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16.02.08 / 00:15
Heft 04/2008 Medizin
Restless Legs

Schlaflos durch das Syndrom der unruhigen Beine

Wer regelmäßig unter Schlafstörungen leidet, muss an die Möglichkeit eines Restless-Legs-Syndroms (RLS) als Ursache denken. Das „Syndrom der unruhigen Beine“ ist viel weiter verbreitet als allgemein bekannt, es wird aber häufig fehldiagnostiziert.



Zu warm, unruhig, Kribbeln: Restless Legs. Dagegen kann man etwas tun. Foto: dpa

Unruhige Beine und das Gefühl, sich unbedingt bewegen zu müssen, Schmerzen und allgemeine Missempfindungen in den Extremitäten, das sind die wichtigsten Charakteristika des sogenannten Restless- Legs-Syndroms. Es handelt sich dabei um eine chronisch progredient verlaufende neurologische Erkrankung, die allerdings als solche oft nicht erkannt wird. Dabei ist das RLS einfach zu diagnostizieren.

Vier Fragen reichen dazu aus, da vier einfache Minimalkriterien der Erkrankung definiert sind: Neben den Missempfindungen und dem starken Bewegungsdrang in den Beinen kommt hinzu, dass die Beschwerden unter Ruhe auftreten und sich abends oder nachts verstärken und dass sie sich durch Bewegung verbessern. „Sind diese vier Symptome gegeben, so besteht an der Diagnose RLS in aller Regel kein Zweifel mehr“, erklärte Professor Dr. Birgit Högl aus Innsbruck beim 11. Kongress der Vereinigung der Neurologischen Gesellschaften (EFNS) in Brüssel.

Häufig fehldiagnostiziert

Dass es dennoch häufig zu Fehldiagnosen kommt, liegt nach ihren Worten daran, dass die meisten Betroffenen nicht zum Arzt gehen und über unruhige Beine klagen. Sie werden vielmehr mit den Folgen der Erkrankung vorstellig, also mit Schlafstörungen, die sich vor allem als Einschlafstörung manifestieren. RLS-Patienten können nicht zur Ruhe kommen, da genau dann die Missempfindungen und der Bewegungsdrang auftreten, was massive Einschlafstörungen nach sich zieht. Viele Betroffene werden zudem nachts immer wieder mit einem unbezwingbaren Bewegungsdrang wach und müssen herumlaufen, ehe sie wieder für kurze Zeit Ruhe finden. „Die Befindlichkeit am Tage ist entsprechend gestört, es kommt zur Tagesmüdigkeit, zu Konzentrationsstörungen, Leistungseinbußen und zur Reizbarkeit und Nervosität“, berichtete die Neurologin.

Drei Prozent der Bevölkerung leiden daran

Rund drei Prozent der Bevölkerung zwischen 30 und 70 Jahren leiden aktuell unter einem Restless-Legs-Syndrom, erläuterte in Brüssel Privatdozentin Dr. Juliane Winkelmann aus München. Die Störung tritt oft schon im Kindes- und Jugendalter auf, wird dann aber nicht diagnostiziert. Die Kinder gelten vielmehr als unruhig, und es fällt auf, dass sie vor allem ihre Beine nicht ruhig halten können. Im Verlaufe des späteren Lebens kommt es dann zunehmend zu Beeinträchtigungen, bis sich schließlich das Vollbild eines RLS ausbildet, das dennoch oft als vermeintliche Schlafstörung verkannt wird. Die Störung ist zudem mehr oder weniger stark ausgeprägt, was laut Winkelmann erklärt, warum das RLS mit einer Lebenszeit- Prävalenz von zehn Prozent einerseits relativ häufig, andererseits aber in der Öffentlichkeit noch weitgehend unbekannt ist.

Gute Behandlungserfolge

Die Erkrankung entsteht nach Angaben der Neurologin auf einem genetischen Hintergrund, wobei inzwischen drei Genorte bekannt sind, die mit dem RLS assoziiert sind. Dieses tritt entsprechend familiär gehäuft auf. Ist die Erkrankung ausgeprägt, so geht sie laut Winkelmann mit einem erheblichen Leidensdruck der Betroffenen einher und hat zudem hohe sozioökonomische Konsequenzen. „Das RLS wird von den Patienten zum Teil als ebenso belastend empfunden wie ein Typ 2-Diabetes, eine Osteoarthritis oder eine Depression“, betonte Winkelmann in Brüssel.

Hohe Komorbidität

Es besteht neben den chronischen Schlafstörungen zudem eine hohe Komorbidität, vor allem im psychiatrischen Bereich: So leiden 4,7 Prozent der RLS-Patienten zugleich unter Panikattacken, 3,5 Prozent entwickeln eine generalisierte Angst und 2,6 Prozent haben Depressionen.

Das RLS-Syndrom ist nach Högl gut zu behandeln. Die Erkrankung beruht auf einer Störung des Dopamin-Stoffwechsels im Gehirn und die Symptome lassen sich in aller Regel durch die Einnahme eines Dopaminantagonisten bessern oder sogar völlig zum Verschwinden bringen. „Die Therapie ist so effektiv, dass wir die Diagnose überdenken müssen, wenn sich unter der Medikation kein Erfolg einstellen sollte“, betonte die Neurologin in Brüssel.

Christine Vetter
Merkenicher Straße 224
50735 Köln



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