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16.10.11 / 00:09
Heft 20/2011 Titel
Ästhetik

Stoppt den Schönheitswahn

Die Schönheitschirurgie boomt. Prof. Dr. Werner L. Mang, Vorstandsvorsitzender der Mang Medical One Klinikgruppe, der größten Klinikgruppe für Ästhetische Chirurgie Deutschlands, beschreibt den Status Quo der ästhetischen Chirurgie und verweist zugleich auf ihre Grenzen.




Deutschland ist Marktführer in Europa mit über eine Million ästhetisch-plastischer Operation im Jahr 2010. Auch der Anteil an Männern nimmt zu. Während sie 1990 nur fünf Prozent ausmachten, waren es 2000 bereits zehn Prozent und 2010 schon 20 Prozent.

Am häufigsten durchgeführt werden: Fettabsaugungen an Bauch und Hüfte, Schlupflid- und Tränensackoperationen, Haartransplantationen, Nasenkorrekturen und Faceliftings. Bei den Frauen sind Brustimplantate mit Abstand die häufigsten Operationen, gefolgt von Fettabsaugungen im Bereich der Oberschenkel und Bodykonturing, Lidkorrekturen, Faceliftings, Bauchstraffungen. Dazu kommen hunderttausende Behandlungen mit Hyaluronsäure und Botox-Unterspritzungen.

Megabrüste mit Implantaten über 500 Gramm pro Seite, Barbiepuppen- Nasen, mit Silikon aufgespritzte Lippen, Fettabsaugungen bei Magermodels, Horroroperationen wie herausgeschnittene Rippen, um eine engere Taille zu haben, oder Entfernung des Mittelfußknochens, um höhere Highheels tragen zu können, lehne ich ab. Genau so die Operationen, mit denen eine starke Veränderung des Aussehens erreicht werden soll. Das ist nicht möglich, hier muss der gute ästhetische Chirurg Nein sagen. Ich schicke zehn Prozent meiner Patienten weg oder arbeite bei solchen Wünschen mit einem Psychologen zusammen.

Medien haben einen großen Einfluss auf die Schönheitschirurgie. Aber ein guter Schönheitschirurg darf sich ihnen und dem Zeitgeist nicht unterwerfen. Im Gegenteil: Er schafft Natürlichkeit und Harmonie und Umstände, damit sich der Patient in seiner Haut wohl fühlt. Das ist die Mang’sche Philosophie, mit der ich so erfolgreich geworden bin.

Das Altersspektrum reicht heute von 14 bis über 80 Jahre. Vor zehn Jahren lag es noch zwischen 18 und 60 Jahren. Ich vergleiche die Schönheitschirurgie auch oft mit dem Internet – es gibt gute und schlechte Seiten – wichtig ist die Kontrolle und diese müsste sowohl in der Schönheitschirurgie als auch im Internet viel strenger sein. So würde viel weniger passieren, und es würde keine unglückliche Menschheit initiiert. Der Schönheitschirurg hat eine große Verantwortung, er muss gut ausgebildet, Künstler und vor allem Psychologe sein. Mit Blick auf das Altersspektrum gibt es zwei Verteilungsgipfel: Zwischen 20 und 30 sowie zwischen 50 und 60. Die häufigsten Operationen bei Jugendlichen ab 18 sind Nasenkorrekturen, Ohranlegungen und Brustimplantate. Die meisten Anti-Aging-Operationen werden bei der Generation 50 plus durchgeführt. Die Zukunft wird schonendere Operationsmethoden bringen, wie das Mini-Lift, Laserbehandlungen, bessere Materialien und bessere Implantate, so dass die Schwellungen rascher abklingen und die Heilung schneller vorangeht. Weiterhin werden in den nächsten Jahren in der Stammzellen-, Alters- und DNAForschung meiner Ansicht nach revolutionäre Ergebnisse erreicht werden. Dies bringt für Ärzte und Politik große Chancen, birgt aber auch große Gefahren.

Was aber nützt eine schöne Nase oder ein faltenfreies Gesicht, wenn die Zähne nicht saniert sind? Als Pionier der Schönheitschirurgie habe ich in meinen Büchern und Vorträgen Zahnärzte mit eingebunden. Deshalb habe ich vor vielen Jahren die Internationale Gesellschaft für Ästhetische Medizin und Kosmetische Zahnmedizin gegründet, in der wir jedes Jahr auf mehreren Kongressen auf das elementare Thema Ästhetik in der Zahnmedizin hinweisen. Es gibt heute in der Zahnmedizin wunderbare Verfahren die Ästhetik betreffend, und es kann heute jeder ein strahlendes Lächeln haben.

Prof. Dr. med. Werner Mang
Bodenseeklinik Mang
Medical One GmbH
Graf-Lennart-Bernadotte-Str. 1
88131 Lindau am Bodensee
www.bodenseeklinik.de



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