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16.11.08 / 00:14
Heft 22/2008 Politik
49. Bayerischer Zahnärztetag

Risiken richtig managen

Es war Bayerns Sozialministerin Christa Stewens, die das Thema Vergütung und seine „Rolle für das Management in der zahnärztlichen Praxis“ auf dem diesjährigen Zahnärztetag in München (16. bis 18. Oktober) gesondert thematisierte. Die Zahnärzte selbst hatten für ihre Fortbildung eigentlich andere Schwerpunkte gesetzt. „Risikomanagement: Behandlung planen, Qualität sichern“ war diesjähriges Motto des von über 1000 Teilnehmern besuchten Wissenschaftskongresses.



Diskutierten künftige Herausforderungen in der Medizin: BLZK-Präsident Schwarz, BZÄK-Präsident Weitkamp, Apothekerkammerpräsident Krötsch, MdL und VFB Bayern-Präsident Heubisch, und KZBV-Vorsitzender Dr. Fedderwitz (v.l.n.r.). BLZK

Zur Eröffnung des Zahnärztetages – gut eine Woche vor Bekanntgabe des neuen GOZ-Entwurfs – wurde in München selbstverständlich über Politik räsoniert, allerdings eher mit Blick auf die Kabinettsbildung der neuen Landesregierung Bayerns. Über die bevorstehende Ernennung des Zahnarztes Dr. Wolfgang Heubisch zum Wissenschaftsminister wurde ebenso gemunkelt wie über die GOZ gemutmaßt. BZÄK-Präsident Dr. Dr. Jürgen Weitkamp spannte über beides den großen Bogen: Von Bayern erhofft er sich künftig „kräftige liberale Impulse in der Gesundheitspolitik“. Das sei „angesichts zunehmender Tendenz zur Verstaatlichung unseres auf Selbstbestimmung und Freiberuflichkeit basierenden Gesundheitssystems dringend nötig“.

Insbesondere dem PKV-Verband, so Weitkamp in seiner Reaktion auf das gesundheitspolitische Grußwort der Bayerischen Sozialministerin, gehe es mit der Forderung nach einer Öffnungsklausel zwecks Vereinbarung von Einkaufsmodellen „eher um bares Geld als um die Erhöhung von Qualität in der Zahnmedizin“.

Patient Deutschland

Mit Blick auf die schnellen Reaktionen zur internationalen Finanzkrise erinnerte Bayerns Landeszahnärztekammerpräsident Michael Schwarz daran, dass „der Patient Gesundheitswesen Deutschland nicht erst seit gestern erkrankt“ sei. Der „riesengroße Feldversuch“ des Gesundheitsfonds in der GKV werde „ohne Befundanalyse“ gestartet. Und mit der neuen GOZ solle, so Schwarz, „ein großer Teil der Bevölkerung von innovativer Zahnheilkunde ausgeschlossen werden“. Dennoch appellierte Bayerns ZÄK-Präsident an die Vernunft der freien Berufe. Gerade in Zeiten der Krise gelte es, „an einem Strang zu ziehen und die Politik dabei zu unterstützen, richtige Antworten auf neue Herausforderungen zu finden“. Das Themenspektrum des Zahnärztetages, insbesondere die vielfach herausgestellte enge Anbindung von Zahnmedizin und Medizin, verdeutlichte diese Positionen des Berufsstandes.

Ethisch Handeln

Denkanstöße für richtige Lösungsansätze künftiger Aufgaben lieferte auch der Mediziner und Philosoph Prof. Dr. Dr. Eckhard Nagel (Bayreuth) in dem Festvortrag „Mensch sein – Mensch werden“. Es sei Aufgabe von Medizin und Gesellschaft, leidende Patienten „als Mitmenschen, nicht als Vertragspartner“ zu sehen und entsprechend zu behandeln. Nagels Appell: „Das Wohl der Kranken“ gehöre „in den Mittelpunkt“ gesellschaftlichen und medizinischen Denkens und Handelns. Das Bekenntnis des Arztes zum ethischen Handeln erfordere, dass dieser eben nicht als „Dienstleister, sondern Heilender“ agieren müsse. Dieses ethische Selbstverständnis voraussetzend hat Bayerns Landeszahnärztekammer ihren Fortbildungskongress an den Generalthemen Risikomanagement, Behandlungsplanung und Qualitätssicherung ausgerichtet. Christian Berger, BLZK-Vizepräsident und wissenschaftlicher Leiter des Bayerischen Zahnärztetages: „Sowohl für die Qualität der zahnärztlichen Behandlung als auch im Hinblick auf Patientensicherheit gilt es, frühzeitig Risiken und Risikofaktoren zu erfassen, zu bewerten und entsprechend zu steuern.“ Deshalb sei die zahnärztliche Behandlung selbst kein Risiko. Dennoch blieben Herausforderungen: Angesichts jüngerer disziplinübergreifender Erkenntnisse wie dem Zusammenhang von Parodontal- und Allgemeinerkrankungen sei der interdisziplinäre Austausch zwischen Medizin und Zahnmedizin genauso wichtig wie der anderer Fachmediziner untereinander.

Risiken minimieren

Das ausgesuchte Spektrum der Fachvorträge bestätigte die analytischen Betrachtungen: Es reichte von der Darstellung von Patienten mit allgemeinen Risikofaktoren, den Wechselwirkungen zwischen Mund- und Allgemeingesundheit sowie Risiken und Möglichkeiten der Parodontitistherapie über das Risikomanagement im Restgebiss, Kariesdiagnostik und ihr adäquater Therapie bis zur juristischen Erörterung von Risiken, der Darstellung von Werkstoffrisiken oder des Umgangs mit multimorbiden Patienten.



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