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01.03.15 / 00:05
Heft 05/2015 Politik
Gesundheitsmanagement

Studiengänge mit Zukunft

Wer im Gesundheitswesen arbeitet, benötigt heute mehr denn je neben einem umfangreichen medizinischen und pflegerischen Wissen auch ökonomische Kompetenzen. Zahlreiche Universitäten und Hochschulen haben diese Lücke erkannt und bieten entsprechende Studiengänge als Voll- oder Teilzeitzeitstudium, berufsbegleitend sowie als duale Ausbildungsgänge an.



Studiengänge im Health Care Management sind gefragt – für angehende Mediziner mit entsprechenden Kenntnissen bieten sich interessante Berufsperspektiven. Foto: vario images

Ärzte, Zahnärzte, Juristen, Ministerialbeamte, Mitarbeiter von Krankenversicherungen sowie aus der pharmazeutischen und aus der medizintechnischen Industrie, aber auch examinierte Pflegekräfte, Zahntechniker und Abiturienten – der Pool, aus dem sich die Interessenten an Studiengängen zum Gesundheitsökonom, Gesundheitswissenschaftler oder im Bereich Health Care Management rekrutieren, ist groß. Und fast ebenso groß ist inzwischen der Kreis derjenigen, die entsprechende Ausbildungsgänge anbieten.

An der European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel beispielsweise gibt es das Fach Gesundheitsökonomie bereits seit 1995. Knapp 30 Studenten pro Jahr aus allen Branchen des Gesundheitswesens nutzen das zwei Semester umfassende Angebot, um nähere Kenntnisse darüber zu gewinnen, wie der Gesundheitsmarkt funktioniert. „Wer Interesse an einer Führungsfunktion hat, kann dann noch ein Masterstudium bei der EBS draufsatteln“, so Prof. Dr. Ralph Tunder, Managing Director am Health Care Management Institute (HCMI) der EBS. Das Programm ist als berufsbegleitendes Präsenzstudium konzipiert. Die Gebühren für das MBA-Studium belaufen sich entweder auf 32 800 Euro für alle vier Semester zusammen beziehungsweise auf 23 500 Euro für diejenigen, die nach Abschluss des Gesundheitsökonomiestudiums zwei Semester dranhängen wollen. „Mit dieser Staffelung und den zwei Studienstufen bieten wir den Studierenden eine für sie spezielle optimale Laufbahnplanung an. Denn die Studierenden können selbst entscheiden, ob und wann sie ihr Studium zum MBA fortsetzen wollen“, betont Tunder.

Robustes Fundament

Rund ein Drittel derer, die mit dem Gesundheitsökonom abgeschlossen haben, machen nach Aussage von Tunder von der weiter führenden Möglichkeit zum MBA Gebrauch. „Unser Ziel ist es, den Absolventen ein robustes Fundament zu vermitteln, um das Gesundheitswesen losgelöst vom Spartendenken durchdringen und beruflich entsprechend agieren zu können“, so der Managing Director.

Auch andere Hochschulen und Universitäten setzen auf einen ganzheitlichen Ansatz, um ihren Absolventen interessante weiterführende berufliche Perspektiven bieten zu können. Auffallend ist auch, dass die Ausbilder ihr Studienangebot immer stärker differenzieren. Bei der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Hamburg gibt es zum Beispiel einen Studiengang Gesundheitswissenschaften (seit 2006 als Bachelorstudiengang). Darüber hinaus bietet die HAW einen Weiterbildungsstudiengang Master of Public Health sowie den konsekutiven Masterstudiengang Health Science mit jeweils etwas anderen Schwerpunkten an. „Es bestehen außerdem eine Summer School mit dem Studiengang Health Care Management der California State University sowie Kooperationen mit Australien und europäischen Partnerstädten“, erklärt Prof. Dr. Christine Färber, Departmentleiterin Gesundheitswissenschaften der Fakultät Life Science der HAW. Bei der Frankfurter School of Finance und Management (FS) spielt dagegen die internationale Ausrichtung des Studiums eine zentrale Rolle. Seit 2003 können Studenten an der Frankfurter Einrichtung einen Health-Care-spezifischen MBA machen. Unterrichtssprache während des 20 Monate dauernden Programms ist Englisch. Voraussetzung zur Zulassung sind außerdem drei bis fünf Jahre Berufserfahrung.

