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16.07.03 / 00:14
Heft 14/2003 Gesellschaft
ERO-Sitzung in Warschau

Suche nach Wegen aus der Krise

Bei der diesjährigen Vollversammlung der Europäischen Regionalorganisation (ERO) der FDI am 23./24. Mai in Warschau wurde eines deutlich: Die ERO steckt zur Zeit in einer tiefen Krise über ihr Selbstverständnis, ihre Aufgaben und ihre Ziele. Ausgelöst wird dieser Zustand insbesondere durch die Ost-Erweiterung der EU.




Waren bisher 15 europäische Länder im Zahnärztlichen Verbindungsausschuss zur EU (ZÄV) vertreten, werden es ab 2004 25 Länder der EU sowie drei EWR-Länder (mit Beobachterstatus) sein, also die Mehrzahl der europäischen Zahnärzteverbände. Die ERO, die sich als Verband aller europäischen Länder versteht, hat mit derzeit 37 Ländern dann nicht wesentlich mehr Mitglieder; sie ist zugleich eine der fünf weltweiten regionalen Organisationen der FDI.

Nachdem der ZÄV sich im April dieses Jahres in Linz eine neue, effiziente Satzung gegeben hat, um seine neuen Aufgaben durch die EU-Erweiterung auch strukturell zu bewältigen, ringt die ERO um ihr Selbstverständnis. Die von Deutschland seit Jahren geforderte Lösung, nur noch einen europäischen Zahnärzteverband zu haben, der Aufgaben von ZÄV und ERO erfüllt, stieß in der Vergangenheit auf den vehementen Widerstand fast aller anderen Länder. Eine solche Lösung scheint nicht durchsetzbar.

Die Rolle des ZÄV ist relativ klar, die der ERO weniger. Der ZÄV ist Interessenvertretung der europäischen Zahnärzteschaft bei der Europäischen Kommission und beim Europaparlament. Zu Vorhaben von Kommission und Parlament, die zahnärztliche Belange betreffen, ist der ZÄV zur Stellungnahme aufgefordert, er hat damit einen direkten Ansprechpartner. Die ERO könnte die Organisation sein, die eine europäische zahnärztliche Berufspolitik formuliert, tut sich in dieser Rolle in den letzten Jahren zunehmend schwer. Als Ansprechpartner hat sie nur die nationalen Regierungen, so dass es von der Initiative des nationalen Zahnärzteverbandes abhängt, ob wichtige berufspolitische Beschlüsse der ERO, die es durchaus gibt, auch tatsächlich im eigenen Land eingebracht und der Politik und Öffentlichkeit kommuniziert werden.

Erschwert wird die Krise der ERO durch finanzielle Überlegungen. ERO und ZÄV finanzieren sich über Beiträge der Mitgliedsverbände, die sich grob nach der Zahl der Zahnärzte in einem Verband richten. Manchen Ländern fällt es schwer, diese Beiträge überhaupt zu zahlen und insbesondere, diese an zwei europäische Organisationen zu zahlen.

Vorschläge aus Deutschland

Bereits im Vorfeld der ERO-Vollversammlung hatte sich der Vizepräsident der BZÄK, Dr. Wolfgang Sprekels, in einem Schreiben an den ERO-Vorstand gewandt, mit dem Vorschlag, eine kleine Arbeitsgruppe einzusetzen, die kurzfristig eine klare Aufgabendefinition der ERO und entsprechende organisatorische Strukturen vorschlagen solle. Diesem deutschen Vorschlag folgte dann auch die ERO-Versammlung in Warschau. Dr. Fritz-Josef Willmes, Ehrenpräsident der BZÄK und Beauftragter für Internationale Angelegenheiten, plädierte in der Sitzung vehement dafür, dass die ERO ihre Sinnkrise konstruktiv und produktiv bewältigen solle, indem sie intensiv über neue Inhalte und Schwerpunkte nachdenke. Gerade die Konkurrenz zum ZÄV könnte produktiv für die ERO sein, weil der ZÄV in seinen neuen Aufgaben auf die EU-Kommission konzentriert sei. Wichtige zahnärztliche Themen könnten von der ERO aufgearbeitet werden, die allgemein berufspolitische Bedeutung haben. Aber auch eine effizientere Öffentlichkeitsarbeit durch den ERO-Vorstand sei erforderlich, damit die Botschaften und Beschlüsse der ERO tatsächlich bei den Regierungen Europas ankommen. 

Dr. Patrick Hescot, Frankreich, Mitglied des ERO-Vorstandes, unterstützte diese Aus führungen. Man könne die Krise der ERO pessimistisch, aber auch konstruktiv sehen. Er plädierte dafür, die ERO gemeinsam mit neuem Sinn zu erfüllen, etwas aufzubauen und forderte alle Mitgliedsländer auf, an einer effizienten Zukunft der ERO mitzuarbeiten. 

Als Ergebnis der Diskussion wurde eine kleine Arbeitsgruppe mit Vertretern aus fünf Ländern unter Vorsitz von Patrick Hescot eingesetzt. Die Arbeitsgruppe soll bis Februar 2004 Optionen zu den Aufgaben der ERO erarbeiten. Dr. Willmes als deutsches Mitglied erklärte zur Aufgabe dieser Arbeitsgruppe: „Sie ist zum Erfolg verdammt und das in einem engen Zeitrahmen“. Im Frühjahr 2004 wird über die Zukunft der ERO beschlossen werden.  

Barbara Bergmann-Krauss
Universitässtraße 73
50931 Köln



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