sg
16.11.15 / 00:02
Heft 22/2015 Praxis
Überziehungskredite

So begegnen Sie hohen Zinsen

Kaum eine Interessenvertretung, die das Thema der Zinsen für Überziehungskredite auf dem Praxiskonto nicht aufgreift: Verbraucherverbände, Politik und Presse nehmen sich dieser Problematik zum Teil mit einer Vehemenz an, dass den Bankinstituten eigentlich Angst und Bange werden müsste. Da der Gesetzgeber aber nicht wirklich eingreift, muss jeder selbst tätig werden.



Unkontrollierte Kontobewegungen, wenig werthaltige Kreditsicherheiten oder fehlende Bankinformationen – verschiedene Bausteine können zur Überziehung des Kreditlimits führen. © Michael Tieck - Fotolia.com

Je nach Kreditwürdigkeit zahlen Zahnärzte nach wie vor häufig zweistellige Zinssätze bei der Vergabe eines Kredits – sowie gegebenenfalls Überziehungszinsen von zusätzlich bis zu sechs Prozent pro Jahr. Es ist für die Bankbranche in der Tat schwierig, dieses Zinsniveau – sachgerecht – zu begründen. Refinanzierungskosten von teilweise weniger als einem Prozent „diskreditieren“ entsprechende Erklärungsversuche meist ebenso wie der wiederkehrende Hinweis auf die weitgehend komplikationslose Nutzung dieser Kreditform, die ja „eigentlich“ ausschließlich kurzfristigen Charakter besitzen sollte.

Auch die grundsätzlich bestehende Verpflichtung der Bankinstitute, die Reduzierung der eigenen Refinanzierungskosten an die Kunden weiterzugeben, hilft offenbar kaum. Hinzu kommt, dass vielen Kunden, ob private Anleger oder Verantwortliche in Zahnarztpraxen, die offensichtliche Diskrepanz zwischen den Einlagenzinssätzen und den Konditionen für Kredite zu hoch erscheint. Auch dieser Gesichtspunkt trägt nicht gerade zu einer verantwortungsbewussten Aufarbeitung des Themas bei.

Was man in der Praxis selbst verbessern kann

Was bleibt, sind Eigeninitiative und Disziplin der Zahnärzte – beides Möglichkeiten, die Zinsen zu reduzieren. So sollten Sie regelmäßig prüfen, ob der Überziehungskredit auch tatsächlich nahezu ausschließlich für kurzfristige finanzielle Transaktionen oder nicht doch für mittel- und langfristige Kontobewegungen genutzt wird. So ist gegen Zahlungen, die beispielsweise der Vorfinanzierung der Praxisausstattung oder der Erweiterung des Praxisgebäudes dienen, vom Grundsatz her nichts einzuwenden. Wichtig ist jedoch stets, dass die endgültige Finanzierung mit einem entsprechend preiswerten Darlehen möglichst schnell folgt.

Nach wie vor sieht die Wirklichkeit häufig anders aus, wenn sich „Überbrückungsfinanzierungen“ über mehrere Monate hinziehen und weder die Bank noch der Zahnarzt als Kunde ernsthaft daran arbeiten, diese Situation in den Griff zu bekommen. Hier ist seitens der jeweiligen Praxis eine strenge Kostenkontrolle erforderlich – konsequent und kurzfristig. Zur Verdeutlichung: Darlehen – eine akzeptable Bonität des Zahnarztes vorausgesetzt – sind für derzeit je nach Laufzeit zwischen zwei und vier Prozent Zinsen pro Jahr zu haben. Bei einem Investitionsvolumen von beispielsweise 30.000 Euro und einer kurzfristigen Umschuldung vom teuren Überziehungskredit in ein solches Darlehen können weitgehend problemlos durchaus rund sieben Prozent Zinsen pro Jahr gespart werden (= 2.100 Euro).



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