sg
16.02.12 / 12:50
Heft 04/2012 Praxis
Tagesgeld, Festgeld und Co.

Stetiger Zuwachs

Zurzeit erleben die Sparer eine verkehrte Welt: Die EZB hält den Leitzins niedrig und gleichzeitig steigen die Zinsen für Fest- und Tagesgeld in attraktive Höhen. Diese Angebote sollten sich Anleger nicht entgehen lassen. Dabei dürfen sie allerdings das Thema Sicherheit nicht vernachlässigen.




Das ist der Normalfall: Sinkt der Leitzins, korrigieren die Banken die Zinsen auf Guthaben ihrer privaten Klientel rasch nach unten – im Gegensatz zu den Kreditzinsen. Doch obwohl die EZB den Leitzins am 8. Dezember 2011 auf ein Prozent gesenkt hat, halten sich die Zinsen für Spareinlagen auf ziemlich hohem Niveau. Die Gründe dafür leuchten ein: Die Banken benötigen dringend Geld. Untereinander leihen sich die Institute kaum noch etwas, so groß ist inzwischen das Misstrauen, dass der Partner eventuell risikoreiche Länderanleihen in seinem Depot hält und einen Kredit möglicherweise nicht mehr zurückzahlen kann.

Günstiges Geld hält die EZB bereit. Doch verlangt sie dafür „refinanzierungsfähige“ Sicherheiten. Das können zum Beispiel Staatsanleihen von Ländern mit einwandfreier Bonität sein. Doch davon gibt es nicht mehr so viele.

Ein weiterer Grund für die Lockangebote ist die Tatsache, dass die Banken ihre risikobehafteten Geschäfte mit 10,5 Prozent Eigenkapital unterlegen müssen. So verlangt es die Europäische Bankenaufsicht EBA. Damit aber die Sparer ihnen ihr gutes Geld anvertrauen, müssen die Institute attraktive Angebote machen. Das haben einige Banken inzwischen begriffen.

Die Internet-Finanzberatung FMH ermittelte den Durchschnittszins für Tagesgeld in der Zeit zwischen 1999 und 2008. Er lag bei 2,47 Prozent, 0,6 Prozentpunkte schlechter als der EZB-Leitzins von 3,08 Prozent.

Zu Beginn der Finanzkrise in 2008 drehte sich die Situation: Der im FMH-Index ermittelte Tagesgeldzins lag im Schnitt bei 1,69 Prozent und der EZB-Zins bei 1,42 Prozent. FMF-Chef Max Herbst begründet diese Entwicklung so: „Die Banken sind also bereit, den Kunden einen höheren Zins für ihr Tagesgeld zu zahlen, als sie der EZB für täglich benötigtes Geld vergüten müssten. Damit verzichten sie nicht nur auf Marge, sondern legen sogar drauf, um sich von den Unwägbarkeiten des Finanzsystems ein Stück weit unabhängiger zu machen – gut für Sparer und Anleger.“

Hohe Zinsen im Tausch für lange Kapitalbindung

Auch für Festgeld gibt es höhere Zinsen, als die EZB sie von den Instituten kassieren würde. Damit sichern sich die Geldhäuser Kapital für längere Zeit, mit dem sie Risikopositionen abbauen können. Bei diesem Spiel außen vor bleiben Volksbanken und Sparkassen. Sie horten meist weniger risikoreiche Papiere und sind deshalb auf die Kundengelder nicht so stark angewiesen. Entsprechend zurückhaltend zeigen sie sich bei den Konditionen. Hier liegt die Spanne bei 0,25 bis ein Prozent. Die nicht eben für ihre Zinsangebote berühmte Deutsche Bank bietet seit Monaten immerhin zwei Prozent für Festgeld an.

