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01.06.17 / 00:01
Heft 11/2017 Gesellschaft
30 Jahre HDZ

Segensreich und nachhaltig

Ob akute Nothilfe oder nachhaltige partnerschaftliche Zusammenarbeit – die Stiftung Hilfswerk Deutscher Zahnärzte für Lepra- und Notgebiete (HDZ) verteilt seit 30 Jahren sorgfältig Sach- und Geldspenden aus Altgolderlösen von Deutschlands Zahnarztpraxen. Beim Festakt zum Jubiläum in Berlin trafen sich Freunde des Hilfswerks aus dem Berufsstand, der Politik und karitativen Verbänden.




Es gibt viele Geschichten, die durch die Arbeit des HDZ mitgeschrieben wurden. An die von Francis Van Hoi erinnerte D.M.D./Univ. of Florida Henner Bunke, Präsident der Zahnärztekammer Niedersachsen, auf dem HDZ-Festakt in Berlin: Als ältestes von neun Geschwistern wuchs Van Hoi in ärmlichen Verhältnissen in Vietnam auf. Mitte der 70er-Jahre verließ er sein Land aus Verzweiflung. Mit den „Boat People“ unternahm der damals 23-Jährige die lebensgefährliche Seereise nach Thailand. Alle an Bord überlebten nur deshalb, weil er die Bootsplanken verbrannte und das Seewasser abkochte. Van Hoi schaffte es schließlich bis ins weit entfernte Deutschland. Hier fing er als Tellerwäscher an und brachte es bis zum renommierten Koch. Die Unterstützung, die er in Deutschland erfuhr, wollte er seinem Land zurückgeben. 2014 eröffnete er – maßgeblich unterstützt durch das HDZ – in Ho-Chi-Minh-Stadt sein „Lebensprojekt“ – eine Gastronomieschule. Benachteiligte Jugendliche erhalten dort eine Ausbildung und mit dem wertvollen Abschluss eine echte Chance auf Arbeit. Als „segensreich und nachhaltig“ bezeichnete Bunke das Engagement des HDZ mit Blick auf Van Hois Schicksal.

Helfer hinter den Kulissen

Mit der Verdienstmedaille der Niedersächsischen Zahnärzteschaft zeichnete Bunke dann zwei Männer aus, die schon lange hinter den Kulissen des HDZ tätig sind: Den Zahnarzt Volker Langheim, früher Mitglied im leitenden Ausschuss und in der Kammerversammlung von Niedersachsen, und den KFZ-Meister Bernd Jünke. Langheim prüft und wiegt seit 2005 die Altgoldspenden im Göttinger HDZ-Lager und bereitet auch die Spendenbescheinigungen vor. Jünke machte vor 20 Jahren ein Arbeitsunfall zum Frührentner. Als über 70-Jähriger ist er nach wie vor als Senior Experte besonders in Afrika für das HDZ im Einsatz, wo er junge Menschen in technischen und handwerklichen Bereichen ausbildet. Kürzlich richtete er zum Beispile in Burkina Faso und auf Madagaskar eine HDZ-Zahnstation ein.

Als Festredner dankte der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Dr. Rudolf Seiters, dem HDZ für eine großzügige Spende: 35.000 Euro hatten Patienten über die Zahnarztpraxen an das HDZ für ein Jubiläumsprojekt mit dem Deutschen Roten Kreuz weitergeleitet, das den Bau einer Gesundheitsstation in Kolumbien fördern soll. Die Zahnärzteschaft unterstütze das DRK großzügig nach Naturkatastrophen, in bewaffneten Konflikten, aber auch im Rahmen der Flüchtlingshilfe, betonte Seiters – und diese Hilfe sei auch nötig: So werde die geplante Station dringend gebraucht, weil die Kolumbianer trotz Unterzeichnung des Friedensvertrags zwischen den FARC-Rebellen und der Regierung weiter auf (zahn-)medizinische Hilfe angewiesen seien.

Immer noch litten in dem südamerikanischen Land sechs Millionen Binnenvertriebene an den Folgen des bewaffneten Konflikts, berichte der Minister a. D. Und stellte klar, dass seine Organisation die vielen Krisen nur mit starken Partnern wie dem HDZ meistern könne.

Als Vetreter der Kirche dankte S. E. Bischof Eugen Schönberger von der Diözese Satu Mare in Rumänien dem bisherigen HDZ-Vorsteher Dr. Klaus Winter und dem ganzen Verein sehr herzlich für die Errichtung der Sozialstation für Roma-Kinder und die Pflege der Station. Der Zahnarzt Dr. Klaus Sürmann, Winters Nachfolger, fand wiederum warme Worte für den Bischof. Er sei ein guter Freund des Hilfswerks und spende den Menschen vor Ort als Leiter der rhömisch-katholischen Kirche stetig Trost. „Krisen, Naturkatastrophen und humanitäre Notlagen gehen uns alle an!“, betonte schließlich BZÄK-Präsident Dr. Peter Engel. Gesellschaftliche  Verantwortung zu übernehmen sei ein wesentliches Bestandteil der Zahnmediziner als Heilberufler.

Auf ein Spendensiegel verzichtet das HDZ seit einiger Zeit aus Kostengründen. So müsste ein Geschäftsführender Vorstand neu installiert werden und mindestens alle vier Wochen tagen, um das Siegel zu erhalten. Die 12.000 Euro Zusatzkosten investiert das HDZ lieber in sinnvolle Projekte. Wie in die HDZ-Zahnstation auf dem Gelände des Lycée Schorge, einem Gymnasium in Burkina Faso, eines der ärmsten Länder der Welt.



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