klinisch korrekten Position), sowie als Festredner Professor Rüdiger Kniep, Max- Planck-Institut Dresden (Der Zahn im Blickpunkt – Nanokomposite aus Apatit und Gelatine).

Ehe jedoch der wissenschaftliche Teil für Zahnärzte und die Vorträge für das Praxisteam begannen, lieferte Dr. Dr. Jürgen Weitkamp eine feurige Replik auf das Grußwort des Parlamentarischen Staatssekretärs Rolf Schwanitz, Bundesministerium für Gesundheit. Letzterer hatte seine Rede begonnen mit dem Wunsch, alle Beteiligten in der Selbstverwaltung mögen doch, statt anscheinend vorrangig aufeinander einzuschlagen, das Motto „Gemeinsam erreichen wir mehr“ beherzigen. Der vierte Entwurf der Gesundheitsreform liege vor – und auch auf diesen hätten Verbände und Medien teilweise schneller kritisch reagiert, als er im eigenen Hause durchgearbeitet worden sei. Dabei bringe der neue, vierte Entwurf klare Verbesserungen. Die Gesundheitsreform erweitere zum Beispiel die Wahlmöglichkeiten bei der Kostenerstattung durch den Patienten; eine Entscheidung sehe vor, die Mindestbindungszeiten komplett zu streichen. Die Liberalisierung des Arztrechts, die die Anstellung der Ärzte ermöglicht, gehe seines Erachtens ebenfalls in die richtige Richtung.

Doch Weitkamp erwiderte, er gehe durchaus d’ accord, dass gemeinsames Handeln besser sei als konfrontatives: „Aber das Gemeinsame setzt voraus, dass die Zahnärzte mit am runden Tisch sitzen und einen Erfolg sehen dürfen.“ Sie hätten in der Tat vier Arbeitsentwürfe erhalten, mit einem Vermerk, dass sie „von oben nicht authorisiert“ seien. Sobald ein Verbandsvertreter sich aber mit Anregungen oder Einwänden an die maßgeblichen Stellen im BMG wenden wollte, verwiesen diese lakonisch auf genau diesen Vermerk mit den Worten, es sei ja noch nichts entschieden. Wenn die in der Selbstverwaltung engagierten Verbände allerdings erst kurz vor der Anhörung die Unterlagen erhalten „dann wissen wir doch, dass es stillos war, von uns zu erwarten, dorthin zu marschieren und etwas zu sagen“, resümierte der BZÄK-Präsident die Lücken im Prozedere und die boykottierte Anhörung.

Die Festzuschüsse gelte es weiter auszudehnen, meinte Weitkamp, und die Kostenerstattung auch dem Zahnarzt als Option einzuräumen, bei der Zulassung die Beschränkung ab dem 68. Lebensjahr aufzuheben. Mit dem Vertagsarztänderungsgesetz hätte das Budget gekippt werden müssen, jetzt aber würde eine unglaubliche Bürokratie auf die betreffenden KZV-Bereiche zukommen. Schärfstens kritisierte der BZÄK-Präsident die Reformpläne, die PKV „auszutrocknen“ und die Systeme zu vermischen: „Für uns ist das nicht hinnehmbar, wir werden alles tun, um das zu verhindern“. Sein Fazit: „Mit jeder Reform, mit der sich der Staat mehr einmischt, wird dieses System ad absurdum geführt.“ Mit unseren Patienten verständigen „wir uns besser als die Politik meint, dies steuern zu müssen. Am besten bleibt die staatliche Einmischung so gering wie möglich, statt so maximal wie möglich“. Die Freiberufler brächten soziales Engagement ein, werde aber diese Freiberuflichkeit in Frage gestellt, „sehe ich schwarz für unsere Patienten und deren Versorgung. Mir hat noch keiner nachweisen können, dass diese Leistungen in irgendeinem anderen System auf der ganzen Welt besser erbracht werden können.“ In England etwa verzichteten 50 Prozent der Patienten auf die Wohltaten des Staates und liessen sich privat behandeln. „Ich bin sicher, dass auch diese Reform einen Nachfolger haben wird, ich fürchte jedoch, dass dieser mit Tabus brechen wird,“ warnte der BZÄK-Präsident.



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