Aber auch damit machen Anleger noch ein Verlustgeschäft. Denn diese Konditionen reichen nicht, um die Geldentwertung von 2,1 Prozent – Stand Dezember 2011 – auszugleichen. Wer Gewinne machen will, wird vor allem bei den Internetbanken fündig. Deutsche und ausländische Anbieter versprechen Zinsen von bis zu 4,5 Prozent für Sparbriefe, Fest- und Tagesgeld. Damit lässt sich die Inflationsrate lässig schlagen. Der Sparer muss nur entscheiden, wie lange er sein Geld festlegen beziehungsweise wie flexibel er sein möchte. Das beste Angebot für Tagesgeld kommt mit 2,75 Prozent zurzeit (Stand: Mitte Januar 2012) von der Deniz Bank. Für 10 000 Euro, festgelegt für zwölf Monate, bietet die Vakif Bank 3,16 Prozent und für einen zweijährigen Sparbrief gibt es von der Isbank 3,5 Prozent. Sinnvoll ist, die Anlagefristen zu staffeln, um auf Zinsänderungen reagieren zu können. Alle genannten Institute sind ausländische Banken. Ängstliche Anleger entscheiden sich lieber für deutsche Anbieter, weil sie glauben, dort sei ihr Kapital sicherer. Das stimmt so nicht. Entscheidend für die Sicherheit ist die Einlagensicherung, die für ein Institut gilt. Sie unterscheidet sich je nach dem, welchem System die Bank angehört oder in welchem Land sie ihren Sitz hat.

Gesetzliche Einlagensicherung

In Deutschland sind seit dem 1. Juli 2009 alle Spareinlagen auf Girokonten, Fest- und Tagesgeldkonten sowie Sparbriefe über die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken gesetzlich geschützt. Die Höhe der abgesicherten Summe beträgt seit dem 1. Januar 2011 100 000 Euro pro Einleger zu 100 Prozent. Wer mehr als die Höchstsumme bei einer Bank anlegt, bekommt im Schadensfall maximal 100 000 Euro ersetzt. Diese Regelung gilt für die gesamte EU. Und so funktioniert es im Ernstfall: Der Kunde meldet seine Forderung an und innerhalb von 30 Tagen muss die Einlagensicherung das Geld auszahlen.

Um ihren Kunden eine möglichst hohe Sicherheit zu gewährleisten, bieten die meisten Banken und Sparkassen zusätzlichen Schutz. So sind die meisten privaten Banken wie die Deutsche Bank dem Einlagensicherungsfonds deutscher Banken angeschlossen. Dieser schützt im Pleitefall bis zu 30 Prozent des haftenden Eigenkapitals der betroffenen Bank und das je Kunde. Das macht mindestens 1,5 Millionen Euro. Diese Regelung gilt noch bis 2015. Danach wird der Schutz sukzessive bis 2025 abgebaut. Selbst dann wird er bei kleinen Banken noch bei 440 000 Euro liegen. Grundsätzlich gilt: Zuerst tritt die gesetzliche Regelung in Kraft. Bei Beträgen, die 100 000 Euro überschreiten, springt der Sicherungsfonds ein.

Sparkassen und Volksbanken haben eigene Sicherungssysteme aufgebaut. Nach einer Art Solidaritätsprinzip, bei dem im Ernstfall alle der Gemeinschaft angeschlossenen Institute einspringen, sollen so alle Einlagen unbegrenzt geschützt sein.

Schutz bei ausländischen Banken

Inzwischen tummeln sich viele ausländische Banken auf dem deutschen Markt. Vor allem sie locken mit hohen Zinsen. Doch wie sieht es mit der Einlagensicherung bei Instituten aus, deren Namen den meisten deutschen Sparern alles andere als vertraut sind? Hat die ausländische Bank ihren Hauptsitz in einem EU-Land, gilt auch hier die 100 000- Euro-Regel. Allerdings muss der Geschädigte seine Ansprüche in der jeweiligen Landessprache geltend machen. Das gilt zum Beispiel für folgende Institute: Advanzia Bank (Luxemburg), Garantibank, MoneYou oder NIBC Direct (alle Niederlande) und DenizBank, VakifBank sowie VTB Direktbank (alle Österreich).