Module im Ausland

„Etwa zehn bis 15 Prozent der Teilnehmer stammen aus dem deutschsprachigen Raum. Die übrigen kommen von überall her“, sagt Prof. Dr. Rainer Sibbel von der FS. Das Studium ist so aufgebaut, dass ein Teil der Module im Ausland stattfindet. Dafür arbeitet die FS eigens mit Partneruniversitäten in Indien, Singapur, den USA, Großbritannien und Kanada zusammen. Eine Woche dauert der jeweilige Auslandsaufenthalt, bei dem die Studenten auch Gesundheitseinrichtungen des Landes besuchen und Kontakte für ihre weitere berufliche Karriere knüpfen können.

Unter den deutschen Teilnehmern dominieren nach Angaben von Sibbel Chefärzte, die eine zusätzliche ökonomische Qualifizierung erwerben wollen. „Der Vorteil des Studiums ist, dass die Teilnehmer die Möglichkeit erhalten, sowohl interkulturell als auch interdisziplinär zu arbeiten und unterschiedlich ausgerichtete Gesundheitssysteme kennenzulernen“, so Sibbel.

Theorie und Praxis

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt die Inter- nationale Hochschule für Business und Management Bad Honnef Bonn (IUBH). Hier haben die Studenten die Möglichkeit, zwischen drei verschiedenen Angeboten zu wählen. Neben dem englischsprachigen Masterstudiengang International Health Care Management bietet die IUBH eine duale Ausbildung auf Bachelor-Niveau mit einem wöchentlichen Wechsel zwischen Theorie und Praxis an. Die dritte Sparte bildet ein Fernstudium auf Bachelor-Basis.

„Der Bachelor bietet vor allem Berufstätigen eine flexible Möglichkeit zur Aus- und Weiterbildung im Gesundheitsmanagement“, erläutert Rebecca Wanzl, Head of Study Advisory Services Marketing bei der IUBH, während der Master in der Regel als Vertiefungsstudium im Anschluss ans Erststudium genutzt werde. „Wichtig ist uns bei allen drei Studiengängen der Praxisbezug und die ständige Aktualisierung der Studieninhalte, da sich die Gesundheitsbranche fortlaufend weiterentwickelt”, betont Wanzl.

Auch an der Hochschule (HS) Niederrhein in Krefeld gibt es die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Angeboten zu wählen. Da gibt es zum einen den Bachelor- oder Masterstudiengang Health Care Management als Vollzeitstudium oder dual in Kombination mit der Ausbildung „Kauffrau/Kaufmann im Gesundheitswesen“. „Schwerpunkt im HCM sind BWL und Medizin“, so Heike Koß-Hülsen, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der HS Niederrhein. Weitere Studiengänge des Fachbereichs sind „e-health-IT im Gesundheitswesen“ und „Angewandte Therapie Wissenschaften“.

Erwartungen voll erfüllt

Leonie Berents gehört zu den rund 40 Prozent der Studierenden in Krefeld, die direkt nach dem Abitur ohne vorherige Berufsausbildung einen Bachelor-Abschluss in Health Care Management gemacht haben. Das Studium hat die Erwartungen der 21-Jährigen voll erfüllt. „Mich hat vor allem die große Fächerauswahl gepaart mit dem starken Praxisbezug überzeugt“, sagt Berents. Wichtig war und ist für die junge Frau auch, bereits neben dem Vollzeitstudium in unterschiedlichen Einrichtungen – angefangen vom Krankenhaus über einen externen Dienstleister für den Klinikbereich bis hin zu einer Unternehmensberatung – Berufserfahrungen zu sammeln. In den kommenden zwei Jahren will sie nun noch den MA-Studiengang absolvieren, um ihre Chancen zu erhöhen, später im Bereich Unternehmensführung arbeiten zu können. Die Sorge, keinen Arbeitsplatz zu bekommen, hat sie nicht. „Dafür ist die Branche insgesamt zu zukunftsträchtig“, so Berents.

Petra Spielberg
Altmünsterstr. 1
65207 Wiesbaden



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