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16.09.12 / 12:00
Heft 18/2012 Politik
Zahnärztetag Mecklenburg-Vorpommern

Trends erkennen – praktisch handeln

Der Schwerpunkt der Fortbildung galt der Endodontie – doch das Themen-spektrum auf dem Zahnärztetag Mecklenburg-Vorpommern war breit gesetzt. Rund 600 Zahnärzte und rund 300 Praxismitarbeiterinnen kamen vom 31.8. bis zum 2.9. nach Warnemünde, um sich fachlich fit für neue Herausforderungen im Arbeitsalltag zu machen. Auch die Berufspolitik kam nicht zu kurz.




Besonderen Wert legte Kammerpräsident Prof. Dr. Dietmar Oesterreich auf den Gedanken der Teamfortbildung. Die Kammer habe als Organ der Selbstverwaltung alle Hände voll zu tun, die Versorgung in den Praxen sicherzustellen, betonte er in seiner Eröffnungsrede zum Zahnärztetag. Neben der Fortbildung sei es der Organisation ein großes Anliegen, sich am gesundheits- und am gesellschaftspolitischen Diskurs zu beteiligen, Trends zu erkennen und Handlungsempfehlungen abzuleiten. Dazu gehöre der Blick auf den drohenden Fachkräftemangel genauso wie der auf Maßnahmen zur Qualitätssicherung oder der auf den Umgang mit der neuen GOZ. Oesterrreich verwies auf Entwicklungen im GKV-Bereich: Die Politik habe inzwischen erkannt, dass dort kein Ausgaben-, sondern ein Einnahmeproblem herrsche. Sinnvoll sei seiner Meinung nach, den Dualismus zwischen GKV und PKV beizubehalten, jedoch in beiden Bereichen Reformen anzustreben.

Ein Thema, das in der Zahnärzteschaft Mecklenburg-Vorpommerns stark diskutiert wird, ist die Versorgungssituation im ländlichen Raum und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf vor dem Hintergrund des wachsenden Anteils weiblicher Berufsangehöriger. Eine Studie unter Leitung von Kammervorstandsmitglied Dr. Angela Löw hatte kürzlich gezeigt, dass der Anteil von Zahnärztinnen im Land schon seit Jahren rund 60 Prozent beträgt (siehe zm 11/2012, S. 40-44).

Damit einher gehe ein Trend zu Anstellungsverhältnissen oder Kooperationen, aber die vorwiegende Praxisform bleibe die freie Niederlassung, erklärte Oesterreich mit Verweis auf die Studie. Aufgrund der Altersstruktur ergäben sich besondere Herausforderungen durch die Pflege von Angehörigen. So gelte es, die Zusammenarbeit mit Städten und Kommunen zu intensivieren, um gute Voraussetzungen für die familiären Rahmenbedingungen von Zahnärzten zu erreichen.

Ein weiterer Aspekt sei die Versorgung von Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderungen. Oesterreich verwies auf das bundesweite zahnärztliche Konzept „Mundgesund trotz Handicap und hohem Alter“. Erste Schritte zur Umsetzung seien in der Politik bereits getan, nun müssten weitere folgen.

Neue Möglichkeiten

Schwerpunkt des Fortbildungsteils war die Endodontologie. Mit der technologischen und wissenschaftlichen Entwicklung böten sich zunehmend neue Möglichkeiten, Patientenwünsche zu erfüllen, erläuterte der wissenschaftliche Leiter der Tagung, PD Dr. Dieter Pahncke, Rostock. Dies erfordere aber auch eine individuell ausgerichtete Arbeit des Zahnarztes, Erfahrung und viel manuelles Geschick. Die Vielzahl technischer Neuerungen habe außerdem zu zusätzlichen Investitionsausgaben in der Praxis geführt. Und viele Zahnärzte seien zu Spezialisten für Endodontie geworden oder hätten Tätigkeitsschwerpunkte entwickelt. Hier müsse man darauf achten, dass ein partnerschaftliches Nebeneinander von Generalist und Spezialist gewährleistet sei, denn der Generalist sei sehr wohl in der Lage, eine hochwertige Behandlung durchzuführen. Spezialfälle sollten überwiesen werden. pr

INFO

Gegen Praxisgebühr

Mit einem Votum gegen die Praxisgebühr ging der Zahnärztetag in Warnemünde zu Ende. Die Gebühr sei präventionsfeindlich und trotz geltender Befreiungsregelungen unsozial und gehöre abgeschafft. Besonders für Patienten in schwierigen Lebenslagen stelle sie ein Hindernis dar, den Zahnarzt regelmäßig und rechtzeitig aufzusuchen. Genau dort liege aber das höchste Erkrankungsrisiko, dem nur durch einen niedrigschwelligen Zugang zu zahnmedizinischen Dienstleistungen begegnet werden könne.



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