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01.12.15 / 00:01
Heft 23/2015 Medizin
Tuberkulose in Deutschland

Risikogruppe Flüchtlinge

Die Tuberkulose ist in Deutschland sehr selten geworden. Betroffen sind vor allem Risikogruppen, dazu gehören auch Flüchtlinge und Migranten. Bei ihnen wird deshalb im Rahmen der Aufnahmeuntersuchung routinemäßig eine Röntgen-Thorax-Aufnahme angefertigt. Generell wird aber zu selten an die Krankheit gedacht, wodurch sich die Diagnose verzögert.




Weltweit erkranken nach Angaben der WHO jährlich zehn Millionen Menschen an der Tuberkulose, 1,5 Millionen sterben jährlich an den Folgen. In Deutschland zeigt die Tuberkuloseepidemiologie seit vielen Jahren eine rückläufige Tendenz. Die Inzidenz liegt zurzeit bei etwa 5,3 Fällen auf 100.000 Einwohner, das heißt, sie hat sich in den vergangenen zehn Jahren halbiert. Doch ist jeder zweite Patient außerhalb Deutschlands geboren.

Insgesamt ist das Tuberkulose-Risiko bei Personen mit Migrationshintergrund um den Faktor fünf höher als bei Einheimischen. In den meisten Herkunftsländern der Flüchtlinge ist die Krankheit sehr viel verbreiteter als in Deutschland. Dazu kommt, dass auf der Flucht das Risiko, sich zu infizieren, sehr viel größer ist. Nach ersten Erhebungen liegt die Rate der bestätigten Tuberkulose-Erkrankungen bei Flüchtlingen bei zwei pro 5.000. Auch gibt es erste Hinweise dafür, dass gerade aus Ländern wie Syrien zunehmend resistente Keime nach Deutschland gelangen.

Neben dem Migrationshintergrund spielen für die Manifestation der Tuberkulose weitere Risikofaktoren eine wichtige Rolle. Dazu gehören die Zugehörigkeit zu einer sozial schwächeren Schicht, das heißt Arbeitslosigkeit und Obdachlosigkeit, Alkohol – und Drogenabhängigkeit, Malignome, ein Diabetes mellitus und eine HIV-Infektion. Hinzu kommt eine Therapie mit Steroiden oder Immunsuppressiva. Auch konnte in Metaanalysen gezeigt werden, dass ein Zusammenhang zwischen einer aktiven oder latenten tuberkulösen Infektion und dem Tabakrauchen besteht.

Entscheidend für den zukünftigen epidemiologischen Verlauf der Tuberkulose ist die Identifizierung der Risikogruppen, die maßgeblich zur Übertragung beitragen. Dazu dienen neue Verfahren, mit denen die Erregerstämme mittels Genanalyse typisiert werden können. Mit einem solchen DNA- Fingerprinting gelingt nach Isolierung und kultureller Anzüchtung der Tuberkelbakterien der Nachweis von gruppenidentischen Stämmen, sogenannten Clustern.



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