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16.07.03 / 00:15
Heft 14/2003 Medizin
Gesunde Ernährung

Salzarme Kost kann ältere Menschen gefährden

Dass salzarme Kost gesund ist, das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Denn es fehlt bislang an wissenschaftlichen Beweisen dafür, dass durch eine Beschränkung der täglichen Salzzufuhr tatsächlich, wie immer wieder zu lesen, der Blutdruck nachhaltig gesenkt oder einem Bluthochdruck sogar vorgebeugt werden könnte.



Im Alter ist eine ausgewogene Kochsalzzufuhr wichtig. Auch für einige Hypertoniker! Foto: PD

„Salz ist somit ein nicht überführter Missetäter“, erklärte Professor Dr. Karl-Ludwig Resch aus Bad Elster beim diesjährigen Internistenkongress. Eine starke Salzrestriktion kann zudem mehr schaden als nutzen, so hieß es in Wiesbaden.

Nur salzsensitive Patienten profitieren von Senkung

Im das Salz ranken sich nach Resch noch viele Mythen. Die vermeintlichen Zusammenhänge zwischen Salzverzehr und Blutdruck stammen aus Beobachtungsstudien und sind wissenschaftlich damit fragwürdig. Obwohl in einer Vielzahl von Interventionsstudien versucht wurde, einen Kausalzusammenhang zwischen Salzverzehr und Blutdruck zu beweisen, konnte doch nie direkt belegt werden, dass eine Salzbeschränkung tatsächlich den Blutdruck senkt. Vielmehr zeigen Studien, dass Hypertoniker auf salzarme Kost recht unterschiedlich reagieren. So sinkt bei einigen Hypertoniker der Blutdruck tatsächlich ab und es wurde das Konzept der Salzsensitivität formuliert. Es wird vermutet, dass es sich bei der Natriumsensitivität um einen genetischen Defekt handelt, dieser ist konkret aber noch nicht bekannt. Bei nicht salzsensitiven Menschen allerdings bleibt der Blutdruck auch unter salzarmer Kost gleich oder er steigt sogar an. Wie gering die Zusammenhänge sind, macht nach Resch eine Metaanalyse von 114 Studien deutlich, die sich mit dieser Frage beschäftigten. Demnach lässt sich bei Hypertonikern durch eine starke Salzrestriktion, die zudem so im Alltag kaum zu realisieren ist, eine Blutdrucksenkung von durchschnittlich 3,9 mmHg systolisch und nur 1,9 mmHg diastolisch erwirken. Noch geringer sind die Auswirkungen bei Normotonikern, bei denen die Reduktion bei 1,2/0,26mmHg lag. Außerdem konnte bislang in keiner einzigen Studie definitiv nachgewiesen werden, dass durch eine Salzbeschränkung tatsächlich eine nachhaltige Blutdruckreduktion zu erzielen ist, die mit einer Prognoseverbesserung einher geht.  

Dagegen wurde in einer klinischen Studie bei 450 Erwachsenen dokumentiert, dass durch gezielte Diätformen und speziell eine fettarme und ballaststoffreiche Kost eine bedeutend größere Beeinflussung des Blutdrucks möglich ist als durch diverse Regime der Kochsalzrestriktion.  

Beim Thema salzarme Kost ist nach Resch ferner zu bedenken, dass die derzeitigen Verzehrsgewohnheiten dem relativ nahe kommen, was die deutsche Gesellschaft für Ernährung rät. Diese propagiert nämlich einen mittleren täglichen Verzehr von sechs Gramm. Tatsächlich dürften in Deutschland sieben bis acht Gramm täglich verzehrt werden. Oft aber sind nach Resch weit höhere Zahlen zu lesen. Sie basieren auf alten Untersuchungen, die sich lediglich auf Befragen stützten. Analysiert man den Salzkonsum anhand von der Natriumausscheidung mit dem Urin, so wird deutlich, dass in den alten Studien der Kochsalzverzehr hier zu Lande weit überschätzt wurde. Besonders wichtig ist eine ausreichende Kochsalzzufuhr bei älteren Menschen. Denn bei ihnen kommt es zu erheblichen physiologischen Veränderungen, die in besonderem Maße den Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt betreffen. Ältere Menschen trinken zudem meist wenig und es kann zu besonderen Belastungen und Füssigkeitsverlusten kommen bei Erkrankungen wie etwa Nierenerkrankungen.

Auf ausreichende Kochsalzversorgung achten

Da ältere Menschen oft multimorbide sind, müssen sie meist mehrere Arzneimittel einnehmen, die ihrerseits, zum Beispiel die Diuretika, Flüssigkeitsverluste provozieren können. Salzarme Kost verschärft die Probleme und das per se schon labile Gleichgewicht gerät oft ganz aus den Fugen, wenn es durch ungewohnte körperliche Aktivitäten oder sommerliche Temperaturen zu vermehrtem Schwitzen kommt oder wenn ältere Menschen eine Diarrhoe entwickeln. „Es bildet sich normalerweise eine Art Status quo aus, der unter solchen Bedingungen leicht entgleisen kann“, berichtete Professor Dr. Ingo Füsgen aus Velbert. Treten Symptome des Natriummangels auf, wie Muskelschwäche, Mattigkeit, Gangunsicherheiten und eine erhöhte Fallneigung, so werden diese meist fehlgedeutet und fälschlicherweise dem Altern zugeschrieben.  

Neuere Untersuchungen zeigen laut Professor Resch außerdem, dass eine Einschränkung der Salzaufnahme immer mit einer Blutvolumenabnahme verbunden ist und dass zudem eine kochsalzarme Kost ungünstige metabolische Veränderungen induzieren und so das kardiovaskuläre Risiko negativ beeinflussen kann: „Es kommt vor allem zu ungünstigen Veränderungen im Fettund auch im Zuckerhaushalt“.  

Christine Vetter
Merkenicher Str. 224
50735 Köln



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