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16.09.07 / 00:10
Heft 18/2007 Praxis
Sicherheit fürs Depot – trotz der Finanzmarktkrise

Sprengsätze entschärfen!

Die faulen Kredite der Amerikaner versetzen die internationale Finanzwelt in Panik. Es herrscht Misstrauen unter den Banken. Private Anleger wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen, weil ihnen derzeit niemand genaue Auskünfte geben kann. Da heißt es, Ruhe bewahren und das eigene Depot absichern.




Die Lage auf den Finanzmärkten ist derzeit (Stand: 20. August 2007) unübersichtlich, weil noch niemand die tatsächlichen Risiken, die die Banken weltweit eingegangen sind, wirklich abschätzen kann.

Zu den verbrieften amerikanischen Hypothekenkrediten, von denen sich die Geldhäuser einen schnellen Profit versprochen haben und die sich nun als hübsch verpackte Sprengsätze entpuppen, gesellten sich Ende vergangener Woche noch die Kreditausfälle in Japan. Dort hat die Staatsbank den Leitzins seit langer Zeit bei 0,5 Prozent gehalten, um die Wirtschaft anzukurbeln. Viele Investoren sahen dies als Einladung an, sich in Yen zu verschulden und das Geld in besser verzinste Anlagen zu stecken. Fallende Kurse und steigende Kreditzinsen machen ihnen nun einen Strich durch die Rechnung. Bis jetzt lässt sich auch noch nicht abschätzen, inwieweit die laxe Kreditvergabe, wie sie in China gepflegt wird, sich international auswirken wird.

Das Desaster durch die Gier

Wie immer, wenn die Gier der Zocker zu groß wird, stürzt die Finanzwelt in eine Krise. Dabei hätte sich das Schlimmste durchaus verhindern lassen. Denn die Gefahr, die hinter den amerikanischen Hypotheken lauerte, war seit langem bekannt. Ob die Schuld nun die Rating-Agenturen trifft, denen man jetzt vorwirft, dass sie die Gefahr eben nicht rechtzeitig erkannt hätten und Schuldner zu hoch bewertet hätten oder ob es die Zocker in den Banken und Fondsmanagementabteilungen trifft, die nur die Renditen aber nicht die Risiken erkannt haben, ist müßig. Alle Betroffenen müssen mit dem hausgemachten Desaster leben. Doch Panik hilft nicht.

Ein kühler Kopf kann vieles retten

Anleger sollten einen kühlen Kopf bewahren. Experten wie Chefökonom Norbert Walter von der Deutschen Bank in Frankfurt und sein amerikanischer Kollege Holger Schmieding von der Bank of America sehen die Gefahren für die deutsche Wirtschaft als begrenzt an. Sie rechnen mit einer kleinen Delle, deren Ursache weniger ein Rückgang der Konjunktur als vielmehr die allgemeine Verunsicherung sei. Für die Börse zeigen sie sich optimistisch, weil die Auftrags- und Gewinnlage der deutschen Unternehmen sehr gut ist. Den Dax sehen sie bei einer unteren Grenze von knapp - 7 000 Punkten.

Die Risiken liegen derzeit in Amerika. Konsumenten, die ihre Kredite nicht mehr bezahlen können, kaufen auch weniger ein, fahren weniger Auto und so weiter. Bricht das Wirtschaftswachstum dort nachhaltig ein, wird dies nicht ohne Wirkung auf die deutsche Konjunktur bleiben.

Der private Anleger kann sich schützen, in dem er sein Depot unter Sicherheitsaspekten überprüft. Von Geldmarktfonds sollten sie jetzt Abstand nehmen. Denn etliche von ihnen haben versucht, ihre Renditen mit den von der Krise heftig betroffenen ABS Fonds (Asset Backed Securities) aufzuhübschen. Sicherer als Geldmarktfonds sind Fest- und Tagesgeldkonten. Sie bieten derzeit relativ hohe Zinsen und kosten keine Gebühren. Ein zusätzlicher Trost für verunsicherte Anleger: Diese Anlagen schützt der Einlagensicherungsfonds deutscher Banken. Deshalb sollte die Wahl der Bank unbedingt auf ein Institut fallen, dass dieser Einrichtung angehört. Ausländische Geldhäuser, die besonders hohe Zinsen versprechen, garantieren häufig nur Einlagen bis zu einer Grenze von 20 000 Euro. Kaum in Gefahr geraten Anleihen von Ländern aus dem Euro-Raum, der Bundesländer oder der staatlichen Förderbanken mit sehr hoher Bonität: Sie zahlen in regelmäßigen Abständen Zinsen und am Ende der Laufzeit das eingesetzte Kapital zurück. Auf der sicheren Seite sind ebenfalls die Bundesschatzbriefe oder -obligationen.

Schuster, bleib bei deinen Leisten

Vielleicht übersteht die Wirtschaft die Krise ohne allzu große Schäden. Das wird sich erst in ein paar Monaten zeigen, wenn klar ist, welche Bank und welche Fonds wie tief in den Handel mit den obskuren Kreditpaketen verstrickt ist. Schmerzen die jetzt geschlagenen Wunden nur wenig, werden die Blessuren schnell wieder vergessen sein – bis zur nächsten Krise. Denn auf den internationalen Finanzmärkten kreist unglaublich viel Geld auf der Suche nach lukrativen Anlagen. Ein Grund dafür, dass die Aktienkurse weltweit nicht tiefer gestürzt sind und ein Ansporn für die Createure fantasievoller Finanzprodukte – die wieder neue Gefahren in sich bergen.

Besonnene Anleger bleiben bei den bis zum Grund durchschaubaren Angeboten wie der Schuster bei seinen Leisten.

Marlene Endruweit
m.endruweit@netcologne.de



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