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16.03.13 / 12:40
Heft 06/2013 Gesellschaft
DAK-Gesundheitsreport 2013

Selten ausgebrannt

Die Krankschreibungen aufgrund psychischer Erkrankungen haben 2012 einen Höhepunkt erreicht, zeigt der aktuelle Gesundheitsreport der Krankenkasse DAK. Burn-out kommt dabei entgegen der öffentlichen Wahrnehmung nur selten vor. Ein viel größeres Problem sind Depressionen.



Burn-out ist kein Massenphänomen, stellt der Gesundheitsreport fest. Er spielt für Krankschreibungen nur eine kleine Rolle. Foto: F1 online

Zwischen 1997 und 2012 haben sich die Fehltage durch Depressionen und andere psychische Leiden um 165 Prozent erhöht. Zu diesem Ergebnis kommt die Auswertung von 2,7 Millionen Krankschreibungen von DAK-Versicherten. Psycho-Krankheiten liegen heute nach Muskel- und Skeletterkrankungen auf Platz zwei aller Ausfalltage. Meldete sich 1997 nur jeder 50. Erwerbstätige wegen psychischer Probleme krank, war es 2012 schon jeder 22. Frauen sind dabei doppelt so oft betroffen wie Männer. Auch die Zahl psychologischer Behandlungen steigt. Waren 2004 noch 15 Prozent der Beschäftigten aktuell oder in der Vergangenheit in Behandlung, waren es 2012 knapp 29 Prozent.

Laut DAK-Chef Herbert Rebscher hätten sich aber eher das Bewusstsein und die Sensibilität von Ärzten und Patienten den psychischen Krankheiten gegenüber verändert, als dass die Verbreitung so stark zugenommen hätte. Erwiesen sei, dass psychische Störungen seit Jahrzehnten in der Bevölkerung auf einem relativ konstanten Niveau lägen, sagte Rebscher bei der Vorstellung des Berichts in Berlin. Beschäftigte würden heute mit einem psychischen Leiden krankgeschrieben, früher dagegen mit Diagnosen wie chronische Rückenschmerzen oder Magenbeschwerden.

Nach Meinung von Prof. Frank Jacobi von der Psychologischen Hochschule Berlin hat es eine diagnostische Verschiebung bei nahezu gleichbleibendem Krankenstand gegeben. Die starke Zunahme psychischer Erkrankungen hänge auch mit dem wachsenden Leistungsdruck der Arbeitnehmer zusammen. In den Unternehmen gebe es „weniger Nischen für weniger Leistungsfähige als früher“. Zudem verschärften prekäre und kurzfristige Beschäftigungsverhältnisse psychische Belastungen.

Burn-out als Risikozustand

Der Burn-out spielte bei den Krankschreibungen nur eine untergeordnete Rolle. Nur jeder 500. Mann und jede 330. Frau fehlte deswegen im Job. „Es gibt offensichtlich kein Massenphänomen Burn-out“, erklärte der DAK-Chef. „Burn-out ist eine Art Risikozustand und keine Krankheit.“ Gerade in der Öffentlichkeit hat das Thema Burn-out in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit erhalten. Zum Vergleich: 2004 wurde die Diagnose noch so gut wie gar nicht auf den Krankschreibungen vermerkt.

Depressionen verursachen weitaus mehr Fehltage als Burn-out. Der Begriff sei aber durch die Berichterstattung in den Medien positiver besetzt und sozial akzeptierter als eine Depression, sagte Rebscher. Burn-out-Betroffene hätten in der öffentlichen Wahrnehmung meist sehr engagiert gearbeitet und seien dadurch „ausgebrannt“. Während Burn-out für zehn Ausfalltage pro 100 Erwerbstätige verantwortlich ist, verursachen Depressionen mit 85 Fehltagen mehr als achtmal so viele Ausfalltage. Depressionen sind also das weitaus größere psychische Problem unter Arbeitnehmern. Sie allein machen einen Anteil von 42 Prozent an allen Fehltagen aufgrund psychischer Erkrankungen aus.

Diese treten laut Report überdurchschnittlich häufig im Gesundheitswesen und im öffentlichen Dienst auf. Je 100 Beschäftigte im Gesundheitswesen kam es 2012 deswegen zu gut 300 Fehltagen, in der öffentichen Verwaltung zu 269 Ausfalltagen. Der Durchschnitt über alle Branchen liegt bei 204. Trotz einer zunehmenden Anerkennung bleiben psychische Probleme ein Stigma für Arbeitnehmer. Das Verständnis von Mitarbeitern und Kollegen ist wenig ausgeprägt. „Hier besteht dringender Handlungsbedarf für Betriebe und betroffene Mitarbeiter, das Thema mehr als bisher aus der Tabuzone herauszuholen“, findet Rebscher.

Der DAK-Chef fordert angesichts der hohen Zahl an Krankmeldungen wegen Psycho-Problemen eine verbesserte Behandlung. „Längst nicht jede Diagnosestellung ist automatisch mit der Einleitung einer passgenauen Therapie verbunden.“



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