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16.08.06 / 00:15
Heft 16/2006 Praxis
Betriebsausgaben klein halten

Stromkosten runter!

Mangelnde Konkurrenz lässt die Preise steigen. Das gilt auch für Strom – wie fast jeder Zahnarzt weiß. Die Energiepreise sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Je nach Anbieter und Region kostet die Kilowattstunde gegenwärtig zwischen 14 und 18 Cent, also bis zu 40 Prozent mehr als noch 2000. Die Tendenz hält an. Kostenbewusste handeln: Anbieter wechseln, Strom sparen, neue Technik integrieren – die drei Möglichkeiten stehen zur Wahl.




Mit 4 000 bis 6 000 Euro im Jahr schlagen die Stromkosten in einer Zahnarztpraxis ganz ordentlich zu Buche. Tendenz steigend. Eine Kostensteigerung von rund 40 Prozent bedeutet, dass dieser Kostenfaktor in sechs Jahren um 1 200 bis 1 800 Euro gestiegen ist.

Wie hoch die Rechnung letztlich ausfällt, hängt von verschiedenen Kriterien ab: von der Größe der Praxis, der Anzahl der Behandlungseinheiten und der Räume, von der Wahl der Beleuchtung, von Behandlungsvorrichtungen sowie von Computer und Drucker. Hier lässt sich doch was drehen – zum Guten.

Um die hohen Stromkosten zu reduzieren, bietet sich in einem ersten Schritt die Möglichkeit, die zu zahlenden Tarife mit denen eines alternativen Anbieters zu vergleichen, um eventuell zu wechseln. Doch da die vier großen Energieversorger nach wie vor über 80 Prozent des Marktes unter sich aufteilen, sind die Ersparnisse längst nicht so hoch, wie sie bei forciertem Wettbewerb sein könnten. Vor einem geplanten Wechsel sollten in jedem Fall die Kosten, Laufzeiten und sonstigen Bestimmungen des Vertrages genau geprüft werden. Einen Überblick über die aktuellen Tarife der unterschiedlichen Anbieter finden Zahnärzte unter anderem bei den Verbraucherzentralen, zum Beispiel unter www.verbraucherzentralebremen. de/themen/energie/tarifrechner /index.html.

Wenig Strom für viel Licht

Unabhängig von einem Anbieterwechsel empfiehlt es sich, die elektrischen Geräte in der Praxis genauer unter die Lupe zu nehmen, um durch gezielte Maßnahmen sowie durch ein verändertes Nutzerverhalten weitere Einsparungen zu erreichen.

Was die Beleuchtung angeht, so empfiehlt sich neben dem konsequenten Abschalten von Lichtquellen in nicht genutzten Räumen oder während der Pausen vor allem Strom sparende Leuchtmittel zu verwenden. Im Vergleich zu Standard-Lösungen sind Einsparungen von bis zu 80 Prozent abhängig vom jeweiligen Nutzerverhalten leicht möglich. Bei Energiesparlampen kommt hinzu, dass sie eine deutlich längere Lebensdauer besitzen; dadurch rechnen sich die höheren Anschaffungskosten, denn in der gleichen Zeit müssten konventionelle Leuchtmittel mehrfach neu beschafft werden.

Bei großen Praxen kann sich der Einbau einer Beleuchtungssteuerung lohnen, die sämtliche Lichtquellen Strom sparend je nach einfallendem Tageslicht variiert. Je nach Anzahl der Praxisräume sowie Anzahl und Art der Lichtquellen mindert sie die Stromrechnung um mehrere hundert Euro je Jahr. Eine schlüssige Kosten-Nutzen- Rechnung vorab berücksichtigt unbedingt auch die anfallenden Ausgaben für die Anschaffung, um eine individuell ökonomische Entscheidung zu ermöglichen.

