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16.03.07 / 00:13
Heft 06/2007 Medizin
Onkologie

Supportivtherapie – ein schützender Schirm für Krebspatienten

Die Onkologie besteht keineswegs nur aus Chirurgie, Chemo- und Strahlentherapie. Genauso wichtig ist die sogenannte Supportivtherapie. Denn oft ermöglichen es den Patienten nur intensive begleitende Maßnahmen, die Belastungen der Chemo- und Strahlentherapie durchzustehen. Die Chancen der Supportivtherapie aber werden noch nicht ausgeschöpft, hieß es bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) in Leipzig.



Symptome, die bei der Krebstherapie auftreten, sollten unbedingt therapiert werden, um die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Foto: stockdisc

„Unterstützende Maßnahmen gehören zu jeder Chemotherapie und auch zu jeder Strahlentherapie zwingend dazu“, mahnte Professor Dr. Petra Feyer aus Berlin. Die Supportivtherapie muss nach ihren Worten deshalb ein wesentlicher Bestandteil der Tumortherapie sein. Ihr Ziel ist es, möglichen Nebenwirkungen der Krebstherapie bereits im Vorfeld entgegenzuwirken, um sie zu vermeiden, zu mildern und zu behandeln, wenn sie unter der Therapie auftreten.

Belastungen der Krebstherapie abmildern

Die Supportivtherapie hat nach Feyer dabei mehrere Aufgaben: Sie soll zum einen die Belastungen der Patienten durch die Krebsbehandlung mildern und ihnen trotz des Tumors und seiner Behandlung eine möglichst wenig beeinträchtigte Lebensqualität erhalten. Zum anderen können unterstützende Maßnahmen auch dafür sorgen, dass die geplanten Therapieprotokolle überhaupt zu realisieren sind. Ein weiteres Plus ist die bessere Verträglichkeit, die oftmals dann auch eine ambulante Durchführung der Chemotherapie erlaubt. „Wird eine effektive Supportivbehandlung eingeleitet, so gibt es kaum mehr Gründe dafür, die Chemotherapie stationär zu verabreichen“, erklärte Dr. Feyer.

Dabei ist jedoch zwischen Kuration und Palliation zu unterscheiden: Beim kurativen Ansatz ist eine adäquate Supportivtherapie für eine verbesserte Toleranz der Tumorbehandlung wichtig. Sie bietet gleichzeitig die Option der Dosiseskalation mit Erhöhung des kurativen Potenzials und zugleich eine Verbesserung der Lebensqualität. Beim palliativen Ansatz sollen hingegen krankheitsbedingte Symptome gelindert und so ebenfalls die Lebensqualität verbessert werden. „Die Behandlung sollte den Patienten überspannen wie ein schützender Schirm“, so Feyer.

Es gibt nach ihren Worten gute Möglichkeiten, dieses Ziel zu realisieren, im Alltag werden sie aber leider oft nicht praktiziert. Begleitsymptomen wie der Tumormüdigkeit, Übelkeit und Erbrechen sowie Schmerzen und Infektionen kann vorgebeugt werden. Auch eine Behandlung ist möglich, wobei sogar dokumentiert ist, dass dies kostengünstig erfolgen kann. „In die Realität umgesetzt werden die Therapiechancen allzu oft aber nicht“, beklagte Dr. Feyer in Leipzig. Professor Dr. Hans-Joachim Schmoll aus Halle bekräftigte die Worte von Dr. Feyer und nannte zugleich den Grund für die Diskrepanz zwischen den Möglichkeiten und der Realität: „Eine gute Supportivtherapie ist weit aufwendiger als eine Chemotherapie“, betonte der Onkologe. Sie beginnt schon mit der adäquaten Aufklärung des Patienten über die möglicherweise auftretenden Folgen und Komplikationen des Tumorleidens und der Krebstherapie. Das aber ist entsprechend zeitaufwendig, was von den Krankenkassen nicht honoriert wird.

Aufwand und Nutzen

Welche Maßnahmen konkret erforderlich sind, muss zudem individuell entschieden werden, betonte Dr. Karin Jordan aus Halle. Wichtig sind nach ihren Worten eine gute Schmerztherapie, die Vorbeugung und Behandlung von Übelkeit und Erbrechen und auch die Therapie einer Anämie und der Fatigue. „Rund 60 Prozent der Patienten erhalten in dieser Situation aber keine adäquate Behandlung“, monierte die Referentin. So werde die Tumoranämie oft erst dann therapiert, wenn der Hb-Wert unter sieben abgesunken sei, was nach Jordan viel zu spät ist.

Noch zu wenig Beachtung findet laut Schmoll außerdem die Behandlung von Infektionen, die oft sogar als solche nicht erkannt werden. „Dieser Bereich aber ist besonders wichtig, weil Infektionen bei Krebspatienten nicht selten einen tödlichen Verlauf nehmen“, warnte der Onkologe.

Zur Supportivtherapie gehört nach Jordan ferner eine umfassende psychoonkologische Betreuung, ebenfalls ein Bereich, in dem es nach den Worten der Medizinerin zum Teil noch erhebliche Versäumnisse gibt. Als weitere wichtige Begleitmaßnahmen der Tumortherapie nannte sie die Ernährung, die einem Gewichtsverlust entgegen wirken sollte, und wann immer möglich, die Planung von Therapieprotokollen, die die Wahrscheinlichkeit des Haarausfalls, den viele Krebspatienten fürchten, minimieren.

Christine Vetter
Merkenicherstraße 224
50735 Köln

 



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