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16.12.07 / 00:14
Heft 24/2007 Politik
Bertelsmann stellt aktuellen Gesundheitsmonitor vor

Qualität braucht Transparenz

Die hohe Qualität des deutschen Gesundheitswesens wird im Schnitt nach wie vor eher bestätigt als angezweifelt. Für ihre Transparenz gilt offenbar das umgekehrte Urteil. Die Bertelsmann Stiftung hat die Notwendigkeit von „Mehr Transparenz über die Qualität der ambulanten medizinischen Versorgung“ in ihrem aktuellen Gesundheitsmonitor unterstrichen.



Foto: CC

Studien über Studien untersuchen die Zufriedenheit der Patienten mit den Versicherungsstrukturen, der Versorgungsqualität oder den Behandlungserfolgen. Auf letztere fokussiert ist der Gesundheitsmonitor mit der Intention, durch forcierte Transparenz über Leistungserfolge auch die ständige Verbesserung praxisindividueller Leistungsgüte zu erzielen: „Ärzte, die bei der Veröffentlichung ihrer Behandlungserfolge schlechter abschneiden als ihre Kollegen, werden bemüht sein, sich zu verbessern – auch um eine Abwanderung von Patienten zu verhindern.“

Die Nachfrage vorab optimal informierter Patienten sei somit auch ein „wichtiges Instrument der Qualitätssicherung“. Von diesem ihrem Ideal sehen die Initiatoren der zugrunde gelegten Studie mit rund 1 574 Befragten den Status quo noch weit entfernt: Wer heute vor der ersten Konsultation wissen wolle, „ob der Mediziner, dem er sich anvertraut, sein Handwerk versteht, ist auf ,Buschfunk’ angewiesen.“ Bei der Befragung hätten Patienten dass legitime Bedürfnis nach jedermann zugänglichen seriösen Information geäußert.

Auf welche Infos die Patienten besonderen Wert legten, mag auf den ersten Blick irritieren. Doch mit dem Wissen im Hinterkopf, dass die fachlichen Leistungen eben im Schnitt durchaus hoch eingeschätzt werden, werden die Prioritäten beim Feintuning durchaus verständlich.

Auf Platz 1 der Unterschiede zwischen einem sehr guten und einem weniger guten Arzt stehen kommunikative und soziale Kompetenzen: Einfühlungsvermögen, Menschenkenntnis. Und „sich Zeit nehmen für den Patienten“, also dass er als Mensch wahrgenommen wird.

„Gesundheit ist ein zu hohes Gut, als dass man die Unterschiede im Leistungsspektrum und in der Qualität der Leistungserbringer als Patient ausschließlich durch Versuch und Irrtum herausfinden möchte",Jaeger, R. in „Informationsanspruch des Patienten – Grenzen der Werbung im Gesundheitswesen“, 2003

Zweiter auf dem Siegertreppchen ist die Fähigkeit, laienverständlich zu erklären. Der Patient will im Behandlungszimmer nicht bloß Informationen sammeln, er will verstehen, was mit ihm geschieht. Erst auf Platz 3 gelangten sowohl Umfang als auch Aktualität des Fachwissens, jedoch relativ unabhängig davon, wie diese Kenntnisse erworben wurden respektive sich in der technischen Ausstattung der Praxis widerspiegeln. Berufserfahrung gilt ebenfalls als Pluspunkt. Bei der Frage, wer über die Qualität von ärztlichen Leistungen informieren sollte, stehen Verbraucherschützer mit 25 Prozent aller Nennungen an der Spitze. Derzeit aber suchen Patienten sich einen neuen Hausarzt meist noch auf den Tipp von Angehörigen, Freunden oder Kollegen hin aus; vorrangig der Rat der Mediziner wiederum hilft vielen bei der Suche nach einem neuen Facharzt, vor Branchenverzeichnissen und Mund-zu-Mund-Propaganda. Wenige Patienten jedoch orientierten sich mithilfe der Verzeichnisse von Kammern und Kassen – teilweise wohl, weil diese Angebote zu wenig bekannt seien.

Auch der Nutzen des internen Qualitätsmanagements der Praxen bleibt den Versicherten meist verborgen, berichten die Autoren der Studie, oder zeige sich ihnen nur indirekt durch reibungsarme Arbeitsabläufe und gutes Terminmanagement.

Nützliche Qualitätskultur publik machen

Qualitätsmerkmale nach außen hin sichtbar zu machen, ist für die Autoren der Studie die eine Forderung, die sich aus dem Monitor ergibt, sie zu vergleichen, eine andere. Die Politik sei in der Pflicht, entsprechende Voraussetzungen und Anreize zu schaffen, damit bei den Akteuren des Gesundheitswesens eine glaubwürdige und für die Patienten nützliche Qualitätskultur entstehe.

Die Auflage des internen Qualitätsmanagements sei ein erster Schritt. Dessen Ergebnisse in verständlicher Form publik zu machen sei der nächste, den der Gemeinsame Bundesausschuss gemäß GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz gehen müsse. Im Herbst schrieb dieser den Auftrag für fachlich unabhängige Institutionen europaweit aus.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung wurde ebenfalls aktiv und will bis Mai 2008 ein Set von Indikatoren vorlegen, das die Leistungsgüte der Vertragsärzte messen können und hinsichtlich Praktikabilität und Honorarkoppelung geprüft werden soll. Gerade der letzte Punkt sei wichtig, betonen die Monitor-Inititatoren, weil auch die Vergütung mit dem kontinuierlichen Erbringen guter Qualität zu verbinden sei.



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