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16.12.07 / 00:15
Heft 24/2007 Leitartikel

Über den Wolken



Foto: axentis

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

grenzenlos ist bekanntlich Freiheit nur über den Wolken, spätestens seit Reinhard Mey. „Die Freiheit nehm’ ich mir“, sagte sich denn wohl auch der Alleswisser/-könner/-schreiber einer illustren branchenbekannten Wochenzeitung, verlor die Bodenhaftung und forderte unmittelbar vor dem Deutschen Zahnärztetag die BZÄK-Versammlung auf, der KZBV die Grenzen aufzuzeigen.

Nun haben gottlob weder KZBV noch BZÄK, weder KZBV-Vertreterversammlung noch BZÄK-Delegiertenversammlung die Muße, sich in Grabenkämpfen gegenseitig das Leben schwer zu machen. Wer das will, ist nicht nur ein gesundheitspolitischer Traumtänzer, sondern – weit gefährlicher – trauriger Erfüllungsgehilfe für die Ideen, gegen die wir alle gemeinsam angetreten sind.

Und so hatte folgerichtig die BZÄK-Versammlung auch nicht gehorsamst die Hacken zusammengeschlagen und auf Vollzug gearbeitet (– was den wunschdenkenden Kommentator unmittelbar nach dem Deutschen Zahnärztetag nicht hinderte festzustellen, dass die „BZÄK die KZBV in die Schranken gewiesen“ habe).

Wunschdenken hilft in der jetzigen Diskussion um die neue GOZ den Zahnärzten in Deutschland ohnehin nicht (mehr). Wer seinen analytischen Sachverstand in dieser Zeit des Wandels nicht nutzt und verkennt, dass wir in diesem Spiel gegen Gesetzgeber, gegen GKV und PKV nur Erfolg haben werden, wenn wir zusammenstehen und uns gegen die Strategie des Gesetzgebers, eine Einheitsversicherung zu schaffen, wehren, wirkt kontraproduktiv. Jeder zahnärztliche Standespolitiker, der hier seine Hausaufgaben nicht macht und seinen Beitrag für die Zahnärzteschaft nicht leistet, arbeitet der anderen Seite in die Hände.

Die Zeit purer Umsetzung von Ideologien, die vielleicht über Jahre hinweg dazu beitrug, das gesundheitspolitische Geschehen zu überstehen, wird der heutigen Lage nicht mehr gerecht. Klar gilt es, Ideale zu bewahren, Ziele zu verfolgen und der Politik pragmatisch Paroli zu bieten. Aber gemeinsam – auch unter Hintanstellung von organisatorischen Zugehörigkeiten!

Die neue GOZ ist originär Sache der BZÄK. Und um diese Arbeit und Verantwortung ist sie wahrlich nicht zu beneiden. Die KZBV hat da, wo sie es konnte und kann, der BZÄK im Hintergrund zugearbeitet und wird das auch weiter tun. Schließlich sind die Vertragszahnärzte in diesem Land höchst betroffen von dieser neuen GOZ.

Sowohl in der Füllungstherapie, Stichwort Mehrkostenregelung (§28 SGB V), als auch beim Zahnersatz, Stichwort Festzuschüsse (§§ 55/56 SGB V), ist die GOZ ein wesentliches, ein wichtiges betriebswirtschaftliches Standbein in den Praxen. Da ist auch die KZBV gefordert. (Und den ungeliebten Basistarif hat die KZBV ebenso ungeliebt am Hals.)

In diesem Spiel mit seinen durch das – übrigens nicht von uns gemachte – SGB V gesetzten Grenzen darf es nur Teams geben. Dabei selbst für den Sand in unseren Augen zu sorgen, verschafft nun mal keine klare Sicht auf die Dinge. Gesundheitsfonds, Basistarif, GOZ-Novellierung, Einheitsversicherung, der uneingeschränkte Sog zu Ökonomisierung, Kapitalisierung und auch Machtzentralisierung der zahnmedizinischen Versorgung sind mehr als genug Fronten. Sie erfordern unseren ganzen Einsatz – von jedem von uns an seiner Stelle.

Die KZBV-Vertreterversammlung hat als Teilhaber des Deutschen Zahnärztetages aufgezeigt, dass sie festen Willens und in der Lage ist, nüchtern zu analysieren, zielgerichtet zu debattieren und sich den Herausforderungen mit ihren weitgehend einhelligen, für den Berufsstand strategisch bedeutenden Beschlüssen zu stellen und sie, wie in den Arbeitsaufträgen formuliert, auch umzusetzen.

Und ich hatte als Delegierter der BZÄK-Delegiertenversammlung auch nicht den Eindruck, in einer anderen berufspolitischen Welt zu sein! Nein – es geht nicht um „Mein“ oder „Dein“ in der standespolitischen Aufgabenstellung! Hier gilt: Herausforderungen schweißen zusammen – oder dividieren auseinander!

Manche – auch in Redaktionsstuben – hätten es wohl lieber über den Wolken. Die wohnen dann aber im Wolkenkuckucksheim.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

Dr. Jürgen Fedderwitz
Vorsitzender der KZBV



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