sg
01.11.15 / 00:02
Heft 21/2015 Titel
Reine Zahnarzt-MVZ jetzt möglich

So bewertet die KZBV die neue Rechtslage

Mit dem kürzlich in Kraft getretenen GKV-Versorgungsstärkungsgesetz (GKV-VSG) wurde die Gründung arztgruppengleicher und somit auch rein zahnärztlicher Medizinischer Versorgungszentren (MVZ) ermöglicht. Nachdem bereits in der ZM-Ausgabe Nr. 19/2015 hierüber berichtet wurde, bewertet nun der Vorstandsvorsitzende der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, Dr.Wolfgang Eßer, im Interview mit der ZM-Redaktion diese neue Versorgungsform aus Sicht der KZBV.




Nachdem bereits in der ZM-Ausgabe Nr. 19/2015 hierüber berichtet wurde, bewertet nun der Vorstandsvorsitzende der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, Dr.Wolfgang Eßer, im Interview mit der ZM-Redaktion diese neue Versorgungsform aus Sicht der KZBV.

zm: Herr Dr. Eßer, durch die Streichung des Wortes „fachübergreifend“ in § 95 SGB V hat der Gesetzgeber nun den Weg für die Gründung rein zahnärztlicher MVZ freigemacht. Was hat den Gesetzgeber dazu bewogen?

Dr. Eßer: Das ist uns, ehrlich gesagt, auch nicht so richtig klar. Wir waren darüber eher verwundert. Denn bei der damaligen Einführung der MVZ war Leitgedanke ja die Schaffung einer Versorgungsform, die insbesondere eine arztgruppenübergreifende, aufeinander abgestimmte Versorgung „aus einer Hand“, also unter einem Dach und ohne lange Wege von einem Arzt zum anderen, ermöglichen sollte. Dieser für die MVZ charakteristische Aspekt spielt aber bei den nunmehr ebenfalls möglichen arztgruppengleichen MVZ erkennbar überhaupt keine Rolle. Stattdessen schafft man hiermit eine Kooperationsform zwischen Zahnärzten, die neben die bisher schon möglichen Praxisformen wie insbesondere die Berufsausübungsgemeinschaft (ehemals: Gemeinschaftspraxis) tritt und sich von diesen hinsichtlich der der Versorgung respektive dem Leistungsspektrum nicht wesentlich unterscheidet. Wozu?

Da das Gesetz „Versorgungsstärkungsgesetz“ heißt, könnte man ja annehmen, dass hierdurch die ärztliche oder zahnärztliche Versorgung gestärkt werden soll, beispielsweise in ländlichen Gebieten mit geringer Arzt- oder Zahnarztdichte?

Da habe ich meine Zweifel. Mal losgelöst von der Frage, ob es eine zahnärztliche Unterversorgung im ländlichen Raum überhaupt gibt: Warum sollte sich ein MVZ dort niederlassen, wenn es eine normale Praxis auch nicht tut, etwa weil das Patientenaufkommen zu gering erscheint oder das Leben auf dem „flachen Land“ als nicht attraktiv genug empfunden wird. Allenfalls bei den nunmehr ebenfalls ermöglichten MVZ in kommunaler Trägerschaft kommt das in Betracht, aber ob die notorisch klammen Kommunen tatsächlich zu diesem Mittel greifen werden, sei noch dahingestellt. Tendenziell jedenfalls wird der Trend eher genau gegenteilig sein: Je größer und kapitalintensiver ein MVZ ist, desto eher wird es sich dort ansiedeln, wo eine Vielzahl potenzieller Patienten sitzt, also in den Ballungsräumen, wo es nun mit Sicherheit keinerlei Versorgungsdefizite gibt.

Und insbesondere dort treten die MVZ dann in Konkurrenz zu bereits niedergelassenen Zahnarztpraxen. Sehen Sie damit Gefahren verbunden?

Grundsätzlich sehen wir das zunächst einmal einigermaßen entspannt. Vor Konkurrenz gefeit ist der Zahnarzt ja auch bei der Niederlassung einer neuen Praxis in seiner Nähe nicht. Probleme sähe ich allerdings dann, wenn zahnärztliche MVZ gegenüber den niedergelassenen Zahnarztpraxen über massive Wettbewerbsvorteile verfügen würden, beispielsweise wegen des vermeintlichen Fehlens der Grenzen für die Anstellung von Zahnärzten, wie sie für Praxen bestehen. Derartige Wettbewerbsvorteile könnten auf Dauer zulasten der niedergelassenen Praxen und zulasten der Versorgung gehen.



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