Ausgeschaltet – die Stromfresser der EDV

Computer und Drucker fressen Strom. Ein paar Grundregeln helfen, 200 Euro im Jahr je Anlage einzusparen, rechnete die Zeitschrift PC-Welt, Ausgabe 6/2006 aus. Der Standby- und Ruhemodus ist der effizienteste Schritt: Ausgehend vom Stromverbrauch eines durchschnittlichen Rechners von etwa 130 Watt im Betriebsmodus könnten Anwender auf diese Weise rund 125 Watt sparen.

Gleiches gilt für den Monitor. In längeren Pausen ist komplettes Ausschalten des Gerätes angezeigt. Da die meisten Rechner und Bildschirme auch im ausgeschalteten Zustand noch Strom verbrauchten, schließen energiebewusste User sie über eine Steckdosenleiste an, mit der sie die Stromzufuhr per Schalter wirklich kappen können. Am meisten sparen sie damit laut PCWelt bei Laserdruckern, die sehr viel Strom verbrauchen. Bei Tintenstrahldruckern ist das Ausschalten während längerer Pausen hingegen meist nicht empfehlenswert, da viele Tintenstrahler nach jedem Neustart intensiv die Düsen des Druckkopfes reinigen – das macht die Einsparung schnell zunichte. Wer wissen will, wie viel Strom seine Geräte in Betriebs-, Standby- und Ruhemodus sowie im ausgeschalteten Zustand verbrauchen, kann diese am Stromzähler überprüfen. Genauere Infos liefert ein Strommessgerät. Das kann man vielerorts auch ausleihen, um sich einen ersten Überblick zu verschaffen. Nähere Informationen hierzu liefert die Website der „Aktion No-Energy“ unter www.no-e.de.

Kraft mit Wärme gekoppelt

Gehört dem Praxischef das Gebäude, kann er den Stromverbrauch noch weiter senken: Laut den neuen Standards nach Novellierung der Energie-Einspar-Verordnung (EnEV) müssen viele Heizungsanlagen modernisiert werden. Muss eine neue Anlage her, kann sich der Umstieg auf regenerative Energieträger lohnen. Eine interessante Alternative zu herkömmlichen Heizungsanlagen sind moderne Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, die gleichzeitig Wärme und Strom liefern und dabei einen extrem hohen Wirkungsgrad von etwa 90 Prozent erreichen.

Eine interessante Alternative zu herkömmlichen Heizungsanlagen sind moderne Anlagen zur Kraft-Wärme- Kopplung, die den benötigten Strom direkt vor Ort produzieren. Die bei der Stromproduktion abfallende Abwärme wird dabei gleichzeitig zur Beheizung und Warmwasserbereitung verwendet, so dass der Wirkungsgrad einiger Geräte 80 bis 90 Prozent erreicht. So wird der Brennstoff effektiv genutzt und gleichzeitig die Umwelt geschont. Zur weiteren Optimierung bieten einige Anlagen außerdem übersichtliche Darstellungen über die individuelle Wärme- und Stromerzeugung sowie Ökobilanzen, die auf Knopfdruck abrufbar sind.

Der überschüssige Strom lässt sich ins öffentliche Netz einspeisen – gegen Entgelt. Die Betreiber von Anlagen bis zu 50 kW können dabei für zehn Jahre einen Zuschlag von 5,11 Cent je eingespeister Kilowattstunde erhalten, sofern die Anlage bis Ende 2008 in Betrieb genommen wird (siehe die Homepage des Bundesverbandes Kraft-Wärme- Kopplung e.V. unter www.bkwk.de). So liefert das eigene, umweltschonende Heizkraftwerk ausreichend Energie sowie Unabhängigkeit vom Marktpreis und „verdient“ dabei noch Geld.

Beim Einbau einer Anlage zur Kraft-Wärmekopplung können Betreiber eine günstige Finanzierung bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in Frankfurt erhalten, über die das Institut auf seiner Homepage unter der Internetadresse www.kfw-foerderbank.de informiert.

Robert Uhde
Grenadierweg 39
26129 Oldenburg



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