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16.11.15 / 00:01
Heft 22/2015 Gesellschaft
Unterstützung für Flüchtlinge

So hilft Dr. Yasmin Mokhtari

Eine Behandlung, ein Schicksal, eine Einladung. Auf dem Stuhl ein syrisches Ehepaar mit Kind, doch die defekten Zähne waren das kleinere Problem. Ein anderer Zweig der Familie war gerade nach Eutin geflüchtet und brauchte eine Wohnung. Mokhtari hatte Platz, man kam ins Gespräch, ein paar Kekse – dann zog die Familie ein.




„Refugees welcome“ – bei Dr. Yasmin Mokhtari folgen aus diesem Bekenntnis konkrete Hilfsbereitschaft und Engagement: „Mein Mann und ich helfen intensiv bei der Integration. So haben wir für einen schulpflichtigen Jungen einen Praktikumsplatz in der Pflege organisieren können. Der Schwiegersohn, der in Syrien Lehrer war, konnte einen Job in einem Party-Service in der Küche durch unsere Vermittlung bekommen. Briefe von den Ämtern werden durch uns übersetzt. Wir erklären [den Sachverhalt, Anm. der Redaktion] in einfachem Deutsch, in Englisch oder nehmen als letzte Hilfe das Übersetzungsprogramm des Handys. Mein Mann begleitet und fährt [die Flüchtlinge] auch zu Ärzten oder ins Krankenhaus.“

Seit November 2014 beherbergen Mokhtari und ihr Mann Sönke Mokhtari-Hoffmann in ihrer Ferienwohnung zudem eine syrische Familie. Wie es dazu kam? Eine junge, syrische Frau war mit Mann und Kind in Behandlung – und erzählte Mokhtari ihre Geschichte: Sie wollte gerne ihren Vater und ihre jüngere Schwester aus Thüringen nachholen, doch stand in Eutin keine Wohnung zu Verfügung. „Wir haben ihnen dann unsere Ferienwohnung angeboten“, sagt Mokhtari-Hoffmann. Damit war die Familie aber noch immer nicht vereint. „Die Mutter und die anderen sechs Geschwister saßen noch in der deutschen Botschaft im Libanon fest“, erzählt der 60-Jährige. Die Eutiner überlegten nicht lange und sorgten für die Familienzusammenführung.

Da der syrische Familienvater jetzt eine feste Adresse hatte, durfte seine Familie legal nach Deutschland ausreisen. Acht Personen, darunter ein Junge mit Behinderung, leben nun seit Januar in der 70-Quadratmeter-Kellerwohnung. „Die Wohnsituation ist natürlich viel zu beengend“, beschreibt die Zahnärztin das Zusammenleben. „Wir suchen seit Langem nach einer größeren, bezahlbaren Wohnung für die achtköpfige Familie. Die Suche gestaltet sich aber schwierig, weil es zum Beispiel keine Möglichkeit der Schufa-Auskunft gibt und Forderungen der Vermieter oft nicht erfüllt werden können. Fest steht aber für uns, dass im Fall eines Umzugs unserer jetzigen Untermieter die Ferienwohnung wieder an eine Flüchtlingsfamilie vermietet werden soll. Optimal wären dann drei bis vier Personen.“



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