Inzwischen agieren etliche selbstständige Töchter von ausländischen Instituten in Deutschland. Sie sind dem Einlagensicherungsfonds deutscher Banken angeschlossen. Dazu gehören Institute wie die niederländische ING-Diba, die türkische Isbank, die britische Bank of Scotland oder die spanische Santander Bank. Für sie alle gilt die Kombination aus Entschädigungseinrichtung und Einlagensicherungsfonds. Kunden der ICICI Bank und der Bank of Scotland müssen sich im Pleitefall für die ersten 100 000 Euro an die britische Einlagensicherung wenden und dann für den Teil, der darüberliegt, an den deutschen Sicherungsfonds. Wer beim Internet-Anbieter Cortal Consors anlegt, sollte Französisch können. Informationen darüber, welche Banken dem Einlagensicherungsfonds angehören und bis zu welcher Höhe dort Einlagen geschützt sind, bietet die Homepage des Bundesverbands deutscher Banken www.bankenverband.de .

Lockangebote mit Nebenwirkungen

Max Herbst hält einige der ausländischen Anbieter sogar für besonders sicher: „Etliche ausländische Banken stehen weitaus besser da, als viele deutsche Sparer vermuten.“ Dazu zählt seiner Meinung nach vor allem die spanische Santander Bank. Aber auch Gabriele Schmitz, Finanzexpertin bei der Verbraucherzentrale Hamburg, zerstreut Bedenken: „Auf die Einlagensicherung kann man sich verlassen.“ Sie hält auch eine Sparanlage bei der deutschen Industriekreditbank IKB für unproblematisch. Das Institut lockt mit 4,1 Prozent für dreijähriges Festgeld und benötigt möglicherweise wieder staatliche Unterstützung zur Beseitigung der Schwierigkeiten.

Auf der sicheren Seite sind Sparer, die nicht mehr als 100 000 Euro bei einem Institut anlegen. Wer größere Summen zinsgünstig parken will, sollte sich die Einlagensicherung genau ansehen und dann entscheiden, für wie vertrauenswürdig er die Absicherung beziehungsweise die angeschlossene Bank hält.

Neben der Sicherheit sollten Sparer sich die Nebenbedingungen der Angebote genau ansehen. Häufig sind die hohen Lockzinsen zeitlich begrenzt. Nach Ablauf der Frist gibt es dann nur noch magere Zinsen. Beliebt sind auch Staffelungen nach der Höhe des Anlagebetrags. Für die Rendite mitentscheidend ist der Zeitpunkt der Zinsgutschrift. Eine monatliche Verrechnung, bei der die Zinsen im nächsten Monat wieder mitverzinst werden, bedeutet natürlich mehr Gewinn als die jährliche Gutschrift.

Eigene Bedürfnisse entscheiden

Für welche Anlage man sich entscheidet, hängt von den persönlichen Bedürfnissen ab. Sinnvoll kann es sein, einen Teil des Geldes auf einem flexiblen Tagesgeldkonto zu deponieren. Schutz vor Zinsveränderungen bieten verschieden Laufzeiten bei Festgeld und Sparbriefen. Die Flexibilität des Tagesgelds und den besseren Zins des Festgelds in einem bieten Kombiprodukte. Hierbei bleibt ein Teil des Geldes mit Zinsgarantie für die gesamte Laufzeit festgelegt und der Rest wird als Tagesgeld verzinst. Zu den Anbietern dieser Variante gehören die VakifBank, die DenizBank und die IKB Direkt. Es empfiehlt sich zurzeit aber nicht, sich länger als drei oder vier Jahre festzulegen. Denn zum einen bringen längere Laufzeiten kaum Zinsgewinn und außerdem wird eine Änderung der Zinspolitik auf Dauer wahrscheinlich.

Marlene Endruweit

Finanzjournalistin

m.endruweit@netcologne.de

INFO

Nützliche Adressen im Netz

Für Zinsangebote:

www.biallo.de

www.fmh.de

Für Einlagensicherung:

www.bankenverband.de

www.sparkassen.de

www.vr.de



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