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15.05.15 / 00:02
Heft 10/2015 Politik
Modellprojekt zur Arzt-Patienten-Kommunikation

Sprechen heilt

Laut Studien des AOK-Bundesverbands verstehen 25 Prozent aller Deutschen ihren behandelnden Arzt nicht. Treffen verschiedene Sprachen, Kulturen und Religionen aufeinander, gestaltet sich die Verständigung besonders schwierig. Ein fünfjähriges Modellprojekt zur „Empathisch-Interkulturellen Arzt-Patienten-Kommunikation“ (EI-AP-K) in Nordrhein-Westfalen soll hier Abhilfe schaffen.



Kommunikation ist eine der wichtigsten Grundlagen für einen effektiven Genesungsprozess. In dem fünfjährigen Modellprojekt zur „Empathisch-Interkulturellen Arzt-Patienten-Kommunikation“ lernen die ausländischen Teilnehmer, wie es geht. aliasching - Fotolia

Seit Jahrzehnten stellen ausländische Ärzte gemeinsam mit ihren deutschen Kollegen in Krankenhäusern, Praxen, Medizinischen Versorgungszentren sowie im öffentlichen Gesundheitswesen die Versorgung der Patienten sicher. Doch die zunehmende Beschäftigung von Medizinern aus dem Ausland führt trotz fachlich hervorragender Qualifizierung mitunter zu erheblichen Problemen – insbesondere dann, wenn die allgemeinen sprachlichen Voraussetzungen und die fachbezogenen Deutschkenntnisse unzureichend sind.

Denn eine gute zwischenmenschliche Kommunikation und das Verständnis für die jeweiligen kulturellen Hintergründe sowie Empathie sind im Arzt-Patienten-Verhältnis Grundlage für die optimale Behandlung und eine vertrauensvolle Versorgung. Sprachliche Defizite können zudem die kollegialen Beziehungen belasten und die qualifizierte ärztliche Weiterbildung der Ärzte aus dem Ausland erschweren.

Kommunikation zwischen ausländischen Ärzten, Pflegern und Patienten stärken

Das fünfjährige Modellprojekt „Empathisch-Interkulturelle Arzt-Patienten-Kommunikation“ (EI-AP-K) in Nordrhein-Westfalen (NRW) will dieses Problem an der Wurzel packen und die Kommunikation zwischen ausländischen Ärzten, Pflegenden und Patienten fördern. Dabei sollen auch Ärzte zu Dozenten für „empathisch-interkulturelle Kommunikation“ ausgebildet werden, um dann an anderen Kliniken in NRW zu lehren. Denn allein in NRW hat sich die Zahl ausländischer Ärzte in den vergangenen zehn Jahren auf fast 9 000 verdoppelt. Der Mangel an ärztlichen und pflegerischen Kräften in Deutschland führt zudem dazu, dass die Zahl von Fachkräften aus dem Ausland in der Versorgung voraussichtlich bundesweit weiter steigen wird.

Realisiert wird das Projekt am Universitätsklinikum Essen (UK Essen) in Zusammenarbeit mit den akademischen Lehrkrankenhäusern „Stiftung Krankenhaus Bethanien“ in Moers sowie dem „Alfried Krupp Krankenhaus“ in Essen. Das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter (MGEPA) des Landes fördert die geplante Lehrplanentwicklung mit rund einer Million Euro. Das EI-AP-K-Modell setzt sich aus vier Säulen zusammen. Die erste Säule startete bereits im Sommer vergangenen Jahres und umfasst eine ein Jahr dauernde berufsbegleitende sprachliche (Nach-)Qualifizierung von ausländischen Ärzten in den beteiligten Kliniken. Hierbei lernen die Teilnehmer in wöchentlichen Schulungen, wie eine patientengerechte Kommunikation in den einzelnen Fachgebieten in Theorie und Praxis funktioniert